
Leipzig und Dresden Warum es in manchen Stadtvierteln keine Leihräder gibt
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12. Juli 2024, 08:34 Uhr
Im Leipziger Stadtteil Grünau sind die Möglichkeiten, ein Leihrad von Nextbike abzustellen und auszuleihen, begrenzt. So ist das in allen Stadtteilen mit wenig Nachfrage. Über die Stadtgrenze hinaus, kann das Rad gar nicht abgestellt werden. Anders in Dresden: Hier wird das Unternehmen von der Stadt beauftragt und kann daher mehr Service anbieten.
- In Leipzig gibt es nicht ausreichend Bikesharing-Angebote, beispielsweise in Grünau.
- Das Problem ist, dass Nextbike privatwirtschaftlich agiert und es dort nicht genug Nachfrage gebe, sagt eine Sprecherin von Nextbike.
- In Dresden hingegen wird Nextbike von der Stadt beauftragt.
Mit der App den Code gescannt, das Schloss entsperrt und schon kann ich mich aufs Fahrrad schwingen. Ich will zum Sport und nutze gern das Nextbike, weil ich so schneller vorankomme als mit dem ÖPNV. Als ich dann auf der Karte in der App nachschaue wo ich das Fahrrad gleich wieder abstellen kann, finde ich erstmal wenig. Ich muss nämlich nach Leipzig Grünau und dort gibt es offenbar keine Zonen in denen ich mein Rad abstellen kann. Es gibt zwar eine feste Mobilitätsstation, von der müsste ich dann aber noch ein ganzes Stück laufen.
Dieses Problem der fehlenden Leihräder kennt auch Ariane Zimmer. Sie ist im Stadtbezirksbeirat West in Leipzig: "Es gibt immer Lücken und da brauchen wir Sharing-Angebote wie Carsharing und Bikesharing und was es da alles gibt." Ihres Wissens nach gebe es nur eine Station in Grünau. Das reiche nicht für einen Stadtteil mit über 40.000 Einwohnern.
Dazu kommt, dass sich viele Menschen aus Grünau die steigenden Preise für die Öffis nicht mehr leisten können. Grünau gilt in Leipzig als sozial belasteter Stadtteil, Nextbike würde besonders jüngeren Menschen mit weniger Geld ein weiteres Fortbewegungsmittel bieten.
Fahrrad-Angebot von Nachfrage abhängig
Doch warum fehlt die Struktur in diesem Stadtteil? Nextbike ist ein privates Unternehmen und hat durch Tests rausgefunden wo sich Abstellzonen lohnen und wo nicht. Wird in einem Stadtteil nicht so viel ausgeliehen, werden dort dann auch keine Fahrräder mehr angeboten, erklärt Mareike Rauchhaus von Nextbike: "Und dann probieren wir natürlich noch aus." In Leipzig sei man seit 15 Jahren präsent, da schaue man, "wo ist die Nachfrage am höchsten und wo können wir sozusagen den meisten Traffic erwarten?" Daran würde man das Angebot anpassen.
Wenn manche Stadtbezirke bei diesen Entscheidungen zu kurz kommen, sehen viele die Verantwortung bei der Stadt Leipzig. Denn Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ist auch die gerechte Anbindung an den Verkehr für alle Bürger.
In Dresden wird Nextbike von der Stadt beauftragt
In Dresden zum Beispiel funktioniert das Verleihsystem für Fahrräder anders. Die Stadt und Nextbike arbeiten enger zusammen und die Stadt bezahlt Nextbike, um das Angebot auszubauen. Damit kann die Politik dann mitentscheiden, wo Abstellzonen für Fahrräder angeboten werden wie Mareike Rauchhaus ergänzt: "Wenn die Stadt Dresden sich dann überlegt ein Stadtteil weiter draußen zu entwickeln, dann gehen wir da natürlich hin, weil wir diese Service Level Agreements haben mit der Stadt." Das sei die Vereinbarung an einer Station oder an einem Standort Räder im Rahmen dieses öffentlichen Auftrags der Stadt anzubieten. In Leipzig hingegen agiere man privatwirtschaftlich.
Auch in Dresden gibt es noch viele Stadtteile in denen keine Leihräder angeboten werden. Aber das soll sich durch städtische Förderungen in den nächsten Monaten ändern. Damit die Kommunen von ihren Erfahrungen untereinander lernen können, tauschen sie sich mittlerweile regelmäßig aus wie Alexander Volokhov von den Dresdner Verkehrsbetrieben erklärt, es gebe sogar einen Austauschkreis in dem man quartalsweise über verschiedene Systeme spreche.
Außerdem spreche man über Erkenntnisse, was gut laufe, was schlecht laufe, um auch das System miteinander weiterzuentwickeln, sagt Rauchhaus. "Weil ja auch alle Städte vor den gleichen Herausforderungen stehen an dieser Stelle und damit man das Rad nicht neu erfinden muss – um beim Fahrrad zu bleiben. Damit man bestmöglich und schnell das Angebot verbessern kann, für alle Verkehrsteilnehmer."
Das Problem ist im Leipziger Stadtrat zwar angekommen. Solange es von da aber keine neuen Konzepte gibt, werde ich wohl bei meinem Weg nach Grünau weiter auf das Nextbike verzichten müssen.
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 12. Juli 2024 | 06:52 Uhr
Wahrsager vor 37 Wochen
Gegen Diebstahl, das mag sein. Falls der nicht in einem Metallcontainer abgeschirmt ist.
Gegen den auch sehr gern praktizierten Vandalismus hilft das leider trotzdem nicht
Deutscher_Patriot vor 37 Wochen
Das sit eine sehr gute Idee.
Man könnte sich ja auch überlegen, solidarisch alte Räder fahrtüchtig zu machen und unverschlossen zur allgemeinen Benutzung im Viertel abzustellen. Wer eine Radfahrt benötigt, nimmt sich eines und stellt es am Ziel ab.
Der nächste, der es braucht, nimmt es sich dann wieder für seine Fahrt, usw.
Das könnte funktionieren, wenn die Leute die Räder nicht absichtlich kaputt machen oder klauen wollen.
Deutscher_Patriot vor 37 Wochen
Die Verleihfirma hat ständig Kosten für Reparaturen ihrer Räder, für Ersatz nach Diebstahl und ihre Personalkosten.
Das muss reinkommen, sonst geht die Verleihfirma pleite und es gibt dann gar keine Leihräder mehr.
Also muss die Verleihfirma darauf achten, dass sie ihre Räder dort verleiht, wo es viel Kundschaft dafür gibt, damit ihre Kosten wieder herein kommen.