MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Corona-Politik: Fast die Hälfte wünscht sich härtere Maßnahmen

Brückenlockdown, No Covid, harter Shutdown: In den letzten Wochen wurde viel diskutiert über die Verschärfung der Corona-Maßnahmen, um die Verbreitung von Corona auszubremsen und die Krankenhäuser zu entlasten. Dass es für die nächsten Wochen weitreichendere oder sogar komplette Schließungen in den nicht-lebenswichtigen Bereichen geben sollte, findet knapp die Hälfte der MDRfragt-Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie die aktuelle Befragung zeigt. An ihr haben sich mehr als 26.500 Menschen beteiligt.

Wenn es nach der knappen Hälfte der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer ginge, dann würden für die nächsten Wochen strengere Corona-Maßnahmen gelten: 46 Prozent sprechen sich entweder für weitreichendere Schließungen aus oder für die komplette Schließung aller nicht-lebenswichtigen Bereiche und Einrichtungen. Für weitreichendere oder komplette Öffnungen dagegen sind zusammengerechnet 39 Prozent. 13 Prozent finden, der derzeitige Kurs sollte weiter verfolgt werden.

mdrFRAGT – Gewünschter-Plan
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Kompletter Lockdown: Zustimmung vor allem bei Jüngeren und Impfbereiten

Der größte Anteil unter allen Antwortmöglichkeiten entfiel mit 36 Prozent auf die komplette Schließung aller nicht-lebenswichtigen Bereiche und Einrichtungen. Besonders hoch ist die Zustimmung dafür bei der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen: Hier sind 43 Prozent für einen kompletten Lockdown. Auch bei der Gruppe derer, die sich nach eigenen Angaben schnellstmöglich impfen lassen wollen oder bereits geimpft sind, sind 43 Prozent für eine komplette, zeitweilige Schließung. Anders sieht es aus in der Gruppe derjenigen, die eine Impfung für sich selbst ablehnen: Hier befürworten lediglich 13 Prozent einen harten Lockdown. In dieser Gruppe sind 61 Prozent für die komplette Öffnung aller geschlossenen Bereiche und Einrichtungen.

mdrFRAGT – Zustimmung zu hartem Lockdown
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Zum Thema Corona-Regeln haben uns wieder viele Kommentare aus der MDRfragt-Gemeinschaft erreicht. Einige davon kommen hier zu Wort:

Die Politik muss begreifen, dass wir endlich Regelungen für den Arbeitsplatz brauchen, die weiter gehen als "freiwillige Tests" und "AHA"-Regeln. [...[ Es müssen Regelungen für Arbeitsplätze in Büros und Fabriken kommen, denn dort gibt es momentan so gut wie keine Einschränkungen. Warum wird die Pandemie auf dem Rücken der sozialen Berufe ausgetragen, während andere Wirtschaftsbereiche "einfach so weiter machen" können? Das muss sich ändern, nur so bekommen wir die Pandemie in den Griff.

21-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Meißen

Es ist genau das eingetreten, wovor Experten gewarnt haben: Die Zahlen steigen nach Ostern an. [...] Wir müssen endlich eine "No Covid"-Strategie umsetzen, nur so werden Menschenleben gerettet, aber nur so bekommen wir alle sozusagen unser altes Leben zurück.

42-jähriger Teilnehmer aus der Börde

Eine "No Covid"-Strategie" ist der falsche Weg, weil sie unrealistisch ist und solche Maßnahmen zu weiterem Unmut in der Bevölkerung führen werden.

64-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Die Dauer der bisherigen Maßnahmen nerven, da es nach über einem Jahr keine Besserungen gibt! Die Maßnahmen sind oft nicht nachvollziehbar. Ich kann und muss auch in den Supermarkt gehen, aber neue Schuhe kann ich nicht kaufen!

