Schöne Gartengrenze Einen Zaun aus Birke, Linde oder Ahorn pflanzen

Wussten Sie, dass der Begriff Garten ursprünglich eingezäuntes Gebiet bedeutete? Gerten, also Haselnusszweige und andere biegsamen Ruten, wurden verflochten und dienten als Abgrenzung zur wilden Natur. Auch heute noch gilt: Zum Garten gehört ein Zaun, eine Mauer oder eine Hecke. Und da gibt es viele Varianten. Eine aber ist in Vergessenheit geraten: der lebende Gitterzaun.

Ein Zaun aus gepflanzten Weidenstecken hat Blätter ausgetrieben.
Bildrechte: Heike Mohr

Ein lebendiger Zaun hat unten Wurzeln und oben eine belaubte Krone, er wächst also und muss demzufolge nicht montiert oder aufgebaut, sondern gepflanzt werden. Das geschieht im Herbst oder im zeitigen Frühjahr, wenn es noch wurzelnackte Jungbäume in den Forst-Baumschulen gibt. Das sind mindestens schon zweimal verpflanzte Sämlinge, die ohne Wurzelballen und damit recht kostengünstig angeboten werden. Gepflanzt werden kann der lebende Gitterzaun aus Linde, Esche, Birke oder Ahorn zum Beispiel. Die Erfahrung zeigt, dass weiche Gehölzarten besser zusammenwachsen als Harthölzer wie Eiche.

Wichtig ist: Jeder Jungbaum darf nur einem Trieb haben und muss möglichst senkrecht wachsen. Alle Ruten sollten außerdem so ungefähr die gleiche Länge haben. Schließlich soll der Zaun später wie ein klassischer Jägerzaun aussehen und ein typisches Rautenmuster haben. Das entsteht durch überkreuz verwachsene Bäume. Der Pflanzabstand bestimmt die spätere Rautenbreite. Wollen sie einen Zaun haben, der das ganze Jahr Sichtschutz bietet? Dann ist ein lebender Gitterzaun nicht geeignet, denn er ist im Winter oben kahl. Wer sich allerdings die Muse nimmt und einen solchen Zaun pflanzt, wird von Jahr zu Jahr belohnt mit dem Wechselspiel der Jahreszeiten und dem immer knorriger werden Wachstum.


Pflegeaufwand

Ein Zaun aus gepflanzten Weidenstecken im Winter.
So sieht der Zaun im Winter aus Bildrechte: Heike Mohr

Grundsätzlich ist ein lebender Zaun pflegeleichter als eine Hecke, die regelmäßig in Form gebracht werden muss, damit sie schön bleibt. Einige Arbeiten sind aber auch an den Bäumen notwendig. Neue Seitentriebe müssen beispielsweise regelmäßig entfernt werden, damit sie die Rautenkonstruktion nicht überwuchern. Außerdem muss auch die Laubkrone in Form gebracht werden.

Vorteile von lebenden Zäunen

  • Die lebende Zaunpflanzung wird mit den Jahren immer schöner.

  • Sie brauchen keinen Anstrich und sind leicht zu reparieren. Im Bedarfsfall können einfach neue Jungbäume nachgepflanzt werden.

  • Sind die Bäume gut zusammengewachsen, macht es zudem nichts aus, wenn ein Baum ausfällt, die Konstruktion oberhalb bleibt erhalten, weil der Trieb durch die Wurzel des Nachbarbaumes mitversorgt wird.

  • Der Zaun grenzt nicht nur ab, im Sommer wenn er belaubt ist, bietet er Tieren wie Vögeln oder Wildbienen Nahrung und Unterschlupf.

  • Außerdem ist er bezahlbar.

  • Hecken anzupflanzen ist kostenintensiver und arbeitsaufwendiger. Sie müssen mit größerem Aufwand zurück geschnitten und in Form gebracht werden. Außerdem sind sie massiver als ein lebender Rautenzaun.

Die Pflanzung Schritt für Schritt

1.      Einen Pflanzgraben in der entsprechenden Tiefe, Länge und Breite mit dem Spaten ausheben. Die Aushuberde am Rand anhäufeln.

2.      An den Jungbäumen alle unteren Seitentriebe entfernen. Geeignet ist zweijährige Wurzelware (also wurzelnackte umgeschulte, d.h. bereits zweimal verpflanzte Sämlinge) zum Beispiel von Linde, Esche, Birke oder Ahorn mit jeweils nur einem Trieb, möglichst senkrecht wachsend.

3.      Dann die Gehölze einsetzen, der erste und der letzte Trieb werden senkrecht gestellt. Alle anderen Gehölze ca. zehn Zentimeter über dem Boden immer paarweise kreuzen. Jede Pflanze kreuzt sich so drei- bis viermal mit einer anderen, je nach Länge der Sämlinge.

4.      Aushuberde darüber schieben und gut festtreten.

5.      Dann Veredlungsschnitte setzen. An den Kreuzungsstellen die Rinde mit einem scharfen Gärtnermesser abschneiden. Nach dem Entrinden die Stellen fest aneinander drücken und sofort mit Veredlungsband, es geht auch Bast, fixieren.

6.      Gut festbinden, nur so können kann das Bildungsgewebe zusammenwachsen.

7.      Größere Verletzungen mit Baumwachs bestreichen und so für einen Wundverschluss sorgen, da diese Schnittstellen eine Eingangspforte für Schadinsekten oder Pilzbefall sein können.

Schon im ersten Jahr nach der Pflanzung sind die gekreuzten Gehölze miteinander verwachsen. Nach einem Jahr können alle Veredlungsbänder entfernt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 11. August 2019 | 08:30 Uhr