FAQ Allergien im Garten

Niesen, jucken, rote Haut – das alles können Zeichen für eine allergische Reaktion im Garten sein. Dr. Carsten Lekutat von "Hauptsache Gesund" war im MDR Garten zu Gast und hat erklärt, was Allergiker im Garten wissen sollten. Wir haben sein Expertenwissen in sechs Fragen und Antworten zusammengefasst.

Ein Mann und eine Frau sitzen auf lila Sesseln. Sie lächeln in die Kamera. Vor ihnen steht ein Glastisch.
MDR Garten-Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig (rechts im Bild) und Dr. Carsten Lekutat von "Hauptsache Gesund". Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Woran merke ich, dass eine Allergie durch den Garten ausgelöst wird?

Klassischerweise zeigt sich die Allergie durch Niesen. Aber auch Atemwegssymptome oder tränende Augen können auf eine Allergie hinweisen. Rote Hautflecken, die jucken, deuten auf eine Kontaktallergie hin. Kontaktallergien treten auf, wenn der Allergiestoff die Haut direkt berührt. Das kann zu Rötungen und vor allem an den Händen zu trockener Haut mit aufgekratzten Stellen führen. Manchmal fühlt es sich auch nur wie eine Erkältung an. Treten die erkältungsähnlichen Beschwerden immer wieder zur selben Zeit auf, sollte das vom Arzt abgeklärt werden.

Wann ist die akute Allergikerzeit?

Die Allergikerzeit ist von Februar bis Oktober. Allergiker haben also höchstens in den Wintermonaten Ruhe.

Was kann ich für bzw. in meinem Garten tun, wenn ich auf Pflanzen reagiere?

Am besten sollten Gärtner zunächst einmal rausbekommen, worauf sie reagieren. Dabei kann ein bewusster Gang durch den Garten helfen: Gibt es Stellen im Garten, an denen meine Symptome plötzlich auftreten? Es hilft auch zu überlegen, ob die Reaktionen bei einer bestimmten Arbeit aufgetreten sind. Habe ich einen Auslöser gefunden, ist die Folgeüberlegung dann: Kann ich auf ihn verzichten?

Bei Rasen beispielsweise wird das schwierig. Die beste Variante damit umzugehen ist es, jemand anderen mähen zu lassen. Weil die Blüte die Allergie provoziert, sollte der Rasen vorher gestutzt und insgesamt sehr kurz gehalten werden. Muss der Allergiker doch selbst an den Rasenmäher, mildert eine Bewässerung des Rasens vor der Maht die Reaktionen ab. Auch beim Heckenschnitt kann es helfen, sie vorher zu wässern.

Niesen
Wenn im Garten immer wieder die Nase läuft, kann das an einer Allergie liegen. Bildrechte: Colourbox

Kreuzallergie Nicht selten überkreuzen sich allergische Reaktionen auf Obst und Gemüse mit einer bereits bestehenden Pollenallergie. Hat der Körper eines Allergikers bereits Antikörper gegen Pollen gebildet, kann er auch allergisch auf Lebensmittel reagieren. Das Immunsystem wehrt sich und schüttet Histamine aus. Die sorgen für die quälenden Körperreaktionen. Wer auf Birke, Erle und Hasel reagiert, verträgt also oft keine Nüsse.

Insgesamt ist Feuchtigkeit im Garten für Allergiker sehr gut. Gartenarbeit lässt sich reaktionsärmer an einem taureichen Morgen oder nach einem Regenschauer erledigen. Auch windstille Tage sind für Allergiker gut, denn dann werden die Pollen vom Winde verweht.

Um Ausschläge beispielsweise durch Kontaktallergien zu verhindern, kann auf Arbeitskleidung zurückgegriffen werden. Damit die Pollen gar nicht erst ins Haus geraten, sollte die Arbeitskleidung im Garten gewechselt werden.

Gibt es Allergiker-Pflanzen, also Pflanzen, durch die keine Allergie ausgelöst werden kann?

Nicht wirklich. Denn auf alles, was Natur ist, kann reagiert werden. Da hilft nur, gezielt die Pflanzen auszuwählen, gegen die der Gärtner nicht reagiert.

Wer mag, kann auch sogenannte Pollenfänger pflanzen. Das sind Pflanzen, die Pollen "wegfangen" bzw. sammeln. Sie ziehen die Pollen also weg vom Menschen. Allerdings ist der Schnitt dieser Pflanzen dann für Allergiker schwierig. Am besten wird die Pflanze vor dem Schnitt befeuchtet und die Pollen vorher ausgespült. Pollenfänger können beispielsweise Hecken sein.

Außerdem gibt es Bienenweiden. Bienenweiden sind Pflanzen, die von Insekten bestäubt werden. Die Insekten sammeln aus den Blüten der Bienenweiden die Pollen ab und transportieren diese zur nächsten Blüte, wo die Pollen im Stempel hängen bleiben. So bleiben die Pollen in den Pflanzen und gehen, wie bei den Pollenfängern, nicht auf den Menschen. Bienenweiden sind an der Blütengröße zu erkennen. Dabei gilt: Je größer die Blüte ist, umso interessanter ist die Blume für Bienen und umso allergikerfreundlich ist sie letztlich auch.

Auf der Blüte einer Echinacea sitzt eine Hummel
Hummeln und Bienen sammeln die Pollen der Echinacea ein. Bildrechte: MDR/ Julia Goss

Was kann ich bei einer akuten allergischen Reaktion tun?

Bei heftigen allergischen Reaktionen sollte unbedingt die 112 angerufen werden. Notfallsets aus der Apotheke können auch eingesetzt werden. Sie sind allerdings rezeptpflichtig, d.h. sie müssen vom Arzt verschrieben werden.

Insgesamt empfiehlt es sich bei allergischen Reaktionen immer, den Arzt aufzusuchen. Ein Allergietest kann Klarheit schaffen. Bei Hautreaktionen helfen dem Arzt Fotos vom Akutzustand bei der Diagnose.

Was ist ein Allergiepass?

In einem Allergiepass wird die Entwicklung der Allergien dokumentiert. Damit weiß jeder Arzt Bescheid, welche Allergien vorliegen, wie sie sich verändert bzw. ob sie sich entwickelt haben und was bei der Behandlung des Patienten beachtet werden muss. Jeder Allergiker sollte einen Allergiepass haben, meint Experte Dr. Carsten Lekutat. Der Allergiepass wird vom behandelnden Arzt ausgestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 15. August 2020 | 09:45 Uhr