Eine Frau bemalt große Nußknacker.
Bildrechte: dpa

Weihnachten in der DDR: Improvisieren für das Fest

Das Weihnachtsfest stellte sowohl die DDR-Regierung als auch die Bürger vor einige Herausforderungen. Das Hauptproblem war die allgemein schlechte Versorgungslage. Es musste - wie so oft in der sozialistischen Republik - improvisiert werden.

Eine Frau bemalt große Nußknacker.
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Weihnachten ohne Stollen war auch in der DDR undenkbar. Aber wie in anderen Lebensbereichen diktierte auch hier die Versorgungslage - oder besser der Mangel - die Vorbereitungen. Schon im frühen Herbst fingen viele Familien an, Zutaten für den Stollen zu sammeln. Aber bestimmte Zutaten gab es einfach nicht. Die Großbäckereien standen vor einem echten Problem. Albrecht Großmann, zu DDR-Zeiten Produktionsleiter im Backwarenkombinat Döbeln, erinnert sich: Sultaninen waren knapp, Mandeln waren knapp, Zitronat und Orangeat gab es überhaupt nicht, so sind wir auf die Rohstoffe ausgewichen, die zur Verfügung standen." Als Zitronat-Ersatz wurden grüne Tomaten kandiert und als Orangeat-Imitat Möhren.

Westpaket und Weihnachtsfest

Nach dem Mauerbau 1961 nahm die Zahl der Pakete aus dem Westen mit der Aufschrift "Geschenksendung! Keine Handelsware!" zu. Insbesondere in der Weihnachtszeit. Neben Kaffee, Zigaretten und Damenstrümpfen spielten auch Zutaten für den Stollen eine wichtige Rolle. Zitronat und Orangeat beizeiten gen Osten geschickt, wurden dann kurz vor Weihnachten mit einem Rückpaket gen Westen belohnt. Darin enthalten waren oft ein Stollen oder weihnachtliche Schnitz- oder Drechselkunst aus dem Erzgebirge. Für die Wirtschaftsplaner der DDR waren die Westpakete eine feste Größe im alljährlichen Versorgungsmarathon. Und für viele Bürger eine willkommene Ergänzung auf dem Gabentisch.

Weihnachtsrummel in Leipzig zu DDR-Zeiten

Der Leipziger Weihnachtsmarkt ist eröffnet. Damals glich er ein wenig einem Rummelplatz. Neben Weihnachtsbäckerei gab es auch Schieß- und Losbuden. Sehen Sie hier Aufnahmen des Fotografen Mahmoud Dabdoub.

Pyramidenverkauf auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt in 1980er-Jahren
Der traditionsreiche Leipziger Weihnachtsmarkt ist eröffnet. Auch zu DDR-Zeiten gab es ihn schon. Und auch die Pyramiden an den Verkaufsständen. Die Ware trifft aber offenbar nicht jedermanns Geschmack. Oder stößt sich die Frau mit der weißen Mütze am Preis? Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Pyramidenverkauf auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt in 1980er-Jahren
Der traditionsreiche Leipziger Weihnachtsmarkt ist eröffnet. Auch zu DDR-Zeiten gab es ihn schon. Und auch die Pyramiden an den Verkaufsständen. Die Ware trifft aber offenbar nicht jedermanns Geschmack. Oder stößt sich die Frau mit der weißen Mütze am Preis? Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Kinder fahren Karrussel in den 80-er Jahren auf dem leipziger Weihnachtsmarkt.
Damals wie heute durfte ein Karussell auf dem Weihnachtsmarkt nicht fehlen. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Dabdoub, Weihnachten
Schießbuden sucht man heute auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt dagegen vergebens. Bildrechte: MDR/Dabdoub
Menschen beim Büchsenwerfen auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt in 1980er-Jahren
Bei wem purzeln alle Büchsen? Als Preise winken abfotografierte Poster aus Westzeitungen. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Kind und Mann auf einem Karussell auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt in 1980er-Jahren
Schaustellerfamilien zogen auch in der DDR von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Die Saison begann Ostern und endete im Dezember mit dem Weihnachtsmarkt. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Kleiner Junge sitzt auf dem Schoß des Weihnachtsmann in den 80-er Jahren auf dem Leipziger Weihnachtsmann
Kaum zu glauben: Schon damals gab es ein mobiles Fotostudio auf dem Marktplatz. Drei Buntfotos vom Sprössling mit dem Weihnachtsmann kosteten 7 Mark. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Frau verkauft in einer Imbissbude "Türkischen Honig" in den 80-er Jahren auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt"
Exotisches zum Fest: Türkischen Honig, bekannt auch als weißer Nougat, gab es in der Kaufhalle nicht. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Alte Frau vor Losbude mit vielen Plüschtieren in den 80-er Jahren in Leipzig
"Kommt Leute, kommt", scheint die Frau zu rufen. Preise gibt es in der Losbude genug. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Familie in der 80er-Jahren mit Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt
Die Einen halten sich mit Glühwein von innen warm ... Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Männer und Frauen mit Weihnachtsgeschenken in den 80-er Jahren auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt
... die Anderen setzen eher auf Wärme von außen und kaufen einen Ölradiator für die Altbauwohnung. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Leipziger Markt vor dem Alten Rathaus mit Weihnachtslichtern geschmückt in den 80-er Jahren in Leipzig.
Im November 2014 gewinnt Leipzig einen internationalen Preis für ein Lichtkonzept im öffentlichen Raum. Erste Ansätze gab es in den 80ern schon: Lichterketten und Lichtornamente schmückten in der Adventszeit den Leipziger Markt vor dem Alten Rathaus.
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV in "Aktuell" | 19.11.2015 | 21:45 Uhr.)
Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
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Der Kampf mit dem Weihnachtsbaum

