Die Stasi-Unterlagenbehörde

Stasi-Akten - Offenlegen oder verbrennen?

Über den Umgang mit den Stasiakten gab es verschiedene Ansichten. Die einen forderten die Offenlegung, die anderen die Schließung der Akten.

Joachim Gauck 1992
"Wie wir das Problem der Stasi-Akten auch drehen und wenden – wir werden besser damit fertig, wenn wir Einblick nehmen können in dieses unheimliche Erbe der untergegangenen DDR", sagte Joachim Gauck, von 1990 bis 2000 "Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR", 1991. Bildrechte: dpa
Joachim Gauck 1992
"Wie wir das Problem der Stasi-Akten auch drehen und wenden – wir werden besser damit fertig, wenn wir Einblick nehmen können in dieses unheimliche Erbe der untergegangenen DDR", sagte Joachim Gauck, von 1990 bis 2000 "Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR", 1991. Bildrechte: dpa
Innenminister Wolfgang Schäuble (Deutschland/CDU); 1991
Kurz nach dem Mauerfall wollte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sämtliche Stasi-Akten vernichten lassen. "Ich habe dazu geraten, damit die Streitigkeiten der Vergangenheit nicht zu sehr den Wiederaufbau der neuen Länder und damit die Zukunft belasten. Wir haben dann aber den Wunsch der frei gewählten Volkskammer nach Aufarbeitung respektiert und eine entsprechende Regelung in den Einigungsvertrag aufgenommen ... Wir konnten uns das als größeres, vereintes Deutschland leisten. Hätte die DDR wie Polen oder Tschechien allein den Weg in die Freiheit bewältigen müssen, wäre sie an dieser Form der Vergangenheitsbewältigung womöglich gescheitert." (Quelle: Super Illu, 2009) Bildrechte: IMAGO
DDR-Innenministers Peter-Michael Diestel, 1990.
Der letzte DDR-Innenminister, Peter-Michael Diestel, sprach sich 1990 vehement dafür aus, alle Stasi-Akten zu vernichten, um den Wiederaufbau nicht zu belasten. Er warnte stets auch vor einer "Überbewertung" der Akten und verwies darauf, dass die Staatssicherheit noch genügend Zeit gehabt hätte, um die Akten "zu sortieren" und den nachrichtendienstlich bedeutendsten Teil zu vernichten. Wiederholt forderte Diestel in den folgenden Jahren die Auflösung der "Gauck-" beziehungsweise "Birthler-Behörde". "Die Fäkalien der Staatssicherheit, nämlich die Rudimente ihrer schriftlichen und sonstigen Hinterlassenschaften, gehören auf den Misthaufen", sagte er etwa 2009. Bildrechte: dpa
Eckart Werthebach
Am 2. August 1990 erläuterte Eckhart Werthebach aus dem Bonner Innenministerium in einer von DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel ins Leben gerufenen Regierungskommission zu Fragen der Staatssicherheit den Standpunkt der Bundesregierung hinsichtlich der Akten von Bundesbürgern. Werthebach betonte, "dass die Unterlagen des MfS rechts- und menschenrechtswidrig erarbeitet worden sind, folglich keine Rechtsgültigkeit besitzen und daher zu vernichten seien, um betroffene Bundesbürger von dieser Last zu befreien." Bildrechte: IMAGO
Friedrich Schorlemmer spricht auf der Demonstration am 4.11.1989 in Berlin
Der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer schlug 1990 vor, mit den Akten der Staatssicherheit ein "Freudenfeuer" zu veranstalten. Es sollte ein "reinigendes Feuer" sein, in dem gleichsam die Zeugnisse der Verbrechen der Stasi und das Leid ihrer Opfer dem Vergessen überantwortet werden. Bildrechte: DRA/DDR Fernsehen
Egon Bahr 1989
Der SPD-Politiker Egon Bahr forderte 1990, die Akten des MfS geschlossen zu lassen und einen juristischen Schlussstrich unter die DDR-Vergangenheit zu ziehen. "Ich habe mit dem damaligen Bundespräsidenten, Herrn von Weizsäcker, gesprochen, er war dafür; dann habe ich mit Herrn Genscher gesprochen, der war dafür; dann habe ich mit Herrn Scharping gesprochen, der war dafür; dann habe ich mit Herrn Schäuble gesprochen, der war dafür. Parteiübergreifend waren alle dafür. Und parteiübergreifend waren alle zu feige. Warum? Weil sie vor der Bürgerbewegung oder ihren Resten in die Knie gegangen sind, die im Grunde Vergeltung wollte, eingehüllt in die Toga der Gerechtigkeit." (Aus: Neues Deutschland, 01. 07. 1997) Bildrechte: IMAGO
Alle (6) Bilder anzeigen
Egon Bahr 1989
Der SPD-Politiker Egon Bahr forderte 1990, die Akten des MfS geschlossen zu lassen und einen juristischen Schlussstrich unter die DDR-Vergangenheit zu ziehen. "Ich habe mit dem damaligen Bundespräsidenten, Herrn von Weizsäcker, gesprochen, er war dafür; dann habe ich mit Herrn Genscher gesprochen, der war dafür; dann habe ich mit Herrn Scharping gesprochen, der war dafür; dann habe ich mit Herrn Schäuble gesprochen, der war dafür. Parteiübergreifend waren alle dafür. Und parteiübergreifend waren alle zu feige. Warum? Weil sie vor der Bürgerbewegung oder ihren Resten in die Knie gegangen sind, die im Grunde Vergeltung wollte, eingehüllt in die Toga der Gerechtigkeit." (Aus: Neues Deutschland, 01. 07. 1997) Bildrechte: IMAGO
Die Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin 9 min
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Bärbel Bohley 2 min
Bärbel Bohley Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Bürgerrechtler und ihre Akten

