mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Corona-Lockerungen: Gastronomie im Freien und Inlandsreisen auf der Wunschliste

In den Biergarten gehen und Reisen innerhalb Deutschlands - diese Lockerungen wünschen sich laut der aktuellen Befragung von mdrFRAGT, dem Meinungsbarometer für Mitteldeutschland, die Bewohner von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in der Coronakrise. Geisterspiele im Profifußball lehnen die meisten dagegen ab.

Die Bewohner von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wünschen sich von der Politik weitere Lockerungen in der Coronakrise. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Tagesreisen sowie die Gastronomie im Freien. Fußballspiele ohne Zuschauer, sogenannte Geisterspiele, hingegen werden abgelehnt. Das ergab die aktuelle Befragung des MDR-Meinungsbarometers mdrFRAGT von mehr als 12.000 Bewohnern in den drei mitteldeutschen Ländern. Demnach sprechen sich 91 Prozent der Teilnehmer dafür aus, dass in diesem Sommer Tagesausflüge wieder möglich sein sollten. 85 Prozent plädieren für Reisen innerhalb Deutschlands und 82 Prozent auch für Übernachtungen in Ferienwohnungen. Auslandsreisen wünschen sich hingegen nur wenige: 12 Prozent der Befragten sind für Fernreisen und 24 Prozent für einen Urlaub innerhalb Europas.

Welche Form von Tourismus sollte im Sommer möglich sein?
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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt sich am heutigen Donnerstag bereits zum zweiten Mal mit den Ministerpräsidenten der Länder zu der Frage zusammen, ob weitere Lockerungen möglich sind. Vor 14 Tagen hatte die Runde beschlossen, den kompletten Shutdown zu verlassen und unter anderem die Öffnung von kleinen Einzelhandelsgeschäften unter Bedingungen zuzulassen.

Die Befragten würden auch gern wieder Restaurants besuchen, mehrheitlich auch unter notwendigen Auflagen. So fordern 87 Prozent der Teilnehmer, dass Freisitze wieder geöffnet sein sollten, 69 Prozent sind dafür, auch Innenräume von Gaststätten wieder nutzen zu können. Lockerungen im Fußball sehen die Befragten hingegen eher skeptisch. 70 Prozent wollen, dass selbst Geisterspiele weiterhin verboten bleiben (11 Prozent sprechen sich dafür aus).

Die Ergebnisse im Detail

Die Frage, wie es mit den Corona-Maßnahmen weitergehen soll, spaltet die Gemüter der mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) ist dafür, die Maßnahmen beizubehalten oder sogar zu verschärfen. Fast die Hälfte (46 Prozent) findet dagegen, die Maßnahmen sollten weiter gelockert oder gänzlich aufgehoben werden.

Wie sollte es mit den Corona-Maßnahmen weitergehen?
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Zustimmung zu Lockerungen geht leicht zurück

Bei der letzten Befragung zu den Corona-Maßnahmen Mitte April ging die Tendenz allerdings noch eher in Richtung Lockerungen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sprach sich für Lockerungen bzw. die Aufhebung der Maßnahmen aus, weniger als die Hälfte (45 Prozent) für die Beibehaltung bzw. Verschärfung.

Sachsen stärker als Thüringer für Lockerungen

Beim Vergleich der einzelnen Bundesländer fällt auf, dass die mdrFRAGT-Mitglieder aus Sachsen eher pro Lockerungen stimmen, diejenigen aus Thüringen tendenziell eher dagegen. So sind beispielsweise 41 Prozent der Sachsen der Meinung, dass die Maßnahmen weiter gelockert werden sollten, in Thüringen sagen das nur 32 Prozent.

Uneinigkeit über bisher beschlossene Maßnahmen

Ähnlich uneins sind sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrer Meinung über die bisher beschlossenen Lockerungen der Maßnahmen. Für knapp 40 Prozent waren sie genau richtig, für knapp ebenfalls 40 Prozent kamen sie aber zu früh. Knapp ein Viertel der Befragten meint zudem, dass die Lockerungen nicht ausreichend waren.

Nach Ostern hatte die Bundesregierung erste Lockerungen beschlossen. Wie fanden Sie diese?
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Zustimmung zu Maßnahmen sinkt weiter

Wie bereits bei der letzten Befragung Mitte April ist die Zustimmung zu vielen politischen Maßnahmen noch einmal gesunken. Am stärksten trifft das auf die Schließung von Alters- und Pflegeheimen für Besucher zu (-15 Prozent), gefolgt vom Einreiseverbot (-8 Prozent). Aber auch das Verbot von Großveranstaltungen, die Schließung von Kitas und Schulen sowie die Ausgangsbeschränkungen verlieren an Zustimmung (jeweils -6 Prozent).