Einen gut gewachsenen Weihnachtsbaum zu bekommen, war meist ein Glücksfall. Viele Bäume, die aus dem Erzgebirge kamen, waren "mickrig" und verkrüppelt. Da der laufende Meter aber nur zwei Mark kostete, wurden oft gleich zwei Bäume gekauft. Kunstvoll wurden die guten Zweige des einen Baums abgesägt und entweder mit Hilfe des Klebstoffs "Duosan Rapid" in den Stamm des anderen eingeklebt oder in kleine Löcher gesteckt, die man in den Stamm bohrte. Behängt wurde der Baum mit bunten Kugeln, die man über die Jahre gesammelt hatte, und mit Lametta. Aber auch Zinnlametta war Mangelware. So wurde es meistens nach den Festtagen vorsichtig vom Baum genommen und verwahrt. Zum nächsten Weihnachtsfest soll es in manchen Familien mit dem Bügeleisen wieder glatt gebügelt worden sein, auf dass es wie neu vom Baum glänze.

O Tannenbaum, O Tannenbaum

Den perfekten Weihnachtsbaum zu finden, ist selbst heute nicht ganz leicht. In der DDR glich die Suche jedoch einem Abenteuer. Statt Tannen und Fichten gab es vor allem Kiefern. Gleichmäßig gewachsen waren sie selten.

Männer beladen einen Laster mit Weihnachtsbäumen in den 80-er Jahren in Leipzig
In der DDR war die Kiefer der traditionelle Weihnachtsbaum – vor allem im Norden des Landes. Denn auf den sandigen Böden dort wachsen keine Tannen. Und die Kiefer hat durchaus Vorteile: Im Gegensatz zur Tanne hält sie ihre Nadeln bis Ostern. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Männer beladen einen Laster mit Weihnachtsbäumen in den 80-er Jahren in Leipzig
In der DDR war die Kiefer der traditionelle Weihnachtsbaum – vor allem im Norden des Landes. Denn auf den sandigen Böden dort wachsen keine Tannen. Und die Kiefer hat durchaus Vorteile: Im Gegensatz zur Tanne hält sie ihre Nadeln bis Ostern. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Frauen mit Regenschirmen suchen sich einen Weihnachtsbaum in einem Weihnachtsbaum-Verkauf aus - in den 80-er Jahren in Leipzig
Glücksritter: Auf der Suche nach dem perfekten Baum. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Menschen vor einer Losbude auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt in 1980er-Jahren
Nicht viel los auf dem Weihnachtsmarkt, nur an der Losbude noch ein paar Jugendliche. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Alte Frau hält Tannenbaum in den 80-er Jahren in Leipzig.
Der oder doch lieber ein anderer? Ganz sicher scheint sich die Frau noch nicht zu sein. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
Familie mit eingewickelten Tannenbaum steht auf Bahnhof vor Zug in den 80-er Jahren in Leipzig.
Driving home for Christmas: Vollbepackt mit Geschenken und Tannenbaum geht's zu Oma und Opa. Bildrechte: Mahmoud Dabdoub
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"Vorweihnachtliche Kalender"

Bei diesem beliebten Produkt kämpfte die DDR einen letztlich vergeblichen Kampf gegen christliche Traditionen. So gab es Adventskalender zwar eigentlich zu jeder Zeit, nur durften sie bis Anfang der siebziger Jahre offiziell so nicht genannt werden. Auf Rechnungen und Bestellungen erschien stattdessen der Begriff "vorweihnachtliche Kalender". Christliche Motive durften bis 1973 darauf gar nicht gedruckt werden. Dann erhielt erstmals ein kleiner Verlag in der Lausitz die Erlaubnis, das Christkind und die Heiligen Drei Könige darzustellen. Es gab aber auch sozialistische Varianten, wie etwa einen Adventskalender, auf dem Junge Pioniere mit Haltstuch und Käppi zu sehen waren. Verbreitete Motive waren außerdem Weihnachtsmärkte oder Winterszenen mit Kindern oder in der Natur. Aber durchgesetzt haben sich diese Motive nicht, das bis heute beliebteste Motiv ist ein kleiner Sakralbau aus dem Erzgebirge: die spätbarocke, achteckige Kirche aus Seiffen.

(zuerst veröffentlicht am 11.12.2009)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Ein Kessel Weihnacht | 26.12.2016 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 11:12 Uhr

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