Als die Stasi-Akten geöffnet wurden, offenbarte sich für viele Unglaubliches: Hier spitzelten Familienmitglieder, da überwachten 40 IMs eine einzige Person jahrelang rund um die Uhr. Blättern Sie sich durch Reaktionen.

Vera Wollenberg, 1990
Vera Wollenberg Dass ihr eigener Mann sie unter dem Decknamen "Donald" jahrelang bespitzelt hatte, wusste die Bürgerrechtlerin Vera Wollenberger schon, als sie am 2. Januar 1992 ihre Stasi-Akten einsehen durfte. Ihr Mann hatte es ihr bereits gestanden. Hinweise auf dessen Spitzel-Tätigkeit gab es in den Akten nur wenige, aber "ich habe was gefunden", sagte Wollenberger. "Und das bedeutet vor allen Dingen, dass kein IM sich sicher sein darf, dass es keine Hinweise auf ihn geben wird." Bildrechte: dpa
Wolf Biermann
Wolf Biermann Am 15. Januar 1992 fuhr der Liedermacher Wolf Biermann nach Berlin, um seine Stasi-Akten einzusehen. "Unter den Aktendeckeln fanden sich alle wieder: die halben Helden und die ganzen Schweinehunde, die fast Guten, die fast Schlechten, die stillstarken Charaktere und die großmäuligen Schwächlinge, kleine Zuträger und Großkopferte aus dem Politbüro der SED", schrieb er kurze Zeit später im "SPIEGEL" (5/1992). "Es wimmelte von Freunden und Feinden, Tätern und Opfern. Alte Lieben, verblasste Kumpel …" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Vera Wollenberg, 1990
Vera Wollenberg Dass ihr eigener Mann sie unter dem Decknamen "Donald" jahrelang bespitzelt hatte, wusste die Bürgerrechtlerin Vera Wollenberger schon, als sie am 2. Januar 1992 ihre Stasi-Akten einsehen durfte. Ihr Mann hatte es ihr bereits gestanden. Hinweise auf dessen Spitzel-Tätigkeit gab es in den Akten nur wenige, aber "ich habe was gefunden", sagte Wollenberger. "Und das bedeutet vor allen Dingen, dass kein IM sich sicher sein darf, dass es keine Hinweise auf ihn geben wird." Bildrechte: dpa
Alle (2) Bilder anzeigen