Autos aus Eisenach und Zwickau Der Aufbruch in den 1950er-Jahren

Die DDR litt stärker als die Bundesrepublik unter der Demontage von Industrieanlagen. Erschwerend galt seit Anfang der 1950er-Jahre ein Embargo wichtiger Rohstoffe und Industriegüter durch den Westen. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die Automobilindustrie.

Trabant P 50 Limousine zweifarbig
Der Trabant P 50 wurde von 1958 bis 1959 vom VEB Sachsenring Zwickau gefertigt. Den Zweitakter gab es als Limousine und Kombi. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Die Rote Armee begann gleich nach der Einnahme ihrer Besatzungszone mit der Demontage von Industriebetrieben. Das betraf natürlich auch die traditionellen Autostandorte wie Zwickau oder Eisenach. Aber die BMW-Autobauer aus Thüringen konnten ihren Betrieb vor weiteren Demontagen durch einen Trick retten. Burkhard Ciesla hat sich als Historiker mit der Nachkriegsgeschichte der Automobilindustrie in der DDR befasst: "Sie nahmen 1945 ihr Modell BMW 321, fuhren zur Sowjetischen Militäradministration nach Karlshorst und schenkten das Oberbefehlshaber Schukow. Der sagte: 'Gut, das gefällt mir. In einer Woche will ich noch fünf weitere haben.' Und dann haben die aus dem, was sie noch an Material hatten, binnen einer Woche noch fünf Fahrzeuge hergestellt."

Darauf stoppte die Besatzungsmacht die Demontage und ließ den Betrieb als Sowjetische Aktiengesellschaft für sich arbeiten. 1952 wurde die Aktiengesellschaft auf die DDR übertragen und in Volkseigentum überführt. Da die Fahrzeuge immer noch als BMW gebaut und exportiert wurden, kam es wegen des Namens zu einem Rechtsstreit mit der Bundesrepublik. Um den weiteren Export nach Westeuropa zu sichern, verzichteten die Eisenacher auf den alten Namen. Aus dem Volkseigenen Betrieb wurden die EMW, also Eisenacher Motorenwerke.

Die DDR und ihre Autos

Trabi und Wartburg prägten das Bild der Straßen in der DDR. Doch auch wenn die Auswahl gering war, wer ein Auto besaß, genoss individuellen Freiraum.

W 311-2 Kabrio
Der Wartburg 311/2 Kabrio wurde von 1956 bis 1960 gefertigt. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und kostete 16.370 Mark. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
W 311-2 Kabrio
Der Wartburg 311/2 Kabrio wurde von 1956 bis 1960 gefertigt. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und kostete 16.370 Mark. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
Wartburg W 313-1 auf der Leipziger Frühjahrs Messe 1957
Wartburg 313/1 1957 auf der Leipziger Messe. Von diesem schnittigen Sportwagen wurden bis 1960 nur insgesamt 469 Exemplare gefertigt. Er erreichte mit seinem Zweitaktmotor bei einer Leistung von 50 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h. Bildrechte: Wartburg-Museum Eisenach
AWE W 1.3 XXX. Wartburg Rallye 1988
Wartburg Rallye 1988. Sie wurde seit 1955 veranstaltet und entwickelte sich mit den Jahren zur erfolgreichsten Rallye in der DDR. Anfänglich als Zwei-Schleifen-Fahrt über 850 Kilometer, später dann auf einer Strecke von bis zu 1.700 Kilometer. An der ersten Rallye nahm auch Rennfahrerlegende Heinz Melkus teil. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
W 353 Limousine und Tourist am Strand
Die Wartburg 353 Limousine und der Wartburg Tourist wurden ab 1966 produziert. Samt Nachfolgemodell 353 W rollte er bis 1988 mit einem Zweitaktmotor vom Band. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
Ein Neubrandenburger Trabant mit ungewöhnlicher Front-Ansicht findet am 29.06.1996 Interessenten auf dem Volksfest "Trabi total" in Rostock.
Nach der Wende begannen viele Trabi-Liebhaber, ihre "Rennpappe" aufzupeppen. Hier findet ein Neubrandenburger Trabant mit ungewöhnlicher Front-Ansicht am 29. Juni 1996 Interessenten auf dem Volksfest "Trabi total" in Rostock. Bildrechte: dpa
Volkspolizistin auf einer Kreuzung.
Der Barkas B 1.000 wurde ab 1961 vom VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt hergestellt. Es gab ihn u. a. als Kasten-, Krankentransport-, Pritschenwagen oder als Kleinbus. Er wurde bis 1988 mit einem Wartburg-Zweitakter gefahren und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 100 km/h. Bildrechte: dpa
Trabant P 50 Limousine zweifarbig
Der Trabant P 50 wurde von 1958 bis 1959 vom VEB Sachsenring Zwickau gefertigt. Den Zweitakter gab es als Limousine und Kombi. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Trabant P 601 Limousine blau
Der Trabant P 601 ging 1964 in Serienproduktion und wurde mit kleineren Verbesserungen bis 1990 in Zwickau gefertigt. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Blick auf verschiedene DDR-Autos
Den Zweitakter gab es als Limousine, als Kombi und ab 1967 als Kübelwagen. Bildrechte: DDR-Museum, Berlin
Trabis parken vor Häusern
Viele DDR-Bürger beschafften sich ihr Auto auf dem privaten Gebrauchtwagenmarkt. Bildrechte: DDR-Museum, Berlin
DDR auf vier Rädern: Der millionste Trabant
Im November 1973 rollte der millionste Trabi vom Band. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Der letzte Trabant in Pink.
Am 30. April 1991 rollte der letzte von insgesamt drei Millionen PKW der Marke "Trabant" vom Band. Es war dieses pinkfarbene Exemplar. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Ein Wartburg 1.3 im Museum.
Dieser Wartburg 1.3 dokumentiert den Abschluss eines Kapitels im Eisenacher Automobilbau. Der mit einer VW-Viertaktmaschine ausgestattete Wagen war am 10. April 1991 als letzter seiner Art vom Band gelaufen und hat nun einen Platz im Museum gefunden. (Über dieses Thema berichtete MDR SPUTNIK im Radio, 07.11.2017, 8.47 Uhr) Bildrechte: dpa
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Durch Schmuggel die Produktion sichern

Viele Zulieferfirmen der ostdeutschen Automobilstandorte hatten seit Vorkriegszeiten ihre Standorte im Westen und durften wegen des Wirtschaftsembargos der Bundesrepublik gegen die DDR nicht mehr liefern. So fehlten für die Produktion selbst so wichtige Motorenteile wie Kolben oder Ventile. Auch das Eisenacher Motorenwerk war davon betroffen. Die Belegschaft reagierte Anfang der 1950er-Jahre mit unkonventionellen Ideen und sicherte damit sogar zeitweilig die Produktion. Automobilwerker Gerhard Gebhardt organisierte beispielsweise den Schmuggel fehlender Autoteile aus dem Westen, was bei der offenen Grenze damals noch machbar war. Das brachte ihm sogar eine offizielle Ehrung als "Aktivist des Ersten Fünfjahrplanes" ein. Die Begründung lautete: "Durch unermüdlichen Tag- und Nachteinsatz ist es in erster Linie ihm zu verdanken, dass die Produktion fortgesetzt werden konnte."

Da hab ich gestaunt, dass man auch durch Schmuggel Aktivist werden konnte.

Gerhard Gebhardt

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Zeitreise: Mobil im Sozialismus | 24. Mai 2020 | 22:20 Uhr