Intershop-Fotos
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Die Intershop GmbH Am Anfang war ein Kiosk

Auf Weisung des Ministers für Verkehrswesen unterzeichnen am 14. Dezember 1962 in der Berliner Littenstraße Vertreter der Mitteldeutschen Schlafwagen AG (Mitropa) und der "Deutschen Genußmittel GmbH" den Vertrag zur Gründung der "Intershop GmbH". Bezahlt wird mit D-Mark. Ab 16. April 1979 dürfen DDR-Bürger aber nur noch mit eingetauschten Forumschecks dort einkaufen.

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Der Verkauf beginnt mit Kiosken auf einem S-Bahnsteig in Berlin-Friedrichstraße, der nur Transitreisenden zugänglich ist. Angeboten werden Waren aus DDR-Produktion und aus Import gegen konvertierbare Devisen. Um einen Verkaufserfolg zu gewährleisten, liegen die Preise leicht unter den West-Berliner Einzelhandelspreisen.

Der West-Berliner Zoll ist nicht begeistert von der neuen Einkaufsmöglichkeit. Der Kauf größerer Mengen Zigaretten und damit Steuerbetrug wird hart geahndet. Ein Steuersünder wird sogar durch eine Plakataktion öffentlich gemacht. Sein Bild prangt an vielen Litfaßsäulen. Die Zollverwaltung rechtfertigt das drastische Vorgehen: "Wir müssen immer nach Osten blicken. Es geht wirklich nicht, dass charakterlose Westberliner Ulbrichts Kriegskasse füllen."

Es geht ums Geld, nur ums Geld

Die Läden werden für viele Transitreisenden zum Discounter. Das Ministerium für Verkehrswesen hat bereits im Mai 1962 Vorschläge "für die Versorgung ausländischer und westdeutscher Bürger auf den Autobahnen" unterbreitet. Für insgesamt 8 Raststätten wird die Einrichtung eines Intershops erwogen. Die Transitstrecken mit ihren Gaststätten und Intershops werden, als unliebsame Begleiterscheinung für die Staatssicherheit, Treffpunkt von Ost und West. Doch die Beschaffung von Devisen ist wichtiger. Zur Erhöhung der Valuta-Einnahmen im Planjahr 1967 erarbeitet der Direktor der "Mitropa" einen Maßnahmeplan. Darin wird die Eröffnung von neuen 20 Intershop-Verkaufsstellen, vornehmlich auf Bahnhöfen, festgelegt. "Es ist zu sichern, dass durch die Einrichtung vorgenannter Verkaufsstellen noch im Jahre 1967 1.100.000 Valuta-Mark erzielt werden."

Die Devisen teilen das Land

Scheine und Münzen
Die heißbegehrte D-Mark Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Unmut in der DDR wächst. Die Staatsicherheit notiert die Meinungsäußerungen in der Bevölkerung: "Früher galten Bürger mit Westverwandtschaft als verpönt, heute gelten sie als gute Bürger, weil sie dem Staat Devisen bringen." Es scheint nur konsequent, dass im Dezember 1973 ein Devisengesetz erlassen wird, das der DDR Bevölkerung erlaubt, Valuta zu besitzen. 

Von nun an gibt es quasi offiziell zwei Währungen im Land. Bevorteilt sind selbstverständlich alle Beschäftigten im Dienste des Intershops. Durchschnittlich 30 DM bekommen die Verkäuferinnen im Monat ausgezahlt. Doch Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Die IM-Akten über die Leipziger Intershops füllen viele Aktenordner. Jeder gegen jeden. Und jeder mit jedem.

Im Jahr 1976 vergisst etwa eine Angestellte, die Tageseinnahmen von 40.000 DM in den Tresor zu legen und just in dieser Nacht wird in den Laden eingebrochen. Eine andere Verkäuferin flüchtet in den Westen und nutzt dafür die Inventurminusdifferenz von 4.000 DM.

Mal werden die Einnahmen nicht eingetippt und das Bargeld unter der Kasse deponiert, mal Preise eigenständig heraufgesetzt. Dann kostet "After Eight" eben 3 DM statt 2,75 DM. Freunden und Bekannten werden Waren kostenlos überlassen oder unpassende Geschenke von Westverwandten zu selbst festgelegten Preisen im eigenen Intershop verkauft.

Eine neue Organisationsform: Die "forum Handelsgenossenschaft"

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Am 1. Januar 1977 wird die" forum HG" gegründet. Damit gibt es ein zentral geleitetes Organ, das den Valutahandel in der DDR koordiniert. Leiter "Kommerzielle Koordinierung" (KoKo) im Ministerium für Außenhandel ist Alexander Schalck-Golodkowski. Auch die Verwaltung des Intershop-Handels gehört zu seinem Arbeitsgebiet.

Am 16. April 1979 tritt die "forum HG" aus dem Schatten und taucht mit ihrem Namen auf kleinen bunten Papierstreifen auf, die wie Spielgeld anmuten und an Kaufmannsladen erinnern – die sogenannten "Mark-Wertschecks der forum Handesgenossenschaft". In einer "vertraulichen Verschlusssache" hatte Stasi-Chef Erich Mielke angewiesen: "Mit Wirkung vom 16.4.1979 erfolgt in den Intershop-Einrichtungen der Verkauf von Waren an Bürger der DDR nur gegen Mark-Wertschecks der forum Handelsgesellschaft mbH. Der Verkauf von Forumschecks gegen DM erfolgt beleglos." Beleglos - dieses Wort ist eine klare Kapitulation. Der Minister für Staatssicherheit verzichtet freiwillig auf die offizielle Überwachung von Devisenbesitz. Damals kursiert der Witz, dass Handwerker ihre Kunden mit dem Satz: "Forum handelt es sich denn?" begrüßen.

Die Jagd nach Devisen

Für Westgeld ist im Intershop alles zu haben, selbst Tiefkühlkost wird aus Westberlin geliefert. Gegen Ende der DDR bestehen Verträge mit etwa 700 Lieferanten aus dem "Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet", wie damals die kapitalistischen Staaten genannt werden. Im Jahr 1985 wird erstmals der Umsatz von über einer Milliarde erreicht. Neben den direkten Verkäufen im Intershop ist dabei auch der Genex-Geschenkdienst eine lukrative Einnahmequelle. Per Katalog können gegen DM all jene Dinge gekauft werden, die es im DDR-Handel nicht gibt. Das Angebot reicht bis hin zu Eigenheimen, PKW und Wohnmobilien.

Mit dem Fall der Mauer wurde jede Kaufhalle und jedes Warenhaus gewissermaßen zum Intershop. Zusammen mit der DDR wurden 1990 Intershop und Forumschecks Genex abgewickelt.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR um 4 | 11.09.2018 | 16:00 Uhr

(zuerst veröffentlicht am 05.12.2013)

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 12:04 Uhr