MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Mehrheit für Impfpflicht gegen Corona

Mehr als die Hälfte der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der aktuellen Umfrage beteiligt haben, sind für eine Corona-Impfpflicht – der große Teil davon jedoch erst dann, wenn Langzeitstudien vorliegen. Das Gesundheitssystem sehen die meisten Befragungsteilnehmer gut aufgestellt für die Herausforderungen der Pandemie.

Die Mehrheit der mdrFRAGT-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, ist für eine Corona-Impfpflicht. So gaben 41 Prozent an, dafür zu sein, wenn Langzeitstudien vorliegen. 20 Prozent sind für eine sofortige Impfpflicht. Mehr als ein Drittel (38 %) sprachen sich gegen eine Impfpflicht aus.

Corona-Impfung. Sind Sie für eine Impfpflicht?
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Besonders die Teilnehmer, die einer Impfpflicht skeptisch gegenüber stehen, haben uns hierzu ihre Meinung geschrieben. Hier exemplarisch drei Kommentare:

Ein unter Hochdruck entwickelter, wenig getesteter und ohnehin – wegen der bereits erkannten Mutationen des Virus – unzuverlässiger Impfstoff ist nicht erstrebenswert.

48-jähriger mdrFRAGT-Teilnehmer aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Ohne erfolgte Langzeitstudien wäre ich sehr skeptisch einer übereilten Impfung gegenüber. Mögliche Nebenwirkungen sollten vorher bekannt sein, sodass man sich für oder gegen das Risiko individuell entscheiden kann.

63-jährige mdrFRAGT-Teilnehmerin aus Halle

Wir sollten endlich lernen, selbstverantwortlich Entscheidungen treffen zu können. Dazu gehört ein Mindestmaß an solidarischer Verantwortung. Dafür brauchen wir keine Pflicht zu Impfungen. Es ist traurig genug, in unserer Zeit wieder steinzeitliche Verhaltensmuster allenthalben wahrnehmen zu müssen. Freiheit funktioniert nur im Zusammengang mit einem Höchstmaß an Verantwortungsbewusstsein eines jeden erwachsenen Menschen.

47-jähriger mdrFRAGT-Teilnehmer aus Meißen

Die Ergebnisse im Grafik-Video:

Altersgruppe der 31- bis 50-jährigen eher gegen die Impfpflicht

Eine Altersgruppe sticht heraus: Entgegen dem Gesamtergebnis sind bei den 31- bis 50-jährigen beteiligten mdrFRAGT-Mitgliedern 54 Prozent gegen eine Corona-Impfpflicht. Nur 11 Prozent von ihnen würden für eine sofortige Impfpflicht plädieren und ein Drittel (33 %) dann, wenn es Langzeitstudien gibt.

Grippe-Impfung: Zwei Drittel wollen sich impfen lassen

Aufgrund der Coronapandemie raten in diesem Jahr Mediziner dazu, dass sich möglichst viele Menschen gegen Grippe impfen lassen. Zwei Drittel der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer haben vor, sich in der kommenden Saison gegen Grippe impfen zu lassen. So gaben 56 Prozent an, dies auch ohne Corona machen zu wollen. Fast jede oder jeder Zehnte (9 %) plant dies wegen Corona. Ein Drittel (33 %) gab an, sich nicht impfen lassen zu wollen.

Grippe-Impfung. Haben Sie vor, sich impfen zu lassen?
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Deutliche Mehrheit sieht Gesundheitssystem für Coronapandemie gut aufgestellt

Die deutliche Mehrheit der beteiligten mdrFRAGT-Mitglieder findet, dass das Gesundheitssystem in Deutschland voll und ganz oder eher gut für die Coronapandemie aufgestellt ist (84 %). Dass das Gesundheitssystem eher oder überhaupt nicht gut aufgestellt ist, finden 13 Prozent.

