Zur Arbeit mit den Videos und Materialien Zusätzliche Informationen zu den Videos für Lehrer

Zur allgemeinen Lage der Kirche gegen Ende der DDR bieten sich die Videos 1 und 2 an, als Einstieg ginge auch Video 5. Die in der "Aktuellen Kamera" gesendeten Sequenzen von 1987 beweisen eine gewisse Verflechtung von Staat und Kirche. Das Staatsfernsehen berichtet recht freundlich-neutral über kirchliche Ereignisse – und kann dafür Kirchenvertreter zitieren, die wie Generalsuperintendent Krusche davon sprechen, dass Christen in der DDR sich "auf die Wirklichkeit der sozialistischen Gesellschaft" einlassen (siehe Kirchentag 1987 in Berlin). Ganz anders Pfarrer Führer in Video 5, er beschreibt u.a. die Wirkung bzw. Kraft der Friedensgebete.

In diesem Spannungsfeld der Gratwanderung zwischen Anpassung und Eigenständigkeit bzw. Widerständigkeit bieten die Videos 3 bis 7 weitere Gesprächsanlässe und Denkanstöße. Seelsorger mit politischem Schwung (Video 3) zeigt den Pfarrer (und späteren Bischof) Axel Noack, der in interessanter Weise den politischen Auftrag seiner Kirche definiert und konkrete Aktionen in seiner Gemeinde für 1989 schildert. Wer ist Christian Führer (Video 4) und Friedensgebete: Die Macht der Ohnmächtigen (Video 5) illustrieren besonders die Ereignisse um die Leipziger Nikolaikirche im Oktober 1989, aber auch die grundsätzliche Einstellung von Pfarrer Führer zu gesellschaftlicher Verantwortung im Christentum.

Offene Fragen hinterlassen in gewisser Weise die Videos 6 und 7, welche die Gratwanderung der "Kirche im Sozialismus" andeuten. Pfarrer Schilling erinnert sich (fast nostalgisch) an die Ende der 70er abgehaltenen "Bluesmessen", die im Gefolge der Offenen Jugendarbeit entstanden. Er reflektiert auch seine "widerständige" Haltung, welche die DDR andererseits gar nicht grundsätzlich abgelehnt habe. Das Thema Selbstzensur ("um des lieben Friedens willen") spricht ein evangelischer Zeitzeuge (Ladwig, Vorauseilende Selbstzensur) zum Umfeld des Kirchentages 1987 an. Die bei ihm anklingende "Güterabwägung" führte natürlich in letzter Konsequenz auch zu Kirchenfunktionären, die allzu enge Kontakte zum Regime pflegten, Konflikte im vorhinein entschärften – oder sogar als IMs der Stasi dienten.

Die Arbeitsaufträge sind für eine selbstständige (Gruppen)-Arbeit ausgelegt, viele Aufgaben lassen sich aber auch über ein materialbezogenes Unterrichtsgespräch oder per Hausaufgabe erschließen.