Gemeinschaft und Liebe Was läuft im Theater? – Die spannendsten Aufführungen in Halle, Dessau und Leipzig im Dezember

Die Theater rund um Leipzig und Halle bieten im Advent ein vielfältiges Programm – von Schauspiel bis Oper, von klassisch bis experimentell. In dieser Übersicht finden Sie die Spielplan-Highlights im Dezember 2022. Mit dabei: ein Schauspiel über Demenz in Leipzig, eine melancholische Geschichte über Freundschaft in Dessau und musikalisches Puppentheater in Halle.

Ein Mann in einem roten Bademantel steht auf einer Bühne und öffnet eine Tür in einer schwarzen Wand.
Das Stück "Vater" am Schauspiel Leipzig beschäftigt sich mit dem Altern und der Demenz. Bildrechte: Rolf Arnold/Schauspiel Leipzig

Junges Schauspiel: "Monster wie wir" am Anhaltischen Theater Dessau 

Schmerz verschwindet nicht – das ist eine der traurigen Erkenntnisse dieses Abends am Anhaltischen Theater Dessau. Katrin Plötner hat den Romanerstling "Monster wie wir" der erfolgreichen Dichterin Ulrike Almut Sandig mit viel Energie auf die Bühne gebracht. Das Publikum verfolgt das Aufwachsen von Ruth und Viktor zwischen DDR und Wiedervereinigung. Das die beiden im Kindergarten Freunde werden, scheint unwahrscheinlich, doch beide teilen etwas – vor allem die Erfahrung von sexualisierter Gewalt. Die Familie arbeitet das nicht auf und der Schmerz wird unterdrückt. Ruth kompensiert es mit Musik und Viktor wird selbst zum Gewalttäter. In einem faszinierend wandelbaren Bühnenbild überzeugen Cara-Maria Nagler und Andreas Hammer mit ihrem Schauspiel und lassen auf der Bühne eine innige Beziehung entstehen. Ein berührender Theaterabend! 

Weitere Informationen "Monster wie wir" ist die Theateradaption des Romandebüts von Ulrike Almut Sandig.

Adresse:
Altes Theater Dessau
Am Alten Theater 13
06844 Dessau-Roßlau

Dauer: 60 Minuten, keine Pause

Termine:
1. Dezember, 18 Uhr
7. Dezember, 15 Uhr (Restkarten)
16. Dezember, 19 Uhr

Für Schauspiel-Fans: "Vater" am Schauspiel Leipzig

Ein unangenehmes Gefühl, plötzlich nicht mehr zu wissen, wo man hingehört. Das müssen Menschen mit Demenz ständig erleben – ein Krankheit, mit der zahlreiche Menschen direkt oder indirekt konfrontiert werden. Das Schauspiel Leipzig versucht dieses Gefühl auf die Bühne zu bringen. "Vater" erzählt von einem Ingenieur im Ruhestand, bei dem jeder Tag Lücken hat und der darüber immer wieder in Streit mit seiner Tochter gerät. Die Kunst bei dieser Inszenierung liegt zum einen in der Inszenierung, die durch verwirrende Auftritte und den geschickten Einsatz von Lichteffekten Irritationen spürbar macht. Zum anderen gelingt es Bernd-Michael Baier als André, nicht die Krankheit in den Vordergrund zu rücken, sondern einen Menschen zu zeigen, der mit dieser Krankheit kämpft. Berührend und wohl für jeden relevant.

Weitere Informationen Das Stück "Vater" von Florian Zeller in der Übersetzung von Annette und Paul Bäcker

Adresse:
Schauspiel Leipzig
Bosestraße 1
04109 Leipzig

Dauer: 90 Minuten ohne Pause

Termin:
13. Dezember, 20 Uhr

Zum Lachen: Meigl Hoffmann Solo "Geölter Witz" in der Leipziger Pfeffermühle

Meigl Hoffmann ist ein wichtiger Bestandteil der Leipziger Kabarett-Szene und blickt in seinem Programm "Geölter Blitz" auf sein ganz persönliches Jahr zurück. Dabei blickt er natürlich auch auf die Bruchstellen der Gesellschaft, die zuweilen auch verkörpert und sich beispielsweise in einen großen Wutausbruch über die Beschriftung einer Milchpackung hineinsteigert. "Mutig und sehenswert", meint der Kreuzer.

