mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Zustimmung für Corona-Beschränkungen in Mitteldeutschland nimmt ab

Die Bevölkerung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen steht immer weniger hinter den von der Politik beschlossenen Einschränkungen zur Coronabekämpfung und fordert Lockerungen - so die Ergebnisse der aktuellen Befragung des MDR-Meinungsbarometers "mdrFRAGT".

Die Akzeptanz für die strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nimmt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen immer weiter ab. Das ergab die aktuelle Befragung des MDR-Meinungsbarometers "mdrFRAGT", an der mehr als 15.500 Bewohner in den drei mitteldeutschen Ländern teilgenommen haben. Zwar erkennt mit 86 Prozent eine große Mehrheit der Befragten die Wirksamkeit der teils drastischen Maßnahmen - wie etwa Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen - an.

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dennoch ist mit 49 Prozent die Hälfte der mdrFRAGT-Teilnehmer dafür, dass sich die Politik für Lockerungen entscheidet. Weitere sechs Prozent der Befragten sprechen sich sogar für eine komplette Abschaffung der Coronaeinschränkungen aus.

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zustimmung zu Maßnahmen sinkt teils drastisch

Die Zustimmung für die bisherigen Maßnahmen zur Coronabekämpfung hat laut MDR-Meinungsbarometer innerhalb der vergangenen Woche stark abgenommen. Besonders gesunken sind die Zustimmungswerte für die Schließungen von nicht-lebensnotwendigen Einrichtungen wie etwa Gaststätten oder Frisören von 75 Prozent auf 27 Prozent sowie von Kita- und Schuleinrichtungen von 79 Prozent auf 31 Prozent. Aktuell sprechen sich auch nur noch 41 Prozent der Befragten für das Kontaktverbot aus, eine Woche zuvor waren es noch 76 Prozent. Hinter den Ausgangsbeschränkungen stehen nur noch 39 Prozent, ein Rückgang um 35 Prozentpunkte.

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine weiterhin hohe Aktzeptanz mit einem weniger starken Rückgang haben mit 94 Prozent Zustimmung die Quarantänemaßnahmen für Infizierte und deren Kontaktpersonen. Auch die Absage von Großveranstaltungen trifft bei 86 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Die Grenzschließungen halten knapp drei Viertel der Befragten für angemessen, ebenso das Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen, wobei hier seit der letzten Woche ein starker Akzeptanzverlust von 19 Prozent festzustellen ist.

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anzeichen für "Lagerkoller"

Bereits seit mehreren Wochen fragen wir die mdrFRAGT-Teilnehmer nach ihrer Meinung zu den Corona-Maßnahmen. Dabei stiegen die Zustimmungswerte zunächst, bevor es in der letzten Woche zur Trendwende kam: Die Zustimmungswerte fielen leicht. Dieser Trend setzt sich nun beschleunigt fort. Der sogenannte Lagerkoller wird offenbar zunehmend zum Problem.

In der folgenden Tabelle ist die Entwicklung der Zustimmungswerte dargestellt: Während die Werte zunächst stiegen, sinken sie seit zwei Wochen: zunächst leicht, seit der vergangenen Woche rapide.

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kontaktverbot fällt Menschen am schwersten

Bei der Frage, welche der Corona-Einschränkungen für die Menschen die größte Herausforderung darstellt, wurde am häufigsten das Kontaktverbot genannt mit 32 Prozent, gefolgt von der Schließung nicht-lebensnotwendiger Einrichtungen mit 26 Prozent und den Ausgangsbeschränkungen mit 11 Prozent sowie Schul- und Kitaschließungen mit 9 Prozent.                                                

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weiterhin hohe Zufriedenheit mit der Politik

Das Vertrauen in die Politik ist im Vergleich zur Vorwoche leicht gestiegen. Mit der Bundespolitik zeigen sich aktuell 64 Prozent zufrieden (Vorwoche 62), mit der Landespolitik 61 Prozent (Vorwoche 59)  und mit der Kommunalpolitik 50 Prozent (Vorwoche 47).

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stimmung unverändert gut

Die Stimmung hat sich im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert. Den Befragten geht es zu 12 Prozent sehr gut (Vorwoche 10 Prozent), 44 Prozent gut (42), 27 Prozent eher gut (31), 12 Prozent eher schlecht (14), 4 Prozent schlecht (3) und 2 Prozent sehr schlecht (1).

Zuversicht wächst

Im Vergleich zur Vorwoche sind die Menschen zuversichtlicher geworden. Waren in der vergangenen Woche nur 39 Prozent eher bis sehr zuversichtlich, dass die Coronkarise schon bald überstanden ist, sind es in dieser Woche 48 Prozent. Eher bis sehr pessimistisch waren in der vergangenen Woche 61 Prozent, in dieser nur noch 53 Prozent.

Regierungsentscheidung über weiteres Vorgehen

Die Befragung fand im Vorfeld der Telefonkonferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder zum weiteren Vorgehen in der Coronakrise statt. Im Zuge der Beratungen wurde am Mittwoch unter anderem beschlossen, die Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregelungen zunächst bis zum 3. Mai beizubehalten. Kleinere Läden können ab dem 20. April wieder öffnen.

Über die Befragung In einer Befragung vom 12. April bis zum 14. April 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Coronamaßnahmen – Verlängern oder Lockern?" 15.664 Menschen der über 22.500 registrierten Mitglieder haben online abgestimmt.

51 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 25 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 24 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

56 Prozent der Befragten sind männlich und 44 Prozent weiblich.

In der Altersgruppe von 16 bis 30 Jahren haben drei Prozent, von 31 bis 50 Jahren 19 Prozent, von 51 bis 64 Jahren 39 Prozent und in der Altersgruppe von über 65 Jahren 40 Prozent ihre Meinung geäußert.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 15. April 2020 | 11:00 Uhr