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Die "Antigone" nach Sophokles wird im Mai 2024 in Chemnitz und Plauen gezeigt. Bildrechte: André Leischner

Wilde Bühnengeschichten Chemnitz und Zwickau: Sieben Theater-Highlights im Mai

22. Mai 2024, 12:37 Uhr

Rund um Chemnitz und Zwickau gibt es im Mai 2024 wieder viele sehenswerte Theaterstücke zu erleben: In Chemnitz gibt es ein Festival mit europäischen Gastspielen und eine Art Mörderballade. Außerdem können Interessierte in Zwickau und Chemnitz zwei Versionen eines antiken Stoffs vergleichen. In Freiberg gibt es ein außergewöhnliches Musical. Hier finden Sie eine Auswahl der besten Theaterstücke im Mai mit Terminen und Service-Infos. Jeweils zu Beginn des neuen Monats wird diese Übersicht aktualisiert.

Musical in Freiberg: "Fast Normal" am Mittelsächsischen Theater 

Ihr Sohn weicht nicht von ihrer Seite. Denn er ist nur noch ein Geist: Vor Jahren ist er als Kleinkind verstorben und begleitet Diana Goodman seitdem und wird zu einem Teenager. Das Musical "Fast normal" erzählt beschwingt und empathisch von einer manisch-depressiven Frau und ihrer Familie. Sie leidet darunter, wie sehr die Medikamente sie abstumpfen lassen, ihr Mann fühlt sich gleichzeitig hilf- und nutzlos angesichts der Krankheit und die Tochter will auch endlich gesehen werden. Das kommt am Mittelsächsischen Theater mit klarer Personenführung, musikalischer Glanzleistung und überzeugenden Bühnenbild auf die Bühne, staunt Kritiker Torsten Kohlschein in der "Freien Presse": "Den Freibergern gelingt mit 'Fast normal' eine Gratwanderung: Sie setzen die von einer Bandbreite zwischen Rock und Minimal Music (formidabel: die Band aus Mitgliedern der Mittelsächsischen Philharmonie und Gästen unter José Luis Gutierrez) getragene Geschichte leichthändig, humorvoll und doch empathisch und bewegend, um, werden nie oberflächlich oder verharmlosend. Das ist große Unterhaltung, gepaart mit Relevanz."   

In einer blau erleuchteten Bühne umarmen sich zwei Menschen. Im Halbdunkel schaut eine Person ihnen zu.
"Fast Normal" erzählt, wie eine Familie mit den Auswirkungen einer bipolaren Störung kämpfen muss. Bildrechte: Detlev Müller

Weitere Informationen "Fast normal"
Musical von Tom Kitt und Brian Yorkey

Adresse:
Theater Freiberg
Borngasse 1
09599 Freiberg

Dauer: 165 Minuten, eine Pause

Termine:
12. Mai, 17 Uhr

Tanztheater in Chemnitz: "Kontrapunkte" im Opernhaus

Manchmal muss es an einem Tanzabend um nicht mehr gehen, als um den Tanz selbst. So ist es auch bei dem ersten Teil des Doppelabends "Kontrapunkte" am Chemnitzer Ballett. Mit der Musik von Astor Piazzolla hat Hans van Manen einen eigenen Zugang zum Tango gefunden. Er löst sich von den starren Mustern und Regeln des traditionellen Tanzes und verbindet die klassischen Posen mit dem Ballett. "Klare Formen ohne Tingeltangel: mechanisch akkurate Schrittfolgen, Drehungen auf Spitze wie bei Spieluhrfiguren, Hebungen, Sprünge. Viel Synchronität, viel Symmetrie, die pure Kraft ausstrahlen. Paare tanzen, auch Männer miteinander, finden sich in Gruppen und treiben wieder auseinander", beschreibt Kritikerin Katharina Leuoth in der "Freien Presse" und freut sich, dass die Kult-Choreografie aus den 70er-Jahren nun in Chemnitz zu sehen ist. Dort wird sie verbunden mit einer etwas anders gelagerten Arbeit von Juanjo Arqués: In "Manoeuvre" testen sieben Tänzer verschiedene Posen der Männlichkeit aus. Beide Teile des Tanzabends seien bereichernd, meint die Kritikerin. 

