Historische Jahrestage, Jubiläen, Ereignisse #blickzurück: 11. Juni

Massenansturm auf DDR-Bankschalter

1990 konnten DDR-Bürgerinnen und Bürger erstmals Umtauschkonten für die bevorstehende Währungsunion am 1. Juli 1990 angelegen. Obwohl sie vier Wochen dafür Zeit hatten, bildeten sich schon am ersten Tag lange Schlangen vor den Banken. An einer Sparkasse in Berlin standen die Wartenden sogar über 200 Meter weit. Da die ostdeutschen Sparkassen über rund 80 Prozent aller privaten Ersparnisse in der DDR verfügten, bearbeiteten sie auch den Großteil der Umstellungsanträge: rund 14,3 von insgesamt 16 Millionen, etwa 90 Prozent. Um den gewaltigen Organisationsaufwand bewerkstelligen zu können, mussten die Angestellten wochenlang Überstunden machen und am Wochenende arbeiten. Außerdem erhielten sie Unterstützung von Partnerkassen aus dem Westen.

Ein Mann sitzt auf einem Klappstuhl in einer Schlange vor einer Sparkasse 1990. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Abschaffung des "Homosexuellen-Paragraphen" 175 

1994 wurde der Paragraph 175 des Strafgesetzbuches nach über hundert Jahren aufgehoben. 1871 im Kaiserreich eingeführt, stellte er sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. 1935 beschlossen die Nationalsozialisten die totale Kriminalisierung männlicher Homosexualität. Selbst Blicke oder "wollüstige Absichten" konnten unter ihrem Regime als gesetzeswidrig eingestuft werden. Die Bundesrepublik übernahm die verschärfte Fassung des Paragraphen 175. Erst 1969 wurde das Totalverbot aufgehoben. Homosexualität unter erwachsenen Männern über 21 war nun keine Straftat mehr. 1973 wurde die Schutzaltersgrenze auf 18 Jahre gesenkt. Damit war eine Freiheitsstrafe "nur noch" für sexuelle Kontakte von Männern mit Männern unter 18 Jahren vorgesehen. Die DDR kehrte 1950 zur ursprünglichen Fassung des Paragraphen zurück, 1968 wurde er komplett abgeschafft. Nach 1990 galt zunächst gespaltenes Recht in Deutschland. Die schwul-lesbische Bürgerrechtsbewegung der DDR hatte erfolgreich gegen die Wiedereinführung des Paragraphen 175 protestiert. Im Einigungsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik wurde er deswegen von der Übertragung des bundesdeutschen Strafrechts auf die neuen Bundesländer ausgenommen. Die endgültige Rechtsangleichung erfolgte erst 1994, als der Deutsche Bundestag beschloss, den Paragraphen 175 zu streichen.

Der Kölner Volker Beck, hier am 30.08.1994 in Köln mit einem Wahlplakat, bewirbt sich auf der Liste von Bündnis 90/Die Grünen um ein Bundestagsmandat.
Der ehrenamtliche Pressesprecher des Schwulenverbandes in Deutschland, Volker Beck, hält 1994 mit beiden Händen ein Wahlplakat von Bündnis 90/Die Grünen. Bildrechte: dpa

Bertelsmann erklärt das Ende des gedruckten Brockhaus

2013 teilte das Medienunternehmen Bertelsmann mit, dass es das Geschäft mit Lexika aufgebe. Dies bedeutete auch das Ende für die traditionsreiche gedruckte Brockhaus-Enzyklopädie. Die erste Ausgabe des Brockhaus erschien bereits 1796, damals noch unter dem Titel "Conversations-Lexicon". 1818 zog der Verlag unter dem Namen "F. A. Brockhaus" nach Leipzig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als "VEB Brockhaus Leipzig" verstaatlicht. Gleichzeitig bestand ein privater Verlag, wieder "F. A. Brockhaus" genannt, in Wiesbaden weiter. Er fusionierte 1984 mit der "Bibliographisches Institut AG" zur "Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG". Nach der deutschen Wiedervereinigung verkaufte die Treuhand den "VEB Brockhaus" an die Verlagsgruppe. 2008 übernahm Bertelsmann die Markenrechte und versuchte zunächst, das Lexikon zu modernisieren. So erschien es 2002 erstmals digital auf CD-ROM und DVDs. Durch das Internet war es jedoch schlichtweg überflüssig geworden. Besonders die Wikipedia stellte eine zu große Konkurrenz dar. Bertelsmann trennte sich von der Marke. 2015 übernahm sie der Verlag der Schwedischen Nationalenzyklopädie und entwickelte Brockhaus zu einem digitalen Bildungsanbieter, unter anderem für Schulen und Universitäten.

Buchrücken der Brockhaus-Enzyklopädie
Die 21. und letzte Ausgabe der gedruckten Brockhaus-Enzyklopädie wurde 2014 verkauft. Bildrechte: imago/Enters