Allein Zustimmung zu Schutzmaskenpflicht steigt

Einzig die Zustimmung zur Schutzmaskenpflicht hat zugenommen. Bei der letzten Befragung waren 41 Prozent dafür, sie einzuführen. Zu diesem Zeitpunkt galt sie erst in einigen Kommunen. Jetzt, wo sie überall bereits eingeführt bzw. die Einführung beschlossen wurde, sind 60 Prozent der Befragten dafür, sie beizubehalten.

Entwicklungstrend der Zustimmungswerte

Bereits seit mehreren Wochen fragen wir die mdrFRAGT-Teilnehmer nach ihrer Meinung zu den Corona-Maßnahmen. Während die Zustimmungswerte zunächst stiegen, kam es Anfang April zur Trendwende: Die Zustimmungswerte fielen leicht. Mitte April setzte sich dieser Trend beschleunigt fort. Bei der letzten Befragung sind bei vielen Maßnahmen die Werte erneut gesunken.

mdrFRAGT - Corona-Virus  – Entwicklung der Zustimmung  zu einzelnen Maßnahmen
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Kleinere Läden und Friseure sollen geöffnet sein

Für viele nicht-lebensnotwendige Einrichtungen befürworten die Befragten eine uneingeschränkte Öffnung bzw. eine Öffnung unter Auflagen. Am wichtigsten ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei die Öffnung von Läden unter 800 Quadratmetern (94 Prozent), von Friseurgeschäften (90 Prozent), von Freiluftkinos (89 Prozent) sowie von gastronomischen Freisitzen (87 Prozent). Am wenigsten Wert legen die Befragten dagegen auf die Öffnung von Diskos und Klubs (21 Prozent), von Kinos (Innenraum, 49 Prozent) sowie von Theatern (Innenraum, 51 Prozent).

Welche nicht-lebensnotwendigen Einrichtungen sollten offen oder geschlossen sein.
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Tagesausflüge und Reisen innerhalb Deutschlands gewünscht

Was den Urlaub im Sommer betrifft, wünschen sich die meisten der Befragten, dass Tagesausflüge wieder möglich sind (91 Prozent). Außerdem stehen Reisen innerhalb Deutschlands (85 Prozent) sowie das Übernachten in Ferienwohnungen (82 Prozent) und auf Campingplätzen (73 Prozent) hoch im Kurs. Auslandsreisen wünschen sich hingegen nur wenige: 12 Prozent der Befragten sind für Fernreisen und 24 Prozent für einen Urlaub innerhalb Europas.

Pessimistischer Blick in Zukunft

Der Blick in die Zukunft fällt bei den meisten mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern pessimistisch aus. Nur 39 Prozent sind im Großen und Ganzen der Meinung, dass die Coronakrise bald überstanden ist. Bei der Befragung Mitte April war dies noch knapp die Hälfte (48 Prozent). Zudem gehen 60 Prozent davon aus, dass die gelockerten Maßnahmen zeitweise wieder verschärft werden müssen.

Vertrauen in Politik nimmt deutlich ab

Im Vergleich zur Befragung von Mitte April ist das Vertrauen in die Politik deutlich gesunken. Haben damals noch 64 Prozent sehr großes bzw. großes Vertrauen darin gehabt, dass die Politik auf Bundesebene die richtigen Entscheidungen in der Coronakrise trifft, sind es jetzt nur noch 58 Prozent. Auf Landesebene sinkt der Wert von 61 auf 53 Prozent, auf kommunaler Ebene von 50 auf 43 Prozent.

mdrFRAGT - Corona-Virus – Wie ist Ihr Vertrauen in die Politik in der Coronakrise?
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Über die Befragung In einer Befragung vom 24. April bis zum 27. April 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Coronamaßnahmen - Ausnahmezustand verlängern oder zurück zur Normalität?" 12.129 Menschen der über 24.400 registrierten Mitglieder haben online abgestimmt.

52 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 23 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

54 Prozent der Befragten sind männlich und 46 Prozent weiblich.

Von den Teilnehmern an der Untersuchung sind drei Prozent zwischen 16 und 30 Jahren alt; 22 Prozent gehören zur Altersgruppe von 31 bis 50 Jahren, 40 Prozent zur Altersgruppe von 51 bis 64 Jahren, und 34 Prozent sind 65 Jahre alt und älter.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 30. April 2020 | 11:00 Uhr