Berlin Hauptstadtflughafen BER eröffnet

Er war über Jahre die Lachnummer in Deutschland. Immer wieder wurde die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER in Berlin verschoben. Am Samstag wurde er tatsächlich eröffnet, am Sonntag starteten und landeten die ersten regulären Passagiere.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa landet hinter einer Easyjet-Maschine auf dem Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER).
Die ersten beiden Maschinen sind auf dem Hauptstadtflughafen BER gelandet. Bildrechte: dpa

Nach jahrelanger Verzögerung starten und landen am neuen Hauptstadtflughafen BER die ersten regulären Flieger. Am Sonntagmorgen hob eine Easyjet-Maschine mit 64 Passagieren mit dem Ziel London-Gatwick ab. Insgesamt stehen am Sonntag 23 Starts und Landungen auf dem Flugplan für das neue Terminal.

Bereits seit vergangener Woche ist das Regierungsterminal auf dem BER-Gelände in Betrieb.

Eröffnung ohne Party

Mit neun Jahren Verspätung ist der neue Flughafen BER am Samstag in Betrieb gegangen. Zur Eröffnung landete eine Maschine von Easyjet auf dem neuen Berliner Flughafen. Wenige Minuten später kam eine Lufthansa-Maschine mir Airline-Chef Carsten Spohr an.

Engelbert Lütke-Daldrup
Engelbert Lütke-Daldrup Bildrechte: dpa

Es sei ein langer und kein einfacher Weg gewesen, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bei der Eröffnung am Nachmittag. "Deshalb feiern wir heute auch keine Party, sondern machen einfach auf." An der Eröffnungszeremonie nahmen auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer teil. Letzerer forderte: "Die Zeit der Jokes über den BER muss jetzt zu Ende sein."

Proteste von Klimaschützern

Demonstranten laufen auf einer Straße in Richtung des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg
Die Eröffnung des BER wird von Protesten begleitet. Bildrechte: dpa

Begleitet wurde die Eröffnung von einem Protest von Klimaschützern. Das Bündnis "Am Boden bleiben" organisierte zwei Demonstrations-Züge per Fahrrad und zu Fuß, vom Platz der Luftbrücke und vom alten Flughafen Schönefeld.

Am Vormittag kletterten einige auf ein Dach des Flughafens und entrollten dort ein Banner. Polizeikräfte beendeten die Aktion nach einer Stunde.

Extiction Rebellion behindert Abflug in Schönefeld

Auf dem Terminal 5 in Schönefeld versuchten mehrere Anhänger der Gruppe Extinction Rebellion, den Start einer Maschine zu verhindern. Eine Sprecherin von Extinction Rebellion sagte, einer habe sich beim Boarding für einen Flug nach Istanbul an die Tür des Flugzeugs geklebt, ein anderer an die Gangway, zwei weitere an den Boden des Rollfelds. Die Polizei teilte mit, Flughafenfeuerwehr und Bundespolizei hätten die Aktion beendet. Strafrechtliche Konsequenzen würden geprüft.

Ursprüngliche Eröffnung 2011 geplant

Ursprünglich sollte der BER vor neun Jahren öffnen, am 10. Oktober 2011. Sechs Mal wurde die Eröffnung verschoben. Gründe waren eine Serie von Planungsfehlern, technischen Problemen und Baumängeln. Die Kosten für den Bau verdreifachten sich auf rund sechs Milliarden Euro.

Die peinlichsten Pannen am BER

Mit neun Jahren Verspätung und dreimal so teuer wie geplant eröffnet der Flughafen Berlin Brandenburg. Die kuriosesten Pannen im Überblick.

Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt
Das Licht geht nicht aus Damit überraschte der Flughafen 2013. Es gab Probleme mit der Leittechnik, Umplanungen wurden danach immer wieder angepasst, aber nie grundsätzlich neu geplant. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Rolltreppe im Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt BER.
Rolltreppen zu kurz Zwei feste Treppen folgten am Bahnhofsausgang auf die Rolltreppen. Grund: Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden. Über den Austausch wurden sich Flughafen und Bahn lange nicht einig. Bildrechte: imago/Bernd Friedel
Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt
Das Licht geht nicht aus Damit überraschte der Flughafen 2013. Es gab Probleme mit der Leittechnik, Umplanungen wurden danach immer wieder angepasst, aber nie grundsätzlich neu geplant. Bildrechte: imago images/ThomasReiner.pro
Ein Elektriker arbeitet am 19.05.2017 in Schönefeld im Flughafen Berlin Brandenburg (BER) an der Heizungsanlage.
Dauerbrenner Brandschutz Bei Feuer geht ein Teil des Rauchs durch den Keller nach außen. Das sorgte für Spott, ist wegen des Unterdrucks aber möglich. Die Rauchanlage war über die Jahre aber so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Bildrechte: dpa
Check-in-Schalter auf der Baustelle des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt BER.
Falsch nummerierte Türen Jeder dritte der 4.000 Räume im Terminal trug nach Umplanungen eine falsche Nummer – und war zum Beispiel für Rettungsdienste nicht zu finden. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an. Bildrechte: imago images/snapshot
Kabel liegen am 23.06.2014 in der Baustelle im Terminalgebäude des künftigen Großflughafens Berlin-Brandenburg BER, während ein Arbeiter in einer Sicherheitsweste mit «Imtech»-Aufdruck vorübergeht.
Kabelsalat Mit den Erweiterungen in der Bauphase kamen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen, was wegen Hitzebildung riskant sein kann. Kabel führten auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser. Teilweise fehlten Pläne. Bildrechte: dpa
Ein Buchfahrpaln mit Haltezeiten auf dem Bahnhof des Flughafens Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Brandenburg) aufgenommen am 06.03.2013.
Vertrauliche Dokumente im Müll Ordnerweise Baupläne lagen 2014 in einem Abfallcontainer auf offener Straße in Berlin. Bildrechte: dpa
Fiktive Flüge zeigen Anzeigetafeln im Terminal des Hauptstadtflughafen Willy Brandt (BER) in Schönefeld bei einem Test an.
Bildschirme bereits Schrott 750 Bildschirme im BER waren jahrelang in Betrieb, zeigten Flugziele und Schalternummern – bis die Monitore schrottreif waren und entsorgt werden mussten. Bildrechte: dpa
Alle (7) Bilder anzeigen

Tegel schließt – Schönefeld in BER integriert

Mit der Eröffnung des BER endet zugleich die Ära des Flughafens Tegel. Dort soll am 8. November die letzte Maschine abheben. Zur Sicherheit bleibt der Flughafen im Westen der Stadt aber noch ein halbes Jahr betriebsbereit. Das Terminal des früheren Zentralflughafens der DDR in Schönefeld bleibt vorerst als Teil des BER erhalten. Vom alten Flughafen übernimmt der BER auch eine Start- und Landebahn

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Oktober 2020 | 14:30 Uhr

6 Kommentare

cfweber vor 4 Wochen

Ich empfinde die überall fehlende Haftung für Entscheidungen, Beschlüsse usw. als eine Hauptursache für die fehlende Sachkompetenz vieler Verantwortlicher in der Kette der Entscheider So wurde der Scherbenhaufen von Übernahme zu Übernahme größer, bis Herr L-D schließlich kam.
Jeder weiß das - keiner zieht (oder fordert wenigstens) Konsequenzen... Also ist eine Wiederholung beim nächsten Großprojekt geradezu wahrscheinlich.

Harka2 vor 4 Wochen

Eine traurige Blamage Deutschlands kann endlich eröffnet werden. Traurig ist das in mehrere Hinsicht, nicht nur wegen der jahrelangen Verzögerung und der Kostenexplosion. Traurig ist das auch deshalb, weil dafür der innerstädtische Flugplatz Tempelhof geopfert wurde. Tegel trauern nur Narren hinterher, denn der Flugplatz war mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen, hat keinen Anschluss an S- und U-Bahn, keine Straßenbahn, keine Parkplätze und wo sonst hinter der Abfertifung ein großer Dutty-Free-Bereich mit Verkaufs- und Imbissmöglichkeiten wartet, kommt da in Tegel nur ein enger Raum mit harten Sitzen. Gerade mal für ein paar Toiletten wurde gesorgt, auch wenn man die gut versteckt.

Tempelhof hingegen hatte nicht nur seine Historie. Die Briten haben im abgerissenen Londoner Hafen einen innerstädtischen Flughafen neu gebaut, in Berlin wird der innerstädtischen dummerweise geschlossen, weil er politisch für BER geopfert werden musste.

Steffen Kayser vor 4 Wochen

Endlich ist er fertig, der Flughafen den keiner braucht.
Und seine Geschichte hat gezeigt, das wir hier in Deutschland nicht nur mit dem Coronavirus zu kämpfen haben, sondern auch mit dem Virus Bürokratie.