#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 28. Oktober

1938: Erste "Polenaktion" der NS-Dikatur

Am 28. Oktober 1938 haben die Nationalsozialisten mit der ersten sogenannten "Polenaktion" begonnen. Etwa 17.000 Juden und Jüdinnen mit polnischer Staatsangehörigkeit wurden in den darauffolgenden zwei Tagen verhaftet und gewaltsam in bewachten Sonderzügen aus Deutschland ausgewiesen. Der Großteil der Verhafteten wurde zur Grenzstadt Neu-Bentschen gebracht, andere kamen nach Konitz (Pommern) oder Beuthen (Oberschlesien). Die Zwangsausweisung vom 28. bis 29. Oktober 1938 war die erste Massendeportation des NS-Regimes. Heute gilt sie als Probedurchlauf für alle späteren Deportationen sowie als Auftakt für den Holocaust.


1989: Verbotener DEFA-Film "Spur der Steine" wird genehmigt

Am 28. Oktober 1989 wurde der DEFA-Film "Spur der Steine" erneut in der DDR erlaubt. 23 Jahre war der verbotene Film von Leinwand und Bildschirm verschwunden. Der Spielfilm von Regisseur Frank Beyer aus dem Jahr 1966, der auf einem gleichnamigen Roman basiert, zeigt das Leben in der DDR in den 1960er-Jahren und die Probleme des sozialistischen Aufbaus. Doch der Film mit Kult-Schauspieler Manfred Krug über die rebellische Zimmermannstruppe "Balla" und ihre Arbeit auf einer Großbaustelle lief nur kurz in den Kinos. Die Zeitung "Neues Deutschland" kritisierte "Spur der Steine" wegen eines angeblich verzerrten Bildes der sozialistischen Wirklichkeit. Kurz darauf wurde der Film vom ZK der SED verboten. Die Begründung: "partei- und staatsfeindlich".


1991: Urteile in Waldheimer Prozessen sind nichtig

Im Zuchthaus der sächsischen Kleinstadt Waldheim haben im Frühjahr 1950 die Prozesse gegen mehr als 3.400 Angeklagte begonnen. Der Vorwurf: Nationalsozialistische Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Bis zu ihrem Prozessbeginn waren die Angeklagten in ehemaligen Konzentrationslagern wie Buchenwald oder Sachsenhausen eingesperrt, die in den Nachkriegsjahren von der SMAD umfunktioniert wurden. Die Prozesse sorgten weltweit für Proteste und Schlagzeilen, denn die DDR-Regierung verurteilte die Inhaftierten ohne Zeugen und ohne Verteidiger in Schnellverfahren zu teils zu Tode oder zu lebenslangen Haftstrafen. Keine Anhörung dauerte länger als 30 Minuten. Außerdem gab die DDR-Führung die zu fällenden Urteile vor. Weniger als fünf Jