Leben in der Platte Unsere Hausgemeinschaft

Wenn von Plattenbausiedlungen die Rede ist, denkt man an Halle-Neustadt oder Leipzig-Grünau oder Berlin-Marzahn. Doch Plattenbausiedlungen gab es in jeder Stadt der DDR. In Gera beispielsweise machen sie immer noch gut die Hälfte des gesamten Wohnungsbestandes der Stadt aus.

"Wir waren begeistert, als wir zum ersten Mal auf dem Balkon standen und das Panorama betrachteten", sagt der 82-jährige Alex Schulz. Seit 26 Jahren lebt er gemeinsam mit seiner Frau in einem Plattenbau in Gera-Lusan. Man sieht vier, sechs und elf Etagen hohe Häuser, dazwischen künden Grünflächen vom Abriss einiger "Platten". Im Hintergrund ziehen sanft geschwungene Berge dahin.

Früher, zu DDR-Zeiten, lebten in Gera-Lusan 45.000 Menschen, heute sind es noch knapp 26.000. Die Alten, die damals froh waren, eine Wohnung mit Heizung und fließend warmem Wasser ergattert zu haben, möchten nicht fort. Ihnen gefällt es hier. Aber die Jungen, die es sich irgendwie leisten können, ziehen weg. Ansonsten bleiben noch die, die bleiben müssen – Arbeitslose, Hartz4-Empfänger, Geringverdiener, Alleinerziehende.

Hausordnung ist wichtig

Alex Schulz' Begeisterung für sein "Arbeiterschließfach" ist hingegen ungebrochen. Er ist der gute Geist seines Plattenbauriegels in der Otto-Rothe-Straße, er kümmert sich um alles. Gewissenhaft führt er seit seinem Einzug Protokoll über das Leben in der "Platte", wie es sich gestaltet, wie es sich seit dem Ende der DDR verändert hat. Er berichtet von Hausgemeinschaftsfesten und Sitzungen der Hausgemeinschaftsleitung. Wichtig ist für ihn: Jeder Mieter muss sich einbringen und vor allem der Hausordnung mit Ernsthaftigkeit nachkommen. Das galt damals und gilt auch noch heute.

(Der Text basiert auf Informationen zum Film von Thomas Grimm: "Unsere Hausgemeinschaft - Leben in der Platte", Erstausstrahlung am 10. Juli 2007)

"Die kleine und die große Hausordnung" Der wahrscheinlich wichtigste und bewegendste Teil der Hausordnung war die Reinigung des Treppenhauses - auch bekannt als "Putz- oder Treppenwoche" oder "die Treppe machen". Die meisten Mieter waren alle zwei Wochen mit der "kleinen Hausordnung dran". Das hieß: Kehren, Wischen, Bohnern und Glänzen und nahm meist wertvolle Zeit am Wochenende in Anspruch.

Alle zwei bis drei Monate stand dann die große Hausordnung an und natürlich auch am Wochenende. Mieter mussten dann sogar die Containerplätze säubern oder Unkraut auf dem Vorgartenbeet zupfen. Zur Standardausführung gehörten aber, den Hof sowie Boden- und Kellerräume zu reinigen.

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2010, 08:57 Uhr