mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Coronakrise: Jeder Dritte macht sich große Sorgen um finanzielle Situation

In der Coronakrise sorgen sich die Menschen in Mitteldeutschland nicht nur um ihre Gesundheit, sondern verstärkt auch um ihre Finanzen. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Befragung von mdrFRAGT zum Thema: Corona und die wirtschaftlichen Folgen.

Die Coronakrise hat erste spürbare finanzielle Auswirkungen für die Bewohner in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Folge. So macht sich jeder dritte Befragte große beziehungsweise sehr große Sorgen um seine finanzielle Situation. Das ergab eine Befragung des MDR-Meinungsbarometers "mdrFRAGT" von rund 13.500 Bewohnern in den drei mitteldeutschen Ländern. Bereits etwa jeder fünfte Erwerbstätige hat aufgrund von Kurzarbeit, Freistellung oder Kündigung weniger Einkommen als bisher. Für weitere 22 Prozent der Beschäftigten hat sich der Arbeitsalltag seit Beginn der Covid-19-Pandemie massiv verändert, durch Homeoffice oder Freistellung mit Lohnfortzahlung.

mdrFRAGT - Corona-Virus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Probleme, Miete und Kredite zu zahlen

Bei etwa jedem fünften Befragten hat sich die finanzielle Situation durch Corona verschlechtert. Das hat auch Einfluss auf lebensnotwendige Ausgaben. Jeder zehnte Befragte, der von den finanziellen Auswirkungen betroffen ist, hat bereits Probleme, die Miete zu zahlen. Jeder Fünfte könne den Kredit nicht wie gewohnt bedienen. Auch der Konsum leidet unter der Krise. So gab mehr als die Hälfte der Einkommensverlierer an, die Anschaffung von teuren Gütern, wie etwa Autos oder Fernseher, zu verschieben. Ein Viertel könne sich keine Luxusgüter mehr leisten und zwei Prozent müssten bereits private Insolvenz anmelden.

Zustimmung zu Corona-Maßnahmen geht leicht zurück

Die von der Politik beschlossenen Maßnahmen zur Coronabekämpfung werden zwar von einer Mehrheit weiterhin als richtig angesehen, der Zuspruch nimmt allerdings ab. So bewerten 79 Prozent der Befragten die Schul- und Kitaschließungen als angemessen, eine Woche zuvor waren es noch 86 Prozent. Hinter den Ausgangsbeschränkungen stehen noch 74 Prozent der Befragten, ein Rückgang um 6 Prozentpunkte. Lediglich bei der Schließung von Alten- und Pflegeheimen für Besucher ist die Zustimmung nicht gesunken.

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Stimmung weiterhin gut

Der aktuelle vom MDR-Meinungsbarometer erhobene Stimmungskompass hat sich im Vergleich zur Befragung vor einer Woche kaum geändert. Insgesamt ist die Stimmung eher gut: 83 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen im Großen und Ganzen gut geht. Vor einer Woche waren es 81 Prozent.

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Die Ergebnisse im Detail

Fast die Gesamtheit der mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmer (96 Prozent) ist der Meinung, dass wieder mehr Produkte in Deutschland hergestellt werden sollten. Davon stimmen 86 Prozent dafür, dass dies generell für alle Produkte gilt; die anderen zehn Prozent wünschen sich das nur bei gesundheits- und systemrelevanten Produkten (z. Bsp. Atemmasken).

Mehr Lohn für systemrelevante Berufe

Für Menschen, die bisher in schlecht bezahlten systemrelevanten Berufen arbeiten, wünschen sich die meisten der mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen höheren Lohn. So ist die große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) der Meinung, dass diese Berufsgruppe mehr Geld bekommen sollte. Zudem stimmt jeweils ein knappes Viertel (22 Prozent) dafür, dass es für sie einen einmaligen Coronabonus vom Arbeitgeber bzw. einen einmaligen steuerfinanzierten Bonus geben sollte.

Große Sorge um deutsche Wirtschaft - Kleinere Sorge um eigene wirtschaftliche Lage

Für die Wirtschaft in Deutschland sehen die meisten der Befragten schwarz. Die überwiegende Mehrheit der mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmer (80 Prozent) sorgt sich, dass sich die wirtschaftliche Lage durch die Coronakrise verschlechtern wird. Um die eigene wirtschaftliche Situation macht sich jedoch im Vergleich nur ein Drittel der Befragten Sorgen.