69-jährige Teilnehmerin aus Chemnitz

Zwei Drittel finden bundesweite Regelungen für "Notbremse" richtig

Mit der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes soll es bundesweit einheitliche Regelungen geben für Regionen, in denen die Inzidenzwerte mehrere Tage über 100 liegen. Diesen Ansatz finden zwei Drittel der MDRfragt-Mitglieder (66 %), die sich an der aktuellen Befragung beteiligt haben, grundsätzlich richtig. Falsch finden dagegen 32 Prozent die bundesweit einheitliche "Notbremse".

mdrFRAGT – Bundesweite Regelungen für „Notbremse“
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Die konkreten Bestimmungen, die in der vergangenen Woche diskutiert wurden, wie beispielsweise nächtliche Ausgangssperren oder Kontaktbeschränkungen, empfindet fast die Hälfte (44 %) jedoch als zu hart. Für 37 Prozent sind die Regelungen genau richtig. 14 Prozent empfinden sie als zu lasch.

Auch zum Thema Notbremse und den damit verbundenen Regelungen haben viele MDRfragt-Mitglieder ihre Meinung geschrieben:

Es ist eine seltsame Mischung aus zu laschen Regeln (Schulen weiterhin offen, selbst bei Inzidenz >100) und zu harten/untauglichen Maßnahmen (nächtliche Ausgangsperren).

42-jähriger Teilnehmer aus Jena

Die nächtlichen Ausgangssperren halte ich für falsch. Alles, was unter freiem Himmel möglich ist, sollte unter Beachtung der Hygieneregeln erlaubt sein. Die Gefahr lauert in geschlossenen Räumen.

67-jährige Teilnehmerin aus Dresden

Die Notbremse kommt viel zu spät. Im Herbst zur zweiten Welle hätte man alles runterfahren sollen, aber auch alles, auch die Industrie. Monatelang wird nur zugeschaut, bis nichts mehr hilft.

68-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Zwickau

Stimmung auf neuem Tiefstand

Den MDRfragt-Mitgliedern geht es so schlecht wie noch nie seit Beginn unserer Befragungen zur Corona-Krise: 42 Prozent geben derzeit an, dass es ihnen eher bis sehr schlecht geht. Das sind 12 Prozent mehr als noch Anfang März. 58 Prozent geben dagegen an, dass es ihnen aktuell eher bis sehr gut geht. Anfang März, als wir zuletzt danach fragten, waren es noch 70 Prozent.

Stimmung in Corona-Krise – Diagramm
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Schlechte Stimmung vor allem unter Impfablehnern

Die Stimmung der MDRfragt-Gemeinschaft unterscheidet sich deutlich nach der Einstellung zur Corona-Impfung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Denjenigen, die sich schnellstmöglich impfen lassen wollen oder bereits geimpft sind, sind mehrheitlich eher bis sehr guter Stimmung derzeit: In dieser Gruppe geben lediglich 35 Prozent an, dass es ihnen derzeit schlecht geht. Anders bei denjenigen, die eine Impfung für sich selbst ablehnen: Sie geben mehrheitlich an, dass es ihnen derzeit eher bis sehr schlecht geht (63 %). Diejenigen, die auf Langzeitstudien für eine Impfung warten wollen, geben zu 54 Prozent an, dass ihre Stimmung derzeit schlecht ist.

Stimmung nach Impfbereitschaft –Diagramm
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Impfbereitschaft: Mehr als zwei Drittel wollen sich schnellstmöglich impfen lassen

Auch in dieser Befragung haben wir uns wieder mit dem Thema der Corona-Impfungen beschäftigt. 68 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer wollen sich schnellstmöglich impfen lassen oder sind bereits geimpft. Das sind 4 Prozent mehr als Anfang März, als wir zuletzt danach fragten. Auf Langzeitstudien wollen nach derzeitigem Stand 17 Prozent warten, etwas weniger als im März. Der Anteil derjenigen, die eine Impfung für sich selbst ablehnen, ist mit 13 Prozent konstant geblieben.

mdrFRAGT – Impfbereitschaft
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mRNA-Impfstoffe am beliebtesten: 82 % wünschen sich Biontech / Pfizer

