Campen in Melnik Südlicher ging's nicht

Melnik liegt im südlichsten Zipfel Bulgariens. In den 1980er-Jahren errichteten hier jeden Sommer Hunderte DDR-Tramper ein illegales Camp.

Melnik in Bulgarien
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Melnik war ein geradezu legendärer Ort für die jungen Leute in der DDR, die sich einen Teufel um "Jugendtourist" oder FDGB-Ferienplätze scherten und stets auf eigene Faust unterwegs waren – auf Tramptour quer durch Osteuropa. Irgendwann aber fanden sie sich alle einmal in Melnik ein.

Die Weinstadt im Piringebirge

Melnik liegt in den Hängen des Piringebirges, im südlichsten Zipfel Bulgariens. Es ist die kleinste Stadt Bulgariens. Kaum 300 Einwohner leben hier in weiß getünchten Häusern mit hellroten Dächern aus der Zeit der bulgarischen "Wiedergeburt" 1878, als Bulgarien nach 500 Jahren osmanischer Fremdherrschaft seine Unabhängigkeit errang. Umrahmt wird die Stadt von strahlend weißen Sandsteinpyramiden und es herrscht ein wunderbar mildes Mittelmeerklima. Berühmt ist Melnik aber vor allem wegen seines schweren dunkelroten Weins, der einen außergewöhnlich hohen Alkoholgehalt hat. Winston Churchill, so geht die Legende, soll für die Hochzeit seiner Tochter gleich mehrere Fässer aus Melnik geordert haben.

Eine Terasse mit Sonnenschirmen an einem Haus 6 min
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Melnik ist mit knapp 300 Einwohnern die kleinste Stadt Bulgariens. Bekannt ist das Touristenzentrum im Südwesten des Landes vor allem für seinen schweren Rotwein.

Mo 27.07.2015 15:49Uhr 05:45 min

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Illegaler Campingplatz am Melnischka-Reka

Die kleine weiße Stadt wird durchzogen von einem Gebirgsbach, dem Melnischka-Reka, dem Melnik-Fluss. An seinen Ufern, zwei-, dreihundert Meter hinter der Stadt, entstand in jedem Sommer ein großer illegaler Campingplatz. Hunderte junger Leute aus der DDR stellten hier von Juli bis August ihre kleinen "Bergzelte" auf und blieben für einige Tage oder mehrere Wochen. Man lag träge im Bach, saß in den kühlen Kellern der Tavernen, kochte über offenem Feuer und irgendwo klampfte immer einer die Songs von Dylan oder den Stones.

Ein gottesfürchtiges Städtchen

Melniks Stadtverwaltung schien das Treiben zu akzeptieren: Ab und an durchstreiften zwei Abgesandte der Stadt das Camp und machten lediglich ein paar Bemerkungen zum Brandschutz. Dann setzten sie sich vor irgendein Zelt und ließen sich ein Bier spendieren. Nur ein handbemaltes Holzschild wurde später am Stadteingang aufgestellt – es untersagte das Betreten der Stadt mit freiem Oberkörper. Frauen hatten zudem Hosen oder wenigstens lange Röcke zu tragen. Melnik war ein sittsamer und gottesfürchtiger Ort – bei den Gottesdiensten in der alten griechisch-orthodoxen Kirche blieben keine Plätze frei.

15 Kilometer vor Griechenland

Sechs Kilometer von Melnik entfernt befindet sich ein altes Kloster – das "Rosenkloster", in dem damals noch ein gebeugter zotteliger Mönch seinen Dienst versah. Der Weg zum "Rosenkloster" führt über die Berge des Pirin, durch eine sonnenverbrannte Landschaft mit Zikadengezirp und Schildkröten am Wegesrand. Alle hundert Meter waren Blechschilder aufgestellt, auf denen in großen Buchstaben in Deutsch geschrieben stand: "Achtung Grenzgebiet!" An manchen Stellen ist Griechenland kaum fünfzehn Kilometer entfernt - südlicher ging’s damals nicht.