Bundestagswahl AfD bei U18-Wahl in Sachsen vorn

Knapp eine Woche vor der Bundestagswahl durften Kinder und Jugendliche ihr Kreuzchen bei der U18-Wahl machen. Obwohl das Ergebnis nicht in die tatsächliche Bundestagswahl einfließt, ist die Abstimmung dennoch interessant: Wie wählen Kinder und Jugendliche?

U18-Wahl, Wahlurne
Die U18-Wahl ist eine Probe-Abstimmung für Kinder und Jugendliche, die noch nicht stimmberechtigt sind. Bildrechte: dpa

Bei der U18-Wahl von Kindern und Jugendlichen für den Bundestag liegt die AfD in Sachsen vorn. Wie aus dem am Montag veröffentlichten vorläufigen Ergebnis der U18-Wahl hervorgeht, kommt die Partei auf 16,72 Prozent der Stimmen. Knapp danach folgen die Grünen mit 15,63 Prozent. SPD (12,91 Prozent) und FDP (12,86 Prozent) liegen den Angaben zufolge fast gleichauf. Für die CDU stimmten 10,69 Prozent der Teilnehmenden, sie landet damit auf Rang fünf vor der Linken mit 9,82 Prozent und der Tierschutzpartei mit 7,22 Prozent.

Wie bei der richtigen Wahl standen auch bei der U18-Wahl 47 Parteien auf dem Stimmzettel, darunter viele Klein- und Kleinstparteien. Und die sind bei den Unter-18-Jährigen durchaus beliebt und liegen beim vorläufigen Endergebnis bei 14,13 Prozent.

Grafik U18-Wahlergebnisse Bundestagswahl Sachsen
Die Ergebnisse der U18-Bundestagswahl in Sachsen im Überblick. Bildrechte: MDR mit Daten von wahlen.u18.org

Sachsen und Mitteldeutschland gegen bundesweiten Trend

Auffallend ist, dass das Ergebnis der U18-Wahl in Mitteldeutschland deutlich vom bundesweiten Ergebnis abweicht. Auch in Thüringen stimmten die Kinder- und Jugendlichen mehrheitlich für die AfD, in Sachsen-Anhalt gewann die SPD. Deutschlandweit hingegen liegen die Grünen auf Platz eins - vor SPD und CDU. Die U18-Wahl in Sachsen zeigt auch: Es gibt ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Auf dem Land wählen die Kinder und Jugendlichen eher konservativ bis rechts, in der Stadt stimmen sie meist für die Grünen oder die SPD.

Grüne führen in Leipzig und Dresden - Chemnitz wählt FDP

Blick auf die Innenstadt von Leipzig mit dem Neuen Rathaus (M), dem Wintergartenhochhaus (l) und dem City-Hochhaus (r, ehemals Uni-Riese).
In der Großstadt Leipzig siegten bei der U18-Wahl die SPD und die Grünen. Bildrechte: dpa

Das Stadt-Land-Gefälle zeigt sich auch an den Ergebnissen in Sachsens Großstädten: In beiden Leipziger Wahlkreisen gaben die Jugendlichen den Grünen und der SPD die meisten Stimmen. In Dresden votierten ebenfalls die meisten für die Grünen. In Chemnitz und in Mittelsachsen dagegen erhielt die FDP die meisten Stimmen, dicht gefolgt von den Grünen mit 14,73 Prozent in Chemnitz beziehungsweise der AfD mit 18,11 Prozent in Mittelsachsen.

AfD in allen anderen sächsischen Regionen vorn

In den Wahlkreisen auf dem sächsischen Land haben die Kinder und Jugendlichen der AfD die meisten Stimmen gegeben. Im Landkreis Nordsachsen beispielsweise liegt die AfD bei 22,97 Prozent (167 Stimmen), in Meißen bei 26,05 Prozent (162 Stimmen) und im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bei 20,06 Prozent (217 Stimmen).

In einem Wahlkreis in Bautzen entschied sich ein Drittel der U18-Wählerinnen und Wähler für die AfD. In Görlitz bekam die Partei 23,67 Prozent der Stimmen und auch in Zwickau führte sie mit 16,65 Prozent dicht vor der SPD und den Grünen.

U18-Bundestagswahl Große regionale Unterschiede - Beispiel Dresden und Bautzen

Dass die Ergebnisse stark voneinander abweichen, zeigen diese Grafiken der Wahlkreise Bautzen I (34 Prozent AfD) und Dresden II/Bautzen II (33 Prozent Grüne).

Grafik U18-Wahlergebnisse Bundestagswahl Sachsen
Bildrechte: MDR mit Daten von wahlen.u18.org
Grafik U18-Wahlergebnisse Bundestagswahl Sachsen
Bildrechte: MDR mit Daten von wahlen.u18.org
U18-Wahlergebnisse Sachsen
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Niedrige Wahlbeteiligung verzerrt Ergebnis

Ein reelles Bild der politischen Stimmung der Unter-18-Jährigen zeigen die Wahlen aber nicht, denn dafür ist die Wahlbeteiligung zu gering. In Sachsen haben rund 12.000 Kinder und Jugendliche mitgemacht. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 2,5 Prozent. Damit sind die Ergebnisse wenig aussagekräftig.

U18-Wahl Die U18-Abstimmung findet stets neun Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl statt und soll ein Stimmungsbild unter jungen Menschen vermitteln, die noch nicht wählen dürfen. Die unter 18-Jährigen bekamen den Stimmzettel der Bundestagswahl am 26. September, gezählt wird aber nur die Zweitstimme, die man für eine Partei abgeben kann.

Organisiert haben die U18-Wahl die Jugendverbände in der Bundesrepublik. Die hatten am Freitag in rund 600 Schulen bundesweit Wahllokale eingerichtet und die Schülerinnen und Schüler zum Wählen aufgerufen. Ein Ziel der U18-Wahl ist dabei auch, die Frage des Wahleintrittsalters immer wieder neu zu diskutieren.

Quelle: MDR/as/kp/sm/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 20. September 2021 | 09:11 Uhr

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