Zuletzt hatten wir die mdrFRAGT-Gemeinschaft Mitte März, also noch ziemlich zu Beginn der Pandemie, danach gefragt. Damals sahen noch deutlich mehr Menschen das Gesundheitssystem eher oder überhaupt nicht gut aufgestellt für die Herausforderungen durch Corona:

Ist das Gesundheitssystem gut für die Pandemie aufgestellt?
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Absagen von Veranstaltungen und Abschottung von Ländern: Diesen verschärften Maßnahmen würden die mdrFRAGT-Mitglieder am ehesten zustimmen

In manchen Regionen Deutschlands steigen die Infektionszahlen derzeit stark an. In Bayern gelten deshalb wieder striktere Regeln, wie zum Beispiel eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen. Laut Bundesregierung soll es in Deutschland einen flächendeckenden Lockdown wie im Frühjahr nicht wieder geben. Doch wenn die Situation eine erneute Verschärfung der Maßnahmen erfordert, könnten einzelne Aktivitäten wieder beschränkt werden. Auch dazu gibt es ein Stimmungsbild aus der mdrFRAGT-Gemeinschaft:

  • Frühzeitig zustimmen würden die Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer am ehesten der Abschottung von Ländern durch Ein- und Ausreiseverbote (66 %) und der Absage von Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern (62 %).

  • Als die letzten Mittel sehen sie Schul- und Kitaschließungen (49 %), Schließung aller nicht-lebensnotwendiger Einrichtungen (47 %) und der Verschiebung von planbaren OPs und Eingriffen (45 %).

Mehr als ein Drittel glaubt, Corona wird unser Leben dauerhaft beeinflussen

Dass Corona einen dauerhaften Einfluss auf unser Leben haben wird – auch nach dem Ende der Pandemie-Zeit –, das glaubt mehr als ein Drittel der Menschen, die an der aktuellen Befragung teilgenommen haben: 39 Prozent gaben an, dass sie davon ausgehen, dass es dauerhaft deutliche Veränderungen geben wird. Rund die Hälfte (49 %) glaubt jedoch, dass unser Leben zumindest weitgehend so aussehen wird, wie zu Vor-Corona-Zeiten. Mehr als jede oder jeder Zehnte (11 %) ist der Ansicht, dass das Leben wieder voll und ganz so wird wie vor Corona.

Wird unser Leben jemals wieder wie zu Vor-Corona-Zeiten?
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Zudem zeigt sich die Mehrheit der mdrFRAGT-Mitglieder bei dieser Befragung pessimistisch, dass die Corona-Krise bald überstanden ist: So gaben 63 Prozent an, eher bis sehr pessimistisch zu sein. Eher bis sehr zuversichtlich, dass die Krise bald vorbei ist, sind 37 Prozent.

Sorge vor zweiter Welle leicht gesunken

Fast zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der aktuellen mdrFRAGT-Befragung (62 %) haben große oder sehr große Sorgen davor, dass es zu einer zweiten Corona-Welle kommen könnte.

Sorge vor zweiter Welle
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Das ist jedoch weniger als in unserer Befragung von Mitte August, wo wir ebenfalls danach gefragt hatten. Demnach hat sich der Anteil derjenigen, die weniger große oder kleine Angst davor haben von 31 auf 38 Prozent erhöht:

Entwicklung: Sorge vor der zweiten Corona-Welle
  Anfang Juli Mitte August Mitte September
groß oder sehr groß 53 68 62
klein oder weniger groß 47 31 38

In ihren Kommentaren haben viele mdrFRAGT-Mitglieder geschrieben, dass sie überhaupt keine Sorge vor einer zweiten Welle sehen, die Diskussion um eine zweite Welle als Panikmache betrachten oder dass sie generell Corona nicht sehr ernst nehmen. Andere schreiben, dass sie aufgrund der Erfahrungen aus dem Frühjahr weniger Sorge haben. Einige Mitglieder beschreiben auch, weshalb sie von einer zweiten Welle ausgehen:

Es wird noch viele Wellen geben, hervorgerufen aus der Unvernunft einiger Leute.

