Energie Nach Ende der EEG-Umlage: Wie sich die Strompreise in Thüringen weiter entwickeln

Seit dem 1. Juli zahlen die Verbraucher keine EEG-Umlage mehr auf ihren Stromverbrauch. Damit fallen netto 3,72 Cent pro Kilowattstunde weg. Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresstromverbrauch von 3.000 Kilowattstunden spart damit rund elf Euro im Monat. Die Freude dürfte aber nur kurz währen, denn viele Thüringer Stadtwerke kündigen bereits teils kräftige Preiserhöhungen an.

Seit dem Jahr 2000 zahlen Stromkunden die Ökostromumlage (EEG-Umlage) bei ihrem Strompreis on top. Damit sollte der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden. Um die Verbraucher in der Krise zu entlasten, übernimmt ab dem 1. Juli der Bund die Kosten für die Umlage. Ab 2023 soll die EEG-Umlage dauerhaft abgeschafft werden.

Damit kostet die Kilowattstunde netto 3,72 Cent (4,4 Cent brutto) weniger. Bei einem Verbrauch von jährlich 3.000 Kilowattstunden, wie es bei Familien oft der Fall ist, macht das eine Ersparnis von 132 Euro brutto.

Was ist die EEG-Umlage?

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahre 2000 wollte die Bundesregierung die Stromerzeugung aus sauberen, erneuerbaren Energien vorantreiben. Um das Ziel zu erreichen, garantierte das Gesetz den Betreibern von Ökostromanlagen nicht nur die Abnahme des von ihnen produzierten Stroms, sondern darüber hinaus eine feste Vergütung für jede produzierte Kilowattstunde. Nur so lohnte es sich für Stromerzeuger, gerade zu Beginn der Energiewende, die deutlich teureren Photovoltaik- (Sonnenenergie) oder Windkraftanlagen zu bauen. Allerdings war die staatlich festgelegte Einspeisevergütung höher als die Preise an der Strombörse. Es entstand also ein Fehlbetrag für den Netzbetreiber. Dieser Fehlbetrag wurde auf alle Verbraucher umgelegt, über die EEG-Umlage.

Was muss ich als Stromkunde tun?

Wer eine ganz genaue Abrechnung wünscht, kann seinem Stromanbieter den Zählerstand mitteilen. Die Verbraucherzentrale Thüringen rät sogar dazu. So können Schätzungen zu Ungunsten der Verbraucher vermieden werden. Ansonsten senken alle Stromanbieter den Preis automatisch.

Strompreise mehr als verfünffacht

Doch seine monatliche Abschlagszahlung nun zu senken, ist wohl keine gute Idee. Denn die Freude vom Preisnachlass dürfte nur kurz währen. Der Krieg in der Ukraine lässt die Gas- und Strompreise explodieren. "29,6 Cent kostet aktuell ein Kilowattstunde Strom an der Börse", sagt Ronny Stieber, Geschäftsführer der Energieversorgung Greiz, und ergänzt: "Das sind drei Cent mehr als vor drei Tagen". Vor einem Jahr, im Juni 2021, kostete die Kilowattstunde gerade mal 5,5 Cent an der Börse.

Thüringer Verbraucher zahlen künftig bis zu 25 Prozent mehr

Ronny Stieber geht davon aus, die Strompreise in diesem Jahr noch einmal anheben zu müssen. Kein Einzelfall. 17 Stromanbieter mit Sitz in Thüringen reagierten auf eine MDR THÜRINGEN-Anfrage. So haben die Stadtwerke Rudolstadt die Preise in der Grundversorgung bereits im Juni um 14 Prozent angehoben. Sechs weitere Stadtwerke planen demnächst die Preise anzupassen.

Auch die Teag wird die Preise zum 1. August erhöhen, um 23 bis 25 Prozent. Die Stadtwerke Saalfeld ziehen nach. Zum 1. September steigt der Strompreis um 25,53 Prozent. Weitere sechs Stadtwerke prüfen derzeit ihre Preiskalkulation, darunter Gera und Suhl. Lediglich die Stadtwerke in Heiligenstadt, Nordhausen und Bad Salzungen wollen bislang auf eine Preissteigerung verzichten.

Lohnt ein Stromanbieterwechsel?

Ein Vergleich lohnt immer, doch wirklich sparen dürfte man derzeit nicht. Circa ein Jahr im Voraus kaufen die Versorger ihren Strom bedarfsgerecht ein. Kommen neue Stromkunden hinzu, ist der Versorger womöglich gezwungen, zu tagesaktuellen Preisen nachzukaufen. Das dürfte teuer werden. Vor einem Wechsel sollte man die Bedingungen deswegen ganz genau prüfen, erklärt die Verbraucherzentrale.

Steuern weiter senken?

Nie war in Deutschland Strom so teuer wie jetzt, stellt auch der Bundesverband der Energiewirtschaft fest. Die EEG-Umlage abzuschaffen, kann da nur ein erster Schritt sein. Die Bundesregierung sollte "die Senkung der Stromsteuer auf das europäisch zulässige Mindestmaß und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas von 19 auf sieben Prozent prüfen", fordert der Verband.

Mehr Nachrichten zum Thema Energie

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Juli 2022 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

martin vor 5 Wochen

@gutermensch: Aktuell stagniert der Ausbau. Das bestreitet keine ernst zu nehmende Quelle. Habeck will ausbauen. Erkennen Sie den Unterschied zwischen "IST" und "WOLLEN"? Sowenig zu Ihrem angeblichen Widerspruch ....

GuterMensch vor 5 Wochen

Aha, in D stagniert der Ausbau, widersprüchlicher kann es gar nicht sein !
Habeck will doch massiv WKA ausbauen, das Geschäft wäre doch groß hier bei uns ! Nein, die Rotoren kommen dann ganz "nachhaltig" aus Indien zu uns ! Diese werden dann dort mit russ. Gas und Öl hergestellt. Sanktionen die wirken hervorragend ! Und natürlich wird da viel billiger produziert und der Gewinn wird bis zum maximalen optimiert, übrigens, die Herstellung der Rotoren ist auch sehr energieintensiv ! Ok, unsere Wirtschaft soll ja auch unabhängiger von anderen Ländern werden, wir befinden uns auf einen guten Weg dahin !

martin vor 5 Wochen

Ja, die Lösung unserer Probleme liegt in den französischen AKW. Wären die Konsequenzen nicht so problematisch, würde ich über diesen Beitrag herzlich lachen.

Und von der Kohle kein Wort? Nun, in den von Ihnen präferierten Medien vielleicht.

Mehr aus Thüringen

Schloss Kannawurf 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK