Hecken und Sträucher im Garten Sanddorn, Schlehe, Felsenbirne - Wildobst wiederentdeckt

Wildobst liegt wieder voll im Trend, sagt Gärtnermeister Heiko Schieke vom Pflanzenhof in Tonndorf. Dort baut er auf auf drei Hektar Land Gehölze und auch verschiedene Arten und Sorten Wildobst an: Sanddorn, Schlehen und die Felsenbirne wachsen hier zu Beispiel. Beim MDR Garten gibt er Empfehlungen, welche Sorten auch im Garten gut wachsen.

Moderator Jens Haentzschel und Heiko Schieke stehen im MDR-Garten-Studio und halten Blumentöpfe mit Sanddornpflanzen in der Hand.
Zum Thema Wildobst sprach Moderator Jens Haentzschel mit Gärtner Heiko Schieke. In Tonndorf bei Erfurt betreibt er eine Baumschule. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wildobst ist ein Produkt der Natur. Es wächst sozusagen ohne Zutun von Menschen an Waldwegen oder auf Wiesen. Für Tiere sind die Früchte willkommene Nahrung. Ist Wildobst im Garten einmal angewachsen, muss es kaum noch gepflegt werden. Wichtig ist allerdings den Pflanzen, je nach Sorte, ausreichend Platz zu geben. Die ursprünglichen Wildobstarten tragen – im Gegensatz zu den Kultursorten – allerdings häufig weniger Früchte. Sie sind dafür robuster und nicht so anfällig für Krankheiten. Im Handel werden meist weiterentwickelte, kultivierte Sorten unter dem Oberbegriff „Wildobst“ angeboten.

 Was in der Natur nicht funktioniert, wird aussortiert. So überleben nur die stärksten Pflanzen. Wer keine Zeit für den Garten hat, sollte deshalb auf Wildformen zurückgreifen. Gute Pflanzzeit für Wildobstgehölze ist der Herbst.

Heiko Schieke, Gärtnermeister

Sanddorn

Ein Sanddornbusch mit vielen orangenen Beeren
In der Nähe von vier weiblichen Pflanzen sollte immer eine männliche Befruchterpflanze stehen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Wer Sanddorn im Garten ernten möchte, sollte auf kultivierte Sanddornsorten zurückgreifen, empfiehlt Heiko Schiecke. Sanddorn ist im Wildobstbereich eine Ausnahme denn die wilden Sorten tragen nur wenige Früchte. Sanddorn braucht einen trockenen, sandigen und vor allem sonnigen Standort, damit die Früchte reifen und gut schmecken. Auch auf Lehmböden entwickelt er sich gut, die Erde sollte aber locker und nicht zu dicht sein, damit die Pflanze ausreichend Nährstoffe aufnehmen kann. Sanddorn kann gut auch als Hecke im Garten angepflanzt werden. Hierfür müssen die Pflanzen regelmäßig in Form geschnitten werden. Die Früchte sind Ende Oktober/ Anfang November reif. Sie sollten vor den ersten Frösten geerntet werden, da sie bei Frost matschig werden. Einziger Nachteil, die Pflanze hat lange spitze Dornen, die das Ernten erschweren. Wird Sanddorn nicht beschnitten, werden die Sträucher bis zu vier Meter hoch und sehr breit. Sanddorn bildet  Ausläufer, die rechtzeitig entfernt werden sollten.

Ein wichtiger Hinweis für alle, die viel Wert auf die Früchte legen: Die meisten Sanddornsorten sind keine Selbstbefruchter. Weibliche Pflanzen brauchen also mindestens einen männlichen Partner. Dieser kann bis zu vier weibliche Pflanzen bestäuben. Eine neue, selbstfruchtende Zwitterpflanze ist die Friesdorfer Orange.

Felsenbirne

Die Felsenbirne wächst in der Natur als Strauch. Viele Baumschulen bieten sie inzwischen aber auch als vorkultivierte Bäume an. Ob Baum oder Strauch – die Felsenbirne ist anspruchslos und bevorzugt trockene, sandige Böden. Auch lehmige Böden sind geeignet, allerdings darf es nicht zu Staunässe kommen. Felsenbirnen werden fünf bis sechs Meter hoch, wenn man sie nicht zurückschneidet.

Im April bildet die Felsenbirne sehr viele, kleine weiße Blüten. Im Juni, Juli sind die etwa ein Zentimeter großen Früchte reif, die man als Naschobst vom Baum essen kann. Mit der Ernte sollte man sich allerdings beeilen, da auch die Vögel auf die Felsenbirnen fliegen. Ihr Geschmack erinnert an Heidelbeeren. Im Herbst färben sich dann die Blätter gelb, orange oder rot – die Farbgebung variiert von Jahr zu Jahr. Heiko Schieke empfiehlt die kultivierte Sorte Ballerina. Sie wächst langsamer, bleibt kleiner und bildet größere Früchte aus.

Schlehe

Schlehen werden vom Mensch schon sehr lange als Nahrung und Heilpflanze genutzt. So hatte zum Beispiel der "Ötzi" Schlehen bei sich. Die Schlehe ist anspruchslos und wächst auf allen Böden. Auch sie braucht einen sonnigen Platz im Garten, damit die Früchte reifen und schön süß werden. Wer keinen Wert auf die Früchte legt, kann die Schlehe auch im Schatten platzieren. Die Sträucher wechseln ihr Bild mit den Jahreszeiten und sehen einfach sehr schön aus. Besonders attraktiv sind die kleinen, weißen Blüten, die sich schon im März zeigen. Im Herbst färbt sich das Laub der Pflanzen gelb. Schlehen sind selbstfruchtend. Sie wachsen zu großen dichten Sträuchern heran, wenn sie nicht in Form gebracht werden.

Die Früchte sind roh nicht genießbar und werden daher häufig zu Likör oder Konfitüre verarbeitet. Durch Frost legt sich der saure und bittere Geschmack der Schlehe, sie schmeckt dann sogar leicht süßlich. Wer nicht auf die ersten Nachtfröste warten will, kann die Schlehen auch ins Gefrierfach legen. Allerdings: Schlehen haben verhältnismäßig große  Kerne und wenig Fruchtfleisch, deswegen ist die Verarbeitung mühsam. Eine Kultursorte – die Haferschlehe bildet besonders große schmackhafte Früchte aus.

Ast mit Schlehen
Die Früchte der Schlehe können zu Marmelade oder Likör verarbeitet werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 29. Juli 2018 | 08:30 Uhr