Alltag "Der Wodka ist ihr Nationalgetränk"

"Die Wismut ist ein Staat im Staate, und der Wodka ist ihr Nationalgetränk", heißt es in Werner Bräunigs großem Wismut-Roman "Rummelplatz", der in der DDR nicht erscheinen durfte. Und über die Bergmänner schreibt Bräunig, der in den "wilden Jahren" selbst bei der Wismut gearbeitet hatte: "Da saßen sie an den Tischen, schütteten Bier und Wodka in sich hinein, lebten von Bockwurst und Gerüchten, von Skat und immer den gleichen Witzen, im Dreieck zwischen Biertisch, Barackenmatratze und Bohrhammer, tagaus-tagein."

Ein Mann schaut in die Kamera. 3 min
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Es ging rau zu in den Anfangsjahren der Wismut. Manche sagen sogar, es war "Wildwest". Prügeleien untereinander und Schlachten mit der Polizei waren an der Tagesordnung.

MDR FERNSEHEN Mi 07.12.2011 23:30Uhr 02:41 min

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Alkohol und Massenschlägereien

Beinahe täglich kam es im Wismut-Reich, in Kneipen, auf Rummelplätzen und in den Unterkünften, zu großen Schlägereien unter den Bergleuten. Sobald aber die "Rollkommandos" der Polizei anrückten, gingen alle gemeinsam gegen die Staatsmacht vor. Die Polizisten waren den Wismut-Kumpeln, die sich als "Herren im Revier" fühlten, als "Russenknechte" verhasst.

Eine große und mittlerweile legendäre Schlägerei gab es im März 1951 in Saalfeld, als nach einer Massenschlägerei vor einer Kneipe im Zentrum der Stadt ein Bergmann von der Polizei verhaftet wurde.

Helmut Jobst, Brigitte Reimann und Siegfried Pietschmann beraten die schreibenden Arbeiter aus Aue, dem Kombinat "Schwarze Pumpe" und Rönneberg 5 min
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Daraufhin belagerten an die 3.000 Wismut-Kumpel das Gefängnis von Saalfeld und forderten die Freilassung ihres Kollegen. Die übergeordnete Polizeidirektion ordnete eiligst die sofortige Freilassung aller einsitzenden Bergleute an, doch die Kumpel ließen sich nicht besänftigen. Sie stürmten das Gefängnis und die Polizisten flohen in Todesangst über die Dächer.

Kultur als Alternative zum Alkohol

Ende der 40er-Jahre wurde schließlich versucht, "Kultur" in der "Wismut" anzusiedeln. Einmal als "Waffe im Klassenkampf", aber vor allem auch als Alternative zum Alkohol. In Gasthäusern wurden sogenannte "Wismut-Klubhäuser" eingerichtet, in denen Volkskunstensembles auftraten und Filme vorgeführt wurden. Später entstanden regelrechte "Kulturpaläste" mit Bühnen, Kinosälen und Bibliotheken und die Wismut-Kumpel wurden aufgefordert, sich in den zahlreichen "Zirkeln des künstlerischen Volksschaffens zu verwirklichen".

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2011, 13:52 Uhr

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2 Kommentare

30.12.2015 19:17 R. Eichhorn 2

Stell Dir vor, Du musst Deine Heimat nahe Danzig verlassen und hast nach der Gefangenschaft Frau und Kinder. Da ruft WISMUT. Mach Dich ran! Du trinkst Grubenwasser, weil es bis zur Pause noch Stunden sind und wirst am Stollenausgang "gemessen". Knater, knater, knater ... Es kommt wie es kommen musste. Fünf Deiner Lieblinge und Deine Frau sind ab 1967 allein. Das ist ist nicht Ost West, nicht Nord Süd. Er nahm sich seiner Veratnwortung an. Nicht wissend, was der unsichtbare Strahlungstod vermag.

Und jetzt: Väter nehmen Ihre Familie und gehen auf einen Weg in ein "besseres" Land. Was strahlt Ihnen heute entgegen? Nicht alles war in der DDR schecht. Nicht alles in der alten BRD gut. Aber heute sollte Deutschland einfach die Arme öffnern und -- wir schaffen das!

05.12.2011 20:46 U.Rödiger 1

"Die Wismut ist ein Staat im Staate, und der Wodka ist ihr Nationalgetränk"

Mein Opa -Jahrgang 1905-war auch bei der Wismut. Bei Schlägereien und Sauferei war er mit Sicherheit nicht dabei. Er hatte Verantwortung für Frau und 3 Kinder. Es ist eine Unverschämtheit immer für die Allgemeinheit zu sprechen!!! Es war mit Sicherheit kein leichter Job und er hatte später gesundheitliche Probleme (Krebs,Knochenerweichung).Dennoch war er stets ein liebevoller Vater und für uns Großvater bevor er mit 89Jahren starb.
Es geht doch bei den ganzen "Vergangenheits"-Reportagen nur darum das Leben in der DDR mies zu machen. Im Westen war doch zu damaligen/heutigen Zeiten auch nicht alles ok. Wie viele Jahre sind seitdem vergangen? Ach so,es geht ja ums "Nicht vergessen"! . ABER: im Privatleben immer nur in der Gegenwart/Zukunft leben!! Totaler Widerspruch! Was ist das nur für eine Gesellschaft! Jetzt würde ich auswandern wollen-es gibt nur keine Alternative!