Eine Tanzgruppe auf der Theaterbühne: Synchron heben die Frauen die Arme und drücken den Rücken durch, währen die Männer sie halten.
Bereits 1977 schuf Hans van Manen seine Choreografie, die seitdem immer wieder aufgeführt wird. Bildrechte: Ida Zenna

Weitere Informationen "Kontrapunkte"
Zweiteiliger Ballettabend mit "5 Tangos" von Hans van Manen
und "Manœuvre" von Juanjo Arqués

Adresse:
Opernhaus
Theaterplatz 2
09111 Chemnitz

Dauer: 75 Minuten, eine Pause

Termine:
8. Mai, 19:30 Uhr

Figurentheater in Chemnitz: "So glücklich, dass du Angst bekommst"

Lange blieben sie unsichtbar: Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, die aus Vietnam in die DDR kamen. Selbst nach der Wiedervereinigung versuchten sie meist unter dem Radar zu bleiben und so wissen die wenigsten um diese Schicksale. Miriam Tscholl, die ehemalige Leiterin der Dresdner Bürgerbühne und somit sehr erfahren in der Arbeit mit Laien auf der Theaterbühne, hat drei Frauen eingeladen, ihre Geschichten zu erzählen. Es sind Geschichten, die rühren und die erschrecken. Jeder sollte diese Stimmen hören.   

Eine Frau in rotem Kleid sitzt an einer Bühnenkante, neben ihr steht eine kleine Puppe, die wie sie aussieht.
Mit Puppen werden die Lebensgeschichten von Chemnitzer Frauen mit Wurzeln in Vietnam erzählt. Bildrechte: Dieter Wuschanski

Weitere Informationen "So glücklich, dass du Angst bekommst"
Geschichten von Chemnitzer Frauen aus Vietnam

Adresse:
Spinnbau
Altchemnitzer Straße 27
09120 Chemnitz

Dauer: 100 Minuten, keine Pause

Termine:
17. Mai, 20 Uhr
18. Mai, 18 Uhr (AUSVERKAUFT)

Musiktheater in Chemnitz: "Sleepless" im Opernhaus

Es ist nicht immer so einfach, wie es in der Bibel klingt: Abgesehen vom Schöpfungsakt in sieben Tagen und einer "unbefleckten Empfängnis", schon dass Josef und Maria überhaupt eine Unterkunft gefunden haben, grenzte an ein Wunder. Das zeigt die Oper "Sleepless" von Peter Eötvös nach einer Erzählung des Literaturnobelpreisträgers Jon Fosse. Darin machen sich Asle und die schwangere Alida auf den Weg durch die Welt. Doch weil die sich den beiden jungen Menschen immer feindlich zeigt, wird Asle zum Mörder. Das Musiktheater des inzwischen verstorbenen Komponisten ist eine Art Moritat, eine frühere Version des Thrillers oder Krimis. Eötvös besitzt dafür eine überzeugende Tonsprache, die Melodien und Klänge übereinanderschichtet und auf diese Weise eine Art Musikwolke entsteht. Die Inszenierung am Theater Chemnitz ist reduziert und konzentriert, passt wunderbar zur Musik und vermeidet eine klare Moral. "Geschichte, Bilder, Musik, Aussage – es ist Vieles, was von dieser Oper im Gedächtnis haften bleibt. Ein schlüssiges Konzept, das zum Nachdenken anregt und zugleich ein Achtungszeichen in Sachen Musiktheater in der Kulturhauptstadt in spe setzt", meint Torsten Kohlschein in der "Freien Presse". 

Zwei Personen im Gegenlicht auf einer Bühne reichen sich die Hände.
Gemeinsam versuchen Asle und Alida sich durch die Welt zu schlagen. Bildrechte: Nasser Hashemi

Weitere Informationen "Sleepless"
Opernballade von Peter Eötvös

Adresse:
Opernhaus
Theaterplatz 2
09111 Chemnitz

Dauer: 140 Minuten, eine Pause

Termine:
3. Mai, 19:30 Uhr
11. Mai, 19:30 Uhr
26. Mai, 17 Uhr

Schauspiel in Chemnitz und Plauen: Zweimal "Antigone"

Es ist ein Klassiker des Theaters und eine Parabel für den moralischen Widerstand: Antigone. Der Krieg ist gerade vorbei, in dem zwei Brüder beim Kampf um die Macht gestorben sind. Ihr Onkel ist nun König und erlaubt nur einen der beiden zu begraben. Ihre Schwester Antigone jedoch widersetzt sich und es kommt zur Katastrophe. Der Klassiker von Sophokles ist aktuell sowohl in Chemnitz als auch in Plauen zu sehen. So können Interessierte einen noch intensiveren Blick auf den alten Stoff bekommen. 

