Mehrjährige Haftstrafen Goldmünzen-Diebe müssen hinter Gitter

Es war ein dreister Coup mit einer Beute im Millionenwert: Aus dem Berliner Bode-Museum wurde im März 2017 nachts eine riesige Goldmünze gestohlen. Die Diebe müssen mehrere Jahre ins Gefängnis. Was mit der Münze passiert ist, bleibt unklar. Die Berliner Polizei kritisiert die Urteile als zu milde.

Ein Exemplar der sogenannten 'Big Maple Leaf'-Goldmünze
Die kanadische Münze war die Leihgabe eines Privatmanns. Sie ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Bildrechte: dpa

Knapp drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sind im Prozess gegen vier Angeklagte die Urteile gefallen.

Das Berliner Langericht verhängte gegen einen 21-jährigen Wachmann aus dem Museum eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Zwei Männer im Alter von 23 und 21 Jahren erhielten eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Gefängnis. Die beiden gehören zu einem arabischstämmigen Clan. Ein vierter Angeklagter wurde freigesprochen.

Beute von 3,75 Millionen Euro

Der Diebstahl der großformatigen Münze "Big Maple Leaf" im März 2017 hatte weltweit Aufsehen erregt. Das Riesen-Geldstück war nachts aus einer Vitrine gestohlen und mit einer Schubkarre und einem Rollbrett abtransportiert worden. Der Materialwert der Münze lag damals bei 3,75 Millionen Euro.

Verbleib der Münze unklar

Wo sich die Münze befindet, ist unklar. Die Polizei geht davon aus, dass die Goldplatte zerstückelt und verkauft wurde. In einem Auto und an Kleidung der Angeklagten waren Goldpartikel festgestellt worden.

Das Gericht blieb mit seinen Urteilen unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Prozess begann bereits vor mehr als einem Jahr, insgesamt gab es 41 Verhandlungstage.

Polizei kritisiert milde Urteile

Die Berliner Polizei-Gewerkschaft (GdP) hält das Strafmaß für zu niedrig. Landeschef Norbert Cioma erklärte, die Täter seien "glimpflich davongekommen, einer sogar komplett". Bei einer Beute von fast vier Millionen sei das "durchaus verschmerzbar".

Um die organisierte Kriminalität wirkungsvoller bekämpfen zu können, forderte Cioma die sogenannte Beweislastumkehr bei der Einziehung von Vermögen und eine einfachere Telefonüberwachung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Februar 2020 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 15:34 Uhr

14 Kommentare

part vor 6 Wochen

richtig erkannt, in diesem Land werden Vermögensdelikte höher bestraft als Gewaltdelikte gegen Personen. Dies hat aber mit der Entstehung des Strafrechtssystems zu tun und dessen Nichtreformierung seit Jahrhunderten. Aus damaliger Sicht wohl aber normal, Kneipenschlägereien waren an der Tagesordnung, beim Diebstahl des Monatslohns konnte aber eine Familie im Armenhaus landen.

MDR-Team vor 6 Wochen

Hallo Jochen1,
im Beitrag steht: "Zwei Männer im Alter von 23 und 21 Jahren erhielten eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Gefängnis. Die beiden gehören zu einem arabischstämmigen Clan." Wo wird etwas verschwiegen?
Viele Grüße
Ihre MDR.de-Redaktion

Horst Schlaemmer vor 6 Wochen

Lieber Baldur, ich glaube ja nicht, dass jeder, der hier Verurteilten tatsächlich 1,25 Mio von der Beute abbekommt. Falls es so ist, sollten sie noch einmal neu dividieren. Das Jahreseinkommen, das dabei rauskommt, lohnt sich dann doch - zumal bei freier Kost und Logis.