Afghanistan-Veteranin: Nariman Hammouti über Auslandseinsätze und Frauen in der Bundeswehr

Nariman Hammouti, Leutnant zur See, dient seit 2005 und gehört damit zur ersten Generation Frauen in der Bundeswehr. Die Soldatin muslimischen Glaubens war zweimal im Kriegseinsatz in Afghanistan. Ihre Botschaft lautet, unsere Soldatinnen und Soldaten verdienen mehr Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit.

Nariman Hammouti
Nariman Hammouti - "Leutnant zur See" und seit 2005 bei der Bundeswehr Bildrechte: Nariman Hammouti

Ich bin deutsche Soldatin muslimischen Glaubens, meine Eltern stammen aus Marokko. Für diese 'Merkmale' muss ich pausenlos Erläuterungen liefern, mich sogar rechtfertigen. (…) Ich weiß nicht, wie oft ich schon geantwortet habe, dass es in Deutschland Millionen von Deutschen gibt, deren Migrationswurzeln zwei, drei und mehr Generationen zurückreichen, und dass Weiß und Blond nicht die Nationalfarben sind.

Als Nariman Hammouti 2019 ihr Buch "Ich diene Deutschland. Ein Plädoyer für die Bundeswehr – und warum sie sich ändern muss" mit diesen Sätzen beginnt, ahnt sie noch nicht, wie sehr ihr Beitrag zur Debatte "Wozu braucht Deutschland eine Armee?" bald Wellen schlägt.

Frauen in der Bundeswehr

Zur richtigen Zeit - seit fast 20 Jahren verrichten Frauen in der Bundeswehr Dienst an der Waffe - und am richtigen Ort, nämlich in öffentlichen Debatten und Talkshows stellt die selbstbewusste Soldatin sich dem öffentlichen Diskurs. Damit macht Hammouti klar: "Die Bundeswehr ist ein Abbild der Gesellschaft." ebenso wie: "Wir sind auch weiblich. Wir sind divers und wir sind vielfältig. Und Deutschland sieht eben auch aus wie ich."

Nariman Hammouti
Cover des Buches von Nariman Hammouti, das im Januar 2019 erschienen ist. Bildrechte: Verlag Rowohlt Polaris

Nariman Hammoutis Weg zur Bundeswehr

Über ihren Weg zur Bundeswehr, ihren familiären Background, ihre Kämpfe mit Familie, Freunden, Macho-Vorgesetzten und ihre Zeit in Afghanistan hat sie mit Zeitreise-Moderatorin Janett Eger gesprochen. Aber auch darüber, dass und warum die Distanz der Gesellschaft zur Armee und den Soldatinnen und Soldaten sie mehr als einmal empört.

Selbst aktuelle Einsätze während der Pandemie werden von einigen Parteienvertretern äußerst kritisch gesehen. Dabei sei die Bundeswehr eine Parlamentsarmee - fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehend:

Wir sind also auch in dieser Hinsicht ein Teil des Volkes. Trotzdem tun viele so, als ob wir aussätzig wären und nicht dazugehörten. Aber warum? Mit dieser Haltung schneidet man sich doch selbst von einem Teil seiner staatlichen Existenzbedingungen ab. Wir gehören zum System unserer Demokratie.

Nariman Hammouti wurde 1979 als Kind marokkanischer Eltern bei Hannover geboren. Sie ist seit 2005 bei der Bundeswehr, war zwei Mal im Afghanistan-Einsatz und trägt heute den Dienstgrad "Leutnant zur See". Als Vorsitzende des Vereins Deutscher.Soldat.e.V engagiert sie sich aktiv für eine moderne Integrationspolitik in Deutschland. 2021 wird Nariman Hammouti als UN-Militärbeobachterin für ein halbes Jahr in den Süd-Sudan gehen.

Ehemalige Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR, die mit der deutsch-deutschen Vereinigung zur Bundeswehr gehören, beim ersten Appell des Bundeswehrkommandos Ost am 04.10.1990 in Straußberg.
Ehemalige Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR, die mit der deutsch-deutschen Vereinigung zur Bundeswehr gehören, beim ersten Appell des Bundeswehrkommandos Ost am 04.10.1990 in Straußberg. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Zeitreise | 22. November 2020 | 22:20 Uhr