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Negative Auswirkungen auf berufliche Situation

55 Prozent der mdrFRAGT-Teilnehmerinnen befinden sich derzeit bzw. befanden sich bis zur Coronakrise in Arbeit. Davon hat für ein Fünftel die Coronakrise bereits negative berufliche Auswirkungen. So geben 10 Prozent an, dass sie sich zurzeit in Kurzarbeit befinden, weitere fünf Prozent sind von der Arbeit ohne Lohnfortzahlung freigestellt, vier Prozent haben ihren Job durch die Krise sogar verloren.

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Berufsalltag hat sich bei Mehrheit stark verändert

Von den arbeitenden Befragten gibt über die Hälfte an (59 Prozent), dass sich ihr Berufsalltag sehr stark bzw. stark verändert hat. Die Sorge um den Arbeitsplatz ist unter den Arbeitenden eher gering. Die überwiegende Mehrheit der arbeitenden mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmer (80 Prozent) gibt an, dass sie sich weniger große bzw. kleine Sorgen um ihre berufliche Existenz macht.

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Selbständige am stärksten von Corona-Maßnahmen betroffen

Innerhalb der Erwerbstätigen sind eindeutig die Selbständigen am stärksten von den Corona-Maßnahmen betroffen. Bei fast der Hälfte aller Selbständigen hat sich die finanzielle Lage bereits verschlechtert (zum Vergleich, im Durchschnitt ist dies lediglich bei jedem fünften der Fall). Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Selbständigen hat Sorge, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Lage durch Corona verschlechtert. 37 Prozent befürchten gar, dass sie ihre berufliche Existenz ganz verlieren (Durchschnitt: 21 Prozent). So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Stimmung bei den Selbständigen deutlich schlechter ist als im Durchschnitt: 26 Prozent geht es eher bis sehr schlecht, im Durchschnitt sind es nur 18 Prozent.

Hilfspaket der Regierung nicht ausreichend

Etwas mehr als die Hälfte der mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmer (53 Prozent) ist der Meinung, dass das milliardenschwere Hilfspaket, das die Regierung für durch Corona in Not geratene Unternehmen und Menschen aufgelegt hat, nicht ausreicht, um die deutsche Wirtschaft zu retten. Allerdings hat hier auch ein Drittel (33 Prozent) angegeben, dass es die Maßnahme nicht beurteilen kann.

Finanzielle Situation hat sich verschlechtert

Zwar gibt der überwiegende Teil der Befragten (78 Prozent) an, dass ihre finanzielle Situation seit der Coronakrise in etwa gleichgeblieben ist. Bei einem knappen Fünftel (19 Prozent) hat sich die Lage allerdings verschlechtert (14 Prozent schlechter, 5 Prozent viel schlechter).

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Zustimmung zu Corona-Maßnahmen leicht zurückgegangen

Während die Zustimmungswerte zu den Corona-Maßnahmen bei der Befragung vor einer Woche noch einmal gestiegen waren, sind sie nun leicht rückläufig. Diese Tendenz zieht sich durch alle Maßnahmen, nur bei der Schließung von Alters- und Pflegeheimen für Besucher bleibt die Zustimmungsrate auf gleichbleibendem Niveau (92 Prozent). Am meisten geht die Zustimmung bei der Schließung von nicht lebensnotwendigen Einrichtungen zurück (83 auf 75 Prozent), bei der Schließung von Kitas und Schulen (86 auf 79 Prozent), den Ausgangsbeschränkungen (80 auf 74 Prozent) sowie der Verschiebung planbarer OPs (81 auf 76 Prozent).

Weniger Zustimmung bei Schutzmaskenpflicht und Handy-App

Im Vergleich zu den anderen Maßnahmen ist die Zustimmung zu den in dieser Befragung zum ersten Mal abgefragten Maßnahmen der Schutzmaskenpflicht und Handy-App eher gering. So findet nur etwa die Hälfte der Befragten (52 Prozent) die Nachverfolgung von Infizierten und deren Kontaktpersonen via Handy (Tracking-App) für angemessen, sogar nur 39 Prozent sagen das für die Schutzmaskenpflicht.

Über die Befragung In einer Befragung vom 03. April bis zum 06. April 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Corona und die Wirtschaft - Kurzes Tief oder dauerhafte Schäden?" 13.496 Menschen der über 19.700 registrierten Mitglieder haben online abgestimmt.

50 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 27 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 23 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

59 Prozent der Befragten sind männlich und 41 Prozent weiblich.

In der Altersgruppe von 16 bis 30 Jahren haben drei Prozent, von 31 bis 50 Jahren 19 Prozent; von 51 bis 64 Jahren 39 Prozent und in der Altersgruppe von über 65 Jahren 39 Prozent ihre Meinung geäußert.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 07. April 2020 | 20:15 Uhr