Weitere Informationen Meigl Hoffmann – Geölter Witz: Im Rahmen der Mona Lisa

Adresse:
Kabarett Leipziger Pfeffermühle
Katharinenstraße 17
04109 Leipzig

Dauer: ca. 120 Minuten

Termin:
2. Dezember, 20 Uhr

Für Ballett- und Tanzfreunde: "Marin/Schröder" an der Oper Leipzig

Ein Tänzer hebt eine Tänzerin mit Maske und langen, herumwirbelnden Haaren hoch.
Zum Leipziger Ballett-Abend "Marin/Schröder" gehört auch das "Duo d'Eden" Bildrechte: Ida Zenner

Maquy Marin gehört mit zu den wichtigsten modernen Choreografinnen (und Choreografen) Frankreichs. Zwei ihrer Arbeiten sind aktuell in Leipzig zu erleben, wo sie von der hiesigen und gefeierten Tanzcompagnie interpretiert werden. Es beginnt mit einem Duo aus dem Jahr 1986, das uns an den Anfang der Menschheit im Paradies entführt und laut Steffen Georgi in der Leipziger Volkszeitung "immer noch Wirkung" entfaltet. In der zweiten Arbeit wird eine Fuge von Beethoven, gekonnt interpretiert von den Musikerinnen und Musiker des Gewandhausorchesters, vertanzt. Der Leipziger Ballettchef Mario Schröder ergänzt den Abend mit einer eigenen, verbindenden Arbeit mit dem Titel "Panta Rhei" – der Gedanke aus der Philosophie, dass sich alles immerfort verändert. Nicht jeder Moment dieses Abends ist fesselnd, so Georgi, aber Fans des Balletts werden nicht enttäuscht.

Weitere Informationen Tripelabend "Marin/Schröder" an der Oper Leipzig in Kooperation mit der euro-scene Leipzig

Adresse:
Oper Leipzig
Augustusplatz 12
04109 Leipzig

Termine:
11. Dezember, 17 Uhr
16. Dezember, 19.30 Uhr

Für Opernkenner: "Undine" am Schauspiel Leipzig 

Der Auwald ist ein besonderer Ort – nicht nur für Leipzig. Diese Mischung aus Wald und Sumpf ist einzigartig, bietet Lebensraum für viele Tiere und Erholung für die Stadtmenschen. Doch der Auwald liegt im Sterben: Der Mensch hat sich zu sehr in den Lauf der Flüsse eingemischt. Davon erzählt Sonja Isemer auf der Bühne des Leipziger Schauspiels und kündigt die Gegenreaktion an. Musik fließt durch den Raum und wird selbst für einige Zeit zum Hauptdarsteller. Dann hebt sich der Vorhang und da steht der eigentliche Star: ein riesiger Roboterarm, der Arien singt und dem Publikum ins Gewissen redet. "Undine" von Anna-Sophie Mahler ist ein außergewöhnliches Musiktheater voll poetischer Bilder und ein bisschen Hoffnung. Im Dezember ist die Inszenierung vorerst zum letzten Mal zu sehen.

Ein Roboterarm steht auf der Bühne des Leipziger Schauspiels im Nebel und wird angestrahlt.
Ein Roboterarm spielt in "Undine" am Schauspiel Leipzig die Hauptrolle. Bildrechte: Schauspiel Leipzig/Rolf Arnold

Weitere Informationen "Undine". Ein Musiktheaterprojekt von Anna-Sophie Mahler am Schauspiel Leipzig 

Adresse:
Schauspiel Leipzig
Bosestraße 1
04109 Leipzig

Dauer: 90 Minuten ohne Pause 

Termin: 
16. Dezember, 19.30 Uhr 

Für Liebhaber von Musik und Figurentheater: "Goldberg-Variationen" am Puppentheater Halle 

Das Puppentheater Halle hat unter seinem Leiter Christoph Werner eine besondere Liebe zur Musik entwickelt. Für die dritte Zusammenarbeit mit der großartigen Pianistin Ragna Schirmer hat das Haus eines der bedeutendsten Werke der Musikgeschichte ausgesucht: die "Goldberg-Variationen" von Johann Sebastian Bach. Als "perfekt" beschreibt die Musikerin die Komposition, die sie an den Abenden live spielt. Dazu entwickelt Regisseur Christoph Werner ein stummes Puppenspiel über Einsamkeit, über das Leben und den Tod.  

Weitere Informationen "Goldberg-Variationen – Ein Spiel für Ragna Schirmer und Puppen" von Christoph Werner am Puppentheater Halle 

Adresse:
Puchkinhaus Halle
Kardinal-Albrecht-Straße 6
06108 Halle (Saale)

Dauer: 80 Minuten ohne Pause 

Termine: 
14. Dezember, 20 Uhr
15. Dezember, 20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. März 2022 | 08:40 Uhr

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