Von Abendgruß bis Zweirad Markenzeichen Ost: Sandmann, Ampelmännchen und Wikana

Sandmann, Rotkäppchen-Sekt oder Karat: Ost-Erfindungen haben nicht nur den Mauerfall überstanden, sondern genießen inzwischen sogar weltweit Kultstatus. So gehört beispielsweise Bautzner Senf bundesweit zu den beliebtesten Senfsorten.

Bautzner Senfspezialitäten stehen in der Bautzner Senfladen Manufaktur + Museum, 2016
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Ohne Sandmann geht es nicht ins Bett

Das Sandmännchen ist nun schon 61 Jahre alt. Am 22. November 1959 ging der Ost-Sandmann das erste Mal auf Sendung - acht Tage vor dem westdeutschen Pendant. Doch nur das Ostmännchen lief auch nach der Wiedervereinigung weiter im Fernsehen und flimmert nach wie vor als Abendgruß für die Kleinen über die Bildschirme. Auch wenn sich die Vorgeschichte zunehmend ändert und sich den heutigen Zeiten anpasst, so kommt der Sandmann doch hin und wieder noch so, wie schon zu DDR-Zeiten: Per Kutsche, zu Fuß, im Auto oder Segelflugzeug oder per Ballon in die Kinderschlafzimmer. Allein im MDR-Sendegebiet schauen pro Abend rund 470 000 Zuschauer ab drei Jahre das Sandmännchen.

Ampelmännchen

Nur zwei Jahre jünger als der Sandmann ist das Ampelmännche. 1961 wurde es erfunden und ist heute weltweit bekannt. Erfunden hat es Karl Pegau, da die DDR 1959 mehr als 10.000 Verkehrstote zu beklagen hatte, da das Ampelsignal für Autos wie für Fußgänger galt. Die "Fußgängersignalgeber", wie die Ampelmännchen im Beamtendeutsch heißen, zeigen bis heute als grüner Geher oder roter Steher an, was zu tun ist. Das Ostampelmännchen stand nach der Wende fast vor dem Aus, erlebte aber ein Comeback und ist heute eine weltweite Kultfigur. In Dänemark erscheint es als Jäger, in Belgien als Pärchen, in Frankreich als Strichmännchen.

"Am Fenster" und "Wie ein Stern"

Doch nicht nur Sand- oder Ampelmann, auch andere musikalische Ost-Klassiker stehen nach wie vor ihren Mann oder ihre Frau. Beispielsweise Sänger Frank Schöbel, der bis heute in den heimischen Wohnzimmerwänden - oder auch auf der Bühne - steht. Auch frühere DDR-Bands füllen immer noch locker die Hallen. Rocklegenden wie City und Karat touren weiter durch die Lande. Karat plant für nächstes Jahr seine Jubiläumstour zum 45-jährigen Bandbestehen, City war mit den "schönsten Balladen" aus 40 Jahren Bandgeschichte unterwegs. Klassiker wie "Am Fenster" sind einfach nicht tot zu kriegen.

Ostgeschmack ist bis heute Kult

Und während "Über sieben Brücken" aus den Boxen dröhnt, gibt es Rotkäppchen-Sekt und Hallorenkugeln. Ersteres gehört zu den erfolgreichsten Ostmarken. Der Sektkellerei mit Hauptsitz im sachsen-anhaltischen Freyburg gelang es nach der Wende, sich unabhängig vom Ostbonus als bundesweite Marke zu etablieren. Die einstige DDR-Sektmarke ist längst Marktführer und schluckte bekannte Westmarken wie Mumm und Chantré.

Auch andere Ostmarken wie Halloren oder der Nuss-Nougat-Aufstrich Nudossi haben im Osten nach wie vor ein positives Image. Geschmacklich kommen auch der Rondo-Kaffee, Wikana-Kekse oder Bambina-Schokolade noch gut an. Die treuesten Käufer haben laut der Mitteldeutschen Markenstudie 2019 Bautz'ner Senf aus Sachsen. In Ostdeutschland hat der Mostrich mit 79 Prozent die absolute Marktführerschaft inne und gesamtdeutsch liegt er bei 23 Prozent. Auch Filinchen aus Thüringen und Kamillan aus Sachsen-Anhalt werden wieder gern gekauft.

Rängdädängdedäng: Trabi und Simson knattern heute noch

Bei der Jugend und den Erwachsenen haben Trabi und Simson bis heute Kultstatus, wenn gleich die Produktion im April 1991 eingestellt wurde. Anfang 2019 waren noch rund 36 260 Trabis zugelassen. Und in den heimischen Werkstätten wird fleißig an den Simsons geschraubt. Das Duo "Günther und Hindrich" lassen den Kult um die zweirädrigen Knattermaschinen wieder neu aufleben.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Der Geschmack von früher - Ostprodukte und ihr langer Weg in die Marktwirtschaft | MDR Zeitreise | 26. Juli 2020 | 22:00 Uhr