"Housing First" Leipzig stellt ab Oktober Wohnungen für 25 Obdachlose

Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Wohnung verlieren oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Die Stadt Leipzig hat zu Beginn des Jahres ein Projekt ins Leben gerufen, das zumindest einige Menschen in der Messestadt in die eigenen vier Wände bringt. Doch es gibt deutlich mehr Bewerber für das Projekt als Wohnraum.

Zwei Obdachlose sitzen in der Nacht in der Eingangszone vom Leipziger Gewandhaus
Die Stadt Leipzig hat ein Modellprojekt gestartet, das Obdachlosen eine eigene Wohnung ermöglichen soll. Bildrechte: dpa

Die Stadt Leipzig hat das Modellprojekt "Eigene Wohnung/Housing First" gestartet, das Obdachlose per Losverfahren in die eigenen vier Wände bringen soll. Im April vom Stadtrat beschlossen, wird das Projekt seit Juli vom Sozialamt koordiniert. Wie Projektleiter Tino Neufert von "Safe - Straßensozialarbeit für Erwachsene" im Gespräch mit MDR SACHSEN sagte, gebe es aktuell knapp 200 Bewerberinnen und Bewerber, aber noch nicht genügend verfügbaren Wohnraum.

Projektleiter Tino Neufert von "Safe - Straßensozialarbeit für Erwachsene" Leipzig
Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Wir freuen uns sehr, dass das Projekt gestartet ist. Wir haben 25 Klientinnen und Klienten in das Projekt vermitteln können. Es ist ein guter Anfang. Wir hoffen, dass sich das verstetigt. Wir hoffen, dass wir die Menschen so von der Straße kriegen.

Tino Neufert Projektleiter Streetworkprojekt "Safe - Straßensozialarbeit für Erwachsene"

Eigener Mietvertrag und soziale Begleitung

20 Männer und 5 Frauen haben den Zuschlag bekommen. Sie werden ab Oktober schrittweise in ihr eigenes Zuhause ziehen, vermietet von der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, verteilt im ganzen Stadtgebiet.

Anders als bisher können Betroffene direkt in die eigenen vier Wände ziehen, erklärt Tom Hübner, Leiter der sozialen Wohnhilfe der Stadt Leipzig: "Wir nennen das ganz bewusst eigene Wohnung, weil die Menschen einen eigenen Mietvertrag bekommen sollen. In der Wohnung stabilisiert sich dieser Mensch, bekommt ein ständiges Angebot einer Sozialberatung". Hübner sagte weiter, die Person muss die Miete und andere Wohnkosten entweder über eigene Erwerbstätigkeit oder über Sozialleistungen finanzieren können.

Bis 2023 wird das Projekt "Eigene Wohnung" vom Freistaat Sachsen mit 110.000 Euro unterstützt. Der Freistaat Sachsen beteiligt sich an der Evaluierung des Projektes. Daraus soll ein Konzept entstehen, um es auf andere Kommunen in Sachsen übertragen zu können.

Schlafsäcke gesucht! Mit Blick auf den Beginn der kälteren Jahreszeit bittet das Sozialamt der Stadt Leipzig Bürgerinnen und Bürger, die Kleidung und vor allem Schlafsäcke für obdachlose Personen spenden möchten, sich direkt an die Übernachtungseinrichtungen oder den Hilfebus zu wenden. Der Hilfebus ist täglich von 18 bis 23 Uhr im Stadtgebiet unterwegs (Tel. 0152 33661087).

Quelle: MDR/bb/sm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 22. September 2021 | 16:30 Uhr

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