Wetter Regentonnen stehen auf Empfang: Geht Ostsachsen wieder leer aus?

Auf Gewitter und erlösende Regenfälle hatten viele Sachsen spätestens nach der extremen Hitze am Donnerstag gehofft. Doch langsam weicht die Hoffnung der Ernüchterung. Wann gibt's mal wieder richtig Regen, Regen, den es früher einmal gab? Wir haben die MDR-Wetter-Expertin Stephanie Meißner gefragt.

Eine Gießkanne liegt in einem Garten auf dem Boden einer fast leeren Regentonne.
Die Regentonne in vielen Gärten sind leer - wahrscheinlich werden sie es bleiben. Bildrechte: dpa

Stephanie, erste Enttäuschung macht sich breit. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in Sachsen heute noch Regen bekommen?

Dass sich die Schauer und Gewitter eher in den späten Nachmittagsstunden und den Abend ziehen können, war ja gestern noch angesagt. Vieles deutet noch immer auf eine Gewitterentwicklung in der Nacht hin, vor allem in der Region Görlitz. Hier gab es heute die höchsten Temperaturen mit 35 Grad. Allerdings ist jetzt schon klar: Es wird nicht flächendeckend nass, es kann auch zu Gewittern ohne Regen kommen. Wenn es regnet, handelt es sich um lokale Schauer. Viel Regen ist in den Norden abgezogen, der Norden Sachsen-Anhalts hatte diesmal Glück. Es kann sein, dass wir leer ausgehen. Doch wir haben noch eine Chance, dass es in der Nacht nass wird.

Es wird nicht flächendeckend nass, es kann auch zu Gewittern ohne Regen kommen. Wenn es regnet, handelt es sich um lokale Schauer. Viel Regen ist in den Norden abgezogen, der Norden Sachsen-Anhalts hatte diesmal Glück. Es kann sein, dass wir leer ausgehen.

Stephanie Meißner
Stephanie Meißner, Wetterexpertin des MDR erklärt, worauf es beim Regen ankommt. Bildrechte: Martin Jehnichen

Das macht wenig Hoffnung, wo ist all' der Regen hin?

In diesem Sommer mangelt es generell an flächendeckenden Niederschlägen, das wird wahrscheinlich auch so bleiben. Grund dafür sind die starken und extremen Hitzeperioden. Treffen diese extrem heißen Luftmassen auf die kalten Luftmassen, entstehen zwar lokale Schauer aber keine flächendeckenden Niederschläge, das liegt an der Wetterlage. Es ist auch nur schwer vorherzusagen, wo es diese Schauer geben wird. Man muss sich das vorstellen, wie einen Topf mit Wasser, das zum Kochen gebracht wird. An einigen Stellen entstehen Kochbläschen, doch wo das sein wird, wissen wir vorher nicht.

Luftaufnahme aus einem Flugzeug zeigt Trockenschäden auf einem Getreidefeld
Sachsen braucht Regen - doch der bleibt im großen Stil erst einmal aus. Bildrechte: dpa

Was muss für einen Dauerregen passieren?

Damit wir einen schönen Dauerregen bekommen, müssen wir in der kälteren Luft sitzen, auf die sich eine Warmfront zubewegt. Die Unterschiede dürfen aber nicht so groß sein, wie jetzt bei der Extremhitze.

Alle Prognosen haben Regen in Aussicht gestellt. Wie kann das sein?

Es war immer von lokalen Schauern die Rede, das ist ganz wichtig, das zu unterscheiden. Es gibt sehr verschiedene Arten von Regen. Durch die Hitzeperioden haben wir weniger Landregen und mehr Starkregen, das ist auch ein Ergebnis des Klimawandels.

bunter Regenschirm im Getreidefeld bei aufziehendem Gewitter
Schwarze Wolken mit schön viel Gewitterregen rücken erst einmal in weite Ferne in Sachsen. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Das erklärt aber noch nicht, warum die Vorhersagen so unstimmig sind…

Es kommt immer darauf an, wie schnell die Luftmassen wechseln. Man versucht auf Basis von Messungen und Erfahrungen, die Wetterereignisse genau zu artikulieren, doch es bleibt eine Vorhersage. Luftmassen können immer auch abdriften, das kann passieren und ist in diesem Fall passiert, einige Luftmassen sind in den Norden abgezogen.

Von Anfang an war auch klar, dass der Regen in Ostsachsen erst am Abend eintreffen sollte. Für Westsachsen und das Vogtland war er früher angesagt gewesen, doch die noch verbliebene eintreffende Kaltfront hatte zu wenig Feuchte, es kam nicht zu der feuchten Luft, die es gebraucht hätte.

Die Kindheitserinnerungen mit Gewittern und Sommerregen in der Nacht sind also passé?

Unsere Kindheitserinnerungen mit den Sommergewittern am Abend basieren auf anderen Wetterlagen. Es handelte sich nicht um heiße, sondern warme Sommertage, in denen die Wolken schon nachmittags gequellt sind und sich dann abends abregneten. Starkregenereignisse, wie wir sie heute kennen, sind Teil des Klimawandels.

Es handelte sich nicht um heiße, sondern warme Sommertage, in denen die Wolken schon nachmittags gequellt sind und sich dann abends abregneten. Starkregenereignisse, wie wir sie heute kennen, sind Teil des Klimawandels.

Eine junge Frau mit Schirm in einem Sommerregen
Sanften Sommerregen gibt es nur ohne Extremhitze. Bildrechte: Colourbox.de

Das Wetter klingt komplex!

Ja, das ist es. Um das komplizierte Wetter zu verstehen, eignen sich auch für Erwachsene auch immer die gut übersetzen Erklärungen, die für Kinder aufbereitet sind.

Wenn heute nichts kommt: Wann wird es den nächsten Regen geben?

Es sieht erst einmal schlecht aus: Die Trockenheit ist vorherrschend.

Laut Prognosen gibt es in den nächsten Tagen nicht nach Regen aus.

Wir haben ein starkes Hochdruckgebiet, das lässt andere Luftmassen nicht rein. Die Böden in unseren Gärten, müssen wir nächste Woche selbst feucht kriegen. Die gute Nachricht: Wir haben garantiertes Badewetter.

MDR (kt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 05. August 2022 | 19:00 Uhr

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