67-jähriger Befragungsteilnehmer aus Anhalt-Bitterfeld

Die zweite Welle wird kommen, wenn die Regierung nicht sofort Maßnahmen ergreift. Es gibt überhaupt keinen Grund zu glauben, dass wir ein Sonderfall innerhalb Europas sind.

24-jähriger Befragungsteilnehmer aus dem Leipziger Land

Sorge vor Ansteckung nur leicht gestiegen

Bereits seit Anfang der Corona-Krise fragen wir die mdrFRAGT-Gemeinschaft, wie groß die Sorge der Mitglieder ist, sich mit dem Virus zu infizieren. Der Anteil derjenigen, die große oder sehr große Angst vor einer Ansteckung haben, ist erstmals seit Mai gestiegen, wenn auch nur leicht (+4 Prozentpunkte auf 29 %). Allerdings sind diejenigen, die weniger große oder kleine Sorgen davor haben, nach wie vor deutlich in der Überzahl (71 %).

Sorge vor Ansteckung
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Fast zwei Drittel haben ungebrochen hohe Bereitschaft, sich an Corona-Regeln zu halten

Die Bereitschaft, sich an die geltenden Corona-Maßnahmen zu halten, ist bei fast zwei Dritteln der beteiligten mdrFRAGT-Mitglieder ungebrochen hoch (65 %). Etwas weniger als ein Drittel gab an, eine geringe Bereitschaft zu haben, sich an die Regeln zu halten:

Bereitschaft, sich an Corona-Maßnahmen zu halten ...
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  • Bei 12 % ist die Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten, nach eigenen Angaben schon seit längerem zurück gegangen.
  • 10 % sagen, die Bereitschaft, sich daran zu halten, sei von Anfang an niedrig gewesen.
  • 9 % gaben an, die Bereitschaft ist erst seit kurzem zurück gegangen.

Am höchsten ist die Bereitschaft, sich an die Corona-Regeln zu halten, bei der ältesten Gruppe der Befragten (über 65 Jahre): Hier geben drei Viertel (75 %) an, dass die Bereitschaft ungebrochen hoch ist. Vor allem bei den jüngsten Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer bis 30 Jahre ist die Bereitschaft schon seit Längerem zurück gegangen. Das geben 22 % dieser Gruppe an.

Zwei Drittel pessimistisch, dass Wirtschaft und Gesellschaft ohne Schäden durch die Krise kommen

Dass Wirtschaft und Gesellschaft ohne nachhaltige Schäden die Corona-Krise überstehen, glaubt nur ein Drittel der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer und gab an, eher bis sehr zuversichtlich diesbezüglich zu sein (33 %). Zwei Drittel (66 %) blicken eher bis sehr pessimistisch darauf. In der Langfristentwicklung zu diesem Thema zeigt sich, dass der Anteil derjenigen, die eher bis sehr pessimistisch sind, nach dem Positivtrend im Juni wieder angestiegen ist.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Wirtschaft und Gesellschaft die Corona-Krise ohne nachhaltige Schäden überstehen?
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Über die Befragung In einer Befragung vom 18. bis 21. September 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Leben mit Corona: Bleibt alles für immer anders?"

An der Befragung haben 14.755 Menschen teilgenommen. Insgesamt sind mittlerweile 30.231 registrierte Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Teil der mdrFRAGT-Gemeinschaft.

51 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 25 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

55 Prozent der Befragten sind männlich und 45 Prozent weiblich.

Die Teilnehmer dieser Befragung verteilen sich auf folgende Altersgruppen:
285 Menschen sind zwischen 16 und 30 Jahre alt,
2.875 zwischen 31 und 50 Jahren,
6.066 zwischen 51 und 64 Jahren und
5.529 Teilnehmer sind 65 Jahre und älter.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 23. September 2020 | 19:30 Uhr