Autos aus Eisenach und Zwickau Der Aufbruch in den 1950er-Jahren

Die DDR litt stärker als die Bundesrepublik unter der Demontage von Industrieanlagen. Erschwerend galt seit Anfang der 1950er-Jahre ein Embargo wichtiger Rohstoffe und Industriegüter durch den Westen. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die Automobilindustrie.

Die Rote Armee begann gleich nach der Einnahme ihrer Besatzungszone mit der Demontage von Industriebetrieben. Das betraf natürlich auch die traditionellen Autostandorte wie Zwickau oder Eisenach. Aber die BMW-Autobauer aus Thüringen konnten ihren Betrieb vor weiteren Demontagen durch einen Trick retten. Burkhard Ciesla hat sich als Historiker mit der Nachkriegsgeschichte der Automobilindustrie in der DDR befasst: "Sie nahmen 1945 ihr Modell BMW 321, fuhren zur Sowjetischen Militäradministration nach Karlshorst und schenkten das Oberbefehlshaber Schukow. Der sagte: 'Gut, das gefällt mir. In einer Woche will ich noch fünf weitere haben.' Und dann haben die aus dem, was sie noch an Material hatten, binnen einer Woche noch fünf Fahrzeuge hergestellt."

Darauf stoppte die Besatzungsmacht die Demontage und ließ den Betrieb als Sowjetische Aktiengesellschaft für sich arbeiten. 1952 wurde die Aktiengesellschaft auf die DDR übertragen und in Volkseigentum überführt. Da die Fahrzeuge immer noch als BMW gebaut und exportiert wurden, kam es wegen des Namens zu einem Rechtsstreit mit der Bundesrepublik. Um den weiteren Export nach Westeuropa zu sichern, verzichteten die Eisenacher auf den alten Namen. Aus dem Volkseigenen Betrieb wurden die EMW, also Eisenacher Motorenwerke.

Durch Schmuggel die Produktion sichern

Viele Zulieferfirmen der ostdeutschen Automobilstandorte hatten seit Vorkriegszeiten ihre Standorte im Westen und durften wegen des Wirtschaftsembargos der Bundesrepublik gegen die DDR nicht mehr liefern. So fehlten für die Produktion selbst so wichtige Motorenteile wie Kolben oder Ventile. Auch das Eisenacher Motorenwerk war davon betroffen. Die Belegschaft reagierte Anfang der 1950er-Jahre mit unkonventionellen Ideen und sicherte damit sogar zeitweilig die Produktion. Automobilwerker Gerhard Gebhardt organisierte beispielsweise den Schmuggel fehlender Autoteile aus dem Westen, was bei der offenen Grenze damals noch machbar war. Das brachte ihm sogar eine offizielle Ehrung als "Aktivist des Ersten Fünfjahrplanes" ein. Die Begründung lautete: "Durch unermüdlichen Tag- und Nachteinsatz ist es in erster Linie ihm zu verdanken, dass die Produktion fortgesetzt werden konnte."

Da hab ich gestaunt, dass man auch durch Schmuggel Aktivist werden konnte.

Gerhard Gebhardt