Blick ins DDR-Modemagazin 'Sibylle'
Blick ins DDR-Modemagazin 'Sibylle' Bildrechte: IMAGO

8. März - Weltfrauentag Magazine für die Frau - zur Geschichte der Frauenzeitschriften

Vor 325 Jahren erschien die erste Frauenzeitschrift - damals allerdings noch von Männern geschrieben. Ein Blick auf die Geschichte der Frauenzeitschriften in Ost und West.

von Katharina Beck

Blick ins DDR-Modemagazin 'Sibylle'
Blick ins DDR-Modemagazin 'Sibylle' Bildrechte: IMAGO

"The Ladies Mercury" (Der Frauenbote) wird als die erste Frauenzeitschrift der Welt gehandelt. Sie erschien vor 325 Jahren. Darin beantworteten allerdings Männer die Fragen von Frauen zu Liebe, Sex und Ehefragen. Bis tatsächlich Frauen für Frauen schrieben und ein breites, weibliches Lesepublikum entstand, musste jedoch noch einige Zeit ins Land gehen.

Die Geschichte der Frauenzeitschriften in Deutschland

Eine der ältesten deutschen Zeitschriften, die sich direkt an Frauen richtete, erschien ab 1725 zwei Jahre lang in Leipzig. In dieser Zeit hatten die bürgerlichen Frauen bereits Zugang zu Bildung und diskutierten Erkenntnisse aus Kunst und Wissenschaft in diversen Salons. Der Schriftsteller und Gelehrte Johann Christoph Gottsched gab die Zeitschrift "Die vernünftigen Tadlerinnen" gemeinsam mit seiner Ehefrau Louise heraus. Sie fungierte dabei allerdings als Gehilfin ihres Mannes, obwohl sie auch eigene literarische Ambitionen hatte und schrieb.

Die Gottscheds übernahmen die Idee für eine Frauenzeitschrift aus England: Die "Moral Weeklies" waren regelmäßig erscheinende Schriften, die Bildung und Vernunft im Sinne der Aufklärung verbreiten sollten. Der Erfolg dieser und anderer "moralischer Wochenschriften" war groß.

Die etwas andere Frauenzeitschrift

Die Begriffe "Frauenzeitschrift" oder "Frauenzeitung" wurden jedoch erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts verwendet. Herausgegeben wurden sie noch mehrheitlich von Männern - aber immerhin steckten schon bei 14 von 115 Titeln Frauen dahinter. Die bekannteste von ihnen ist wohl Sophie de LaRoche mit der Zeitschrift "Pomona für Teutschlands Töchter".

Sophie de LaRoche war schon als Schriftstellerin erfolgreich. Die monatlichen 100 Seiten schrieb sie selbst. Von 1782-1784 unterhielt sie ihre Leserinnen mit Berichten über ferne Länder, gab Buchempfehlungen und hatte über Leserbriefe intensiven Kontakt zu ihnen. Statt Mode und Äußerlichkeiten der Frau legte LaRoche ihre Schwerpunkte auf Themen wie Bildung, Erziehung und Gesundheit.

Das 19. Jahrhundert: Frauen werden politisch

Im 19. Jahrhundert ist die "Frauen-Zeitung" von Louise Otto-Peters eine der wichtigsten Publikationen, die sich nach der Märzrevolution 1848 mit den Rechten von Frauen auseinandersetzte. Die Verleger waren Männer, aber Kopf der Zeitung Louise Otto-Peters selbst. Zeit ihres Lebens setzte sie sich für eine bessere Bildung für Frauen ein, damit sie zu eigenständigen Urteilen und politischer Teilhabe kommen. Außer ihr schrieben verschiedene Autoreninnen und Autoren für die Zeitung.

Neben solch politisch-emanzipativen Zeitschriften gab es im 19. Jahrhundert auch Unterhaltungs-, Mode- und Ratgebermagazine für Frauen. 1886 etwa erschien in Berlin vierteljährlich "Dies Blatt gehört der Hausfrau".

Frauen im 20. Jahrhundert: Zwischen Unterhaltung und Befreiung

Barbara von Treskow wurde 1933 Chefredakteurin vom dann umbenannten "Blatt der Hausfrau". Ihr gelang es, die Zeitschrift aufgrund ihrer Beliebtheit weitgehend frei von der NS-Ideologie zu halten: "Statt Glorifizierung des NS-Frauen- und Mutterbildes bot das 'Das Blatt der Hausfrau' Mode, Handarbeiten, Belletristik und Schnittmuster", schreiben Kurt Otto und Jens J. Meyer auf Mediatribune.de. Barbara von Treskow organisierte von 1932 bis 1944 auch die  "Brigitten-Tage", bunte Abende für Frauen in Berlin. Sie wurden Namensgeberin für die spätere "Brigitte".

