Gefahr unter Tage Arbeit im Bergwerk

Dreck, Lärm, Staub, radioaktive Strahlung - die Arbeit bei der "Wismut" war ein Knochenjob. Gearbeitet wurde im Drei-Schicht-System von Montag bis Samstag. Die Arbeitszeit betrug generell acht Stunden. Von Anfang an gab es bei der "Wismut“ ein ausschließlich leistungsbezogenes Gehalt. Hinzu kamen vielfältige Zusatzvergütungen, etwa Zuschläge für Planerfüllung oder Planübererfüllung, für die Trennung von der Familie und anderes.

Am meisten konnten Erzhauer verdienen - sie kamen monatlich auf 3.000 bis 4.000 Mark. Die Regel war einfach: Je lauter der Geigerzähler anschlug, desto reiner das Uranerz, desto mehr Geld in der Lohntüte. Aber natürlich war diese Arbeit auch am gefährlichsten.

Nur Dunkelziffern über Arbeitsunfälle

Über die Gefahren des Uranbergbaus drang bis 1989 kaum etwas an die Öffentlichkeit. Erst 1989 wurden Zahlen veröffentlicht: Danach hatte es bei der "Wismut" von 1954 bis 1989 42.000 Unfälle gegeben, bei denen 772 Bergleute ums Leben gekommen waren. Für die wilden Jahre der "Wismut", also die Zeit von 1947 bis 1954, gibt es keine Angaben. Schätzungen zufolge muss aber insgesamt von etwa 1.000 tödlich verletzten Bergleuten von 1946 bis 1989 ausgegangen werden. 

Keine Belehrungen über die Gefahren des Uranerzes

Bis 1955 gab es keinerlei Belehrungen über die Gefahren des Uranerzabbaus, es gab auch keine Strahlen-Messungen. Die Arbeit sei unbedenklich, konstatierte ein hoher SED-Funktionär 1947, denn schließlich sei bislang kein einziger Krankheitsfall aufgetreten. Vereinzelt wurden die "Wismut"- Kumpel von einheimischen Bergleuten und Medizinern vor den Gefahren des Uranerzes gewarnt. Die meisten ließen sich aber nicht schrecken. Sie wollten schnell viel Geld verdienen und wieder fortgehen.

Bis 1989 erkrankten 15.000 "Wismut"- Kumpel an Silikose, 5.300 an Lungenkrebs. "Die an Lungenkrebs oder Silikose erkrankten Bergleute", so der Historiker und Buchautor Rainer Karsch, "gehörten zu mehr als 90 Prozent der ersten Wismut-Generation an."

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2011, 14:11 Uhr

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