Wenn diejenigen, die in unserer Befragung angegeben haben, dass sie sich schnellstmöglich impfen lassen wollen oder bereits geimpft sind, wählen könnten, würden sie sich mehrheitlich für mRNA-Impfstoffe entscheiden. Zusammengerechnet 85 Prozent würden einen der Impfstoffe von Biontech / Pfizer, Moderna oder Curevac wählen. Bei den Vektorimpfstoffen, zu denen die Produkte von Astrazeneca, Johnson & Johnson und der russische Impfstoff "Sputnik V" zählen, sind die impfbereiten MDRfragt-Mitglieder skeptischer: Mit ihnen würden sich zusammengerechnet 45 Prozent impfen lassen. Vektorimpfstoffe stehen derzeit im Verdacht, häufiger Thrombosen auszulösen.

mdrFRAGT – Gewünschte Impfstoffe
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Am beliebtesten ist der Impfstoff von Biontech / Pfizer: 82 Prozent der impfbereiten MDRfragt-Mitglieder gaben an, sich für diesen Impfstoff entscheiden zu wollen. Den mRNA-Impfstoff von Moderna würden 44 Prozent für sich aussuchen. Während Astrazeneca nur bei 18 Prozent akzeptiert ist, würden 32 Prozent den noch nicht zugelassenen, russischen Impfstoff "Sputnik V" für sich auswählen.

Gerade die Impfstoffe von Astrazeneca und "Sputnik V" bewegen viele MDRfragt-Mitglieder:

Mein ganzes Leben lang bin ich mit sowjetischen Impfstoffen geimpft worden. Ich lebe immer noch und würde mich sofort mit "Sputnik V" impfen lassen.

70-jähriger Teilnehmer aus Magdeburg

Die Leute, die an der Astrazeneca-Impfung gestorben sind, könnten alle noch leben, wenn besser kontrolliert worden wäre, und sie hatten aufgrund ihres Alters sicher kein hohes Risiko, an Covid zu versterben.

56-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Zwickau

Ich finde es von den Älteren undankbar, dass sie jetzt den Impfstoff wählen wollen und damit den Jüngeren die Termine nehmen. Für die Älteren ist doch Astra gut, bis zum Stopp durften die Jungen ja auch nicht wählen. Die Jüngeren haben doch auch genug Rücksicht genommen. Wo bleibt hier die Solidarität jetzt? Dafür fehlt mir echt jegliches Verständnis.

51-jährige Teilnehmerin aus der Börde

Es ist erschreckend, denken zu müssen, das alte Menschen offenbar verzichtbar sind. Den Eindruck gewinnt man, wenn man das Hin und Her mit Astrazeneca verfolgt.

67-jährige Teilnehmerin aus dem Saale-Orla-Kreis

Insbesondere die Impfbereitschaft mit Astrazeneca hat in den letzten Wochen deutlich gelitten: Waren Anfang März noch 82 Prozent dazu bereit, sich damit impfen zu lassen, ging der Wert bereits Mitte März, beim vorübergehenden Impfstopp infolge von Fällen von Hirnvenenthrombosen, auf 37 Prozent zurück. Derzeit steht das Mittel nur Menschen über 60 zur Impfung zur Verfügung und ist nach wie vor aufgrund von Thrombosefällen in der Diskussion.

Über diese Befragung Die Befragung mit dem Titel "Bundesweite Corona-Notbremse: überfällig oder übergriffig?" lief vom 16.-19.04.2021.

An der Befragung haben 26.573 Menschen teilgenommen. Aktuell sind bei MDRfragt 43.274 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angemeldet.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 30 Jahre: 502 Teilnehmende
31 bis 50 Jahre: 4.728 Teilnehmende
51 bis 64 Jahre: 11.155 Teilnehmende
65+: 10.188 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 13.765 (52 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.347 (24 Prozent)
Thüringen: 6.461 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 51 Prozent
Weiblich: 49 Prozent

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 21. April 2021 | 21:45 Uhr