In Chemnitz wird vor dem eigentlichen Drama viel Vorgeschichte erzählt. Die Bühne ist ein Ödland aus Sand und Baumstümpfen. Dazwischen spielt das Ensemble, geschickt wechselnd zwischen "körperliche Dynamik und Statik", berichtet Kritikerin Sarah Hofmann in der "Freien Presse". Regisseurin Nina Mattenklotz "bedient sich an altgriechischer Theaterpraxis, indem sie Figuren mit riesigen Masken spielen lässt, setzt auf starke emotionale und symbolträchtige Bilder und lässt einem wirklich guten Ensemble Raum zum Spiel."

Eine Person in blauer Kleidung geht kraftvoll über Sand, in der Hand eine Krone, schräg hinter ihr eine Person in rotem Rock und eine Person in silbernen Rock.
Ein schwerer Streit in der Familie: Ismene, Antigone und Kreon haben unterschiedliche Meinungen, wie mit dem toten Eteokles umgegangen werden soll. Bildrechte: Dieter Wuschanski

In Plauen wird auf die komplexe Vorgeschichte des überforderten Königs Kreon verzichtet, sondern sich ganz auf die eigentliche Titelheldin konzentriert. Die Bühne noch etwas abstrakter mit vereinzelten schwarzen schiefen Quadern. "Dabei gibt das Ensemble eine wirklich beeindruckende Vorstellung“, urteilt Kritikerin Hofmann abermals in der "Freien Presse". Ergänzt wird das durch ein Soundbett und schwarz-weiße Videosequenzen, die die emotionalen und psychologischen Momente unterstreichen. "Sie haben beide Längen, aber auch große Stärken, setzen auf jeweils grundverschiedene Lesarten. Während Nina Mattenklotz in Chemnitz ihren Fokus auf das Aufeinanderprallen von Prinzipien legt, setzt Joanna Lewicka eher auf die psychologische Komponente, spielt mit dem Abgründigen", resümiert die Kritikerin. 

Personen stehen vereinzelt auf einer Bühne, im Hintergrund ein Gerüst, darüber Bildschirme mit Schwarz-Weiß-Bildern.
Die Inszenierung in Plauen versucht, die Beweggründe von Antigone zu zeigen. Bildrechte: André Leischner

Weitere Informationen "Antigone" nach Sophokles, Euripides, Aischylos und John von Düffel

Adresse:
Spinnbau
Altchemnitzer Straße 27
09120 Chemnitz

Termine:
13. Mai, 19:30 Uhr

Adresse:
Vogtlandtheater
Theaterplatz
08523 Plauen

Termine:
20. Mai, 18 Uhr

Festival Nonstop Europa am Theater Chemnitz

Auch im Mai ist das europäische Theater zu Gast in der künftigen Kulturhauptstadt Europas. Zum Festival Nonstop Europa sind mehrere Produktionen eingeladen, auch von Theaterschulen und jungen Teams. In diesem Jahr steht vor allem Polen im Zentrum des Programms: Der junge und gefeierte Regisseur Grzegorz Bral verknüpft Adam Mickiewicz‘ "Totenfeier" bildstark mit der Geschichte Polens. Das Theater Watbrzych erzählt von dem Menschen Salman Schocken, der zur Zeit von Josef Mengeles lebte. Die Uni Temeswar zeigt Szenen von Truman Capote und die Anton Bruckner Privatuniversität Linz Ausschnitte von Tennessee Williams.  

Weitere Informationen Das Festival Nonsstop Europa findet vom 9. bis zum 11. Mai statt.

Adresse:
Spinnbau
Altchemnitzer Straße 27
09120 Chemnitz

Das komplette Programm gibt es auf der Seite des Theaters Chemnitz.

Festival "Der Rahmen ist Programm" am Fritz Theater in Chemnitz

Theater, das sich einmischt, das sich mit den Menschen beschäftigt – das will das Festival "Der Rahmen ist Programm", das maßgeblich vom Verein Asa-FF organisiert wird. Neben Theaterstücken gibt es Filme, Gesprächsformate und Rundgänge. Der Audiowalk "Tyrannosaurus Regina" überlegt, wie uns etwas, das nicht mehr da ist (wie Dinosaurier oder die DDR) immer noch beeinflussen können. In "Frau Minister" untersucht Jule Torhorst das Leben ihrer Großmutter, die erste weibliche Ministerin in Deutschland, die kaum noch jemand kennt. Das Fritz Theater steuert die eigene Produktion "Schlagersüsstafel" über ein Treffen von Jugendlichen aus DDR und BRD bei. 

Weitere Informationen Das Festival "Der Rahmen ist Programm" findet vom 30. Mai bis zum 2. Juni statt.

Adresse:
Fritz Theater
Kirchhoffstraße 34-36
09117 Chemnitz

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. April 2023 | 08:10 Uhr

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