Wenig Gerechtigkeit nach 1989

Alexandru Munteanu war zur Revolution etwa so alt wie sein Sohn heute. Er hat sich wie die meisten Rumänen unter dem Sturz des Regimes etwas anderes vorgestellt und nicht, dass der Aufstand lediglich die Ceausescu-Diener an die Macht spülen würde. Ein Großteil der politischen Wendehälse leitet noch heute die Geschicke des Landes und lebt in Wohlstand, zu dem sie durch äußerst dubiose Geschäfte gelangt sind. "Es gibt in Rumänien das geflügelte Wort, dass die Kinder unserer Chefs, die Chefs unserer Kinder sein werden. Früher hat die Partei über die Posten entschieden, heute braucht man die richtigen Beziehungen, um Karriere zu machen. Ich hatte gehofft, es würde nach 1989 gerechter zugehen", sagt Munteanu verbittert. Nach der Wende wechselte der Ingenieur zu einem der größten Betriebe - der rumänischen Staatsbahn. Die ist inzwischen marode - die wechselnden Regierungen haben nötige Reformen jahrelang aufgeschoben. Munteanu hatte Glück, dass er bei der jüngsten Massenentlassung nicht seinen Job kurz vor der Rente verlor. Statt Freude verspürt er Frust über die Politik der vergangenen 25 Jahren. "Hoffnungen habe ich keine mehr, sondern nur noch Misstrauen in diesen Staat", sagt der Familienvater.