Reproduktion erste Ausgabe der Zeitschrift Brigitte
Die erste Ausgabe der Zeitschrift Brigitte - eine Reproduktion. Bildrechte: IMAGO

1957 kam die "Brigitte" zum "Constanze-Verlag" des Hamburger Verlegers John Jahr. Unter Chefredakteur Hans Huffzky war schon die "Constanze" zur erfolgreichsten Frauenzeitschrift der Nachkriegszeit geworden. Er modernisierte die Brigitte mit großformatigen Fotos und klar strukturierten Ressorts. Damit wurde sie Vorreiterin und Vorbild für die inzwischen klassisch genannten Frauenzeitschriften. In den einzelnen Redaktionen arbeiteten überwiegend Frauen.

Die Leserinnen der Wohlstandsjahre liebten diese Magazine. Der Markt der Frauenzeitschriften wuchs von 1953-1963 um 189 Prozent, im Vergleich dazu steigerte sich der Verkauf anderer Illustrierten um nur 43 Prozent, schrieb der Spiegel 1964.

Das politische Frauenmagazin "Emma" in der BRD

Bald aber war den Frauen der BRD ihre Rolle zu eng gefasst, die sie per Gesetz auf Haushalt und Kinder beschränkte. Die Zeitschrift "EMMA", 1977 von Alice Schwarzer gegründet, traf den Nerv der Zeit. Sie verstand sich ausdrücklich nicht als Frauenzeitschrift, sondern als politisches Magazin. Es ist bis heute das einzige Magazin in ganz Europa, das ausschließlich von Frauen gemacht wird.

Wir Journalistinnen stießen zunehmend auf verschlossene Türen mit unseren Themenangeboten. Eine eigene Stimme musste her!

Alice Schwarzer Gothe.de

Mit Themen wie Abtreibung, Pornographie, Gleichbehandlung, Ganztagsbetreuung und Frauenfußball hat "EMMA" viel dazu beigetragen, den Frauen ihren Platz in der heutigen Gesellschaft zu erkämpfen.

DDR-Frauen-Zeitschriften und Nachwendezeit

FÜR-DICH-Redaktionsmitglied lässt sich vom Drucker den Andruck der Frauenillustrierten erklären in der Druckerei.
"Für-Dich"-Redaktionsmitglied lässt sich vom Drucker den Andruck der Frauenillustrierten erklären. Bildrechte: IMAGO

Und in der DDR? Im Osten war die illustrierte Wochenzeitung "Für Dich" die führende Frauenzeitschrift seit 1946. Sie kostete 60 Pfennig. Ihre Inhalte: "Ein wenig Mode und Make-up, dafür viel aus Produktion und Politik", so die Journalistin Ulrike Petzold 1983 in "Die Zeit". Außerdem waren alle leitenden Posten von Frauen besetzt, "sogar der Stuhl des Chefredakteurs“, so Petzold.

Bis heute legendär ist die "Sybille", eine "Zeitschrift für Mode und Kultur" herausgegeben vom Modeinstitut Berlin. Sie war, schreibt die Schriftstellerin Annett Gröschner 2017 "für die piefige DDR geradezu kosmopolitisch und ästhetisch außergewöhnlich […] Bei der 'Sibylle' hatten keine in Leipzig am Roten Kloster durch das Stahlbad des Marxismus-Leninismus gegangene Journalistinnen das Sagen, sondern Modegestalterinnen und Fotografinnen und Fotografen."

Gründerin und Namensgeberin war Sibylle Gerstner. Die "Sybille" erschien ab 1956 sechsmal pro Jahr in einer Auflage von nur 200.000 Exemplaren und war schnell vergriffen. Bis heute interessant an den Bildern der namhaften Fotografen wie Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Ulrich Wüst, Roger Melis, Sven Marquardt und Ute und Werner Mahler ist auch die sinnliche und natürliche Ausstrahlung der Models.

Zum selbstbewussten Posen gehörte immer ein Gesicht. Es stand oft stärker im Fokus als die Kleidung der Models.

Annett Gröschner, 2017

Frauenzeitschriften heute

Die "Sybille" hat die Wende um nur fünf Jahre überlebt, obwohl der Markt der Frauenzeitschriften in den 1990er-Jahren explodiert ist - bis 2005 wuchs er auf 72 Titel an. Auflagenstärkste Frauenzeitschrift im vereinten Deutschland von 2018 ist "Bild der Frau" der Funke Mediengruppe, die am 14. März 1983 gegründet wurde. Mit mehr als 700.000 verkauften Exemplaren und rund sechs Millionen Lesern teilt sie sich allerdings den Markt nicht nur mit anderen Zeitschriften zum Thema Mode, Essen, Kinder, Garten, Lifestyle und Lebenshilfe, sondern zunehmend auch mit Bloggerinnen.

Über dieses Thema berichtet der MDR im TV: Ostfrauen - Wege zum Glück | 08.03.2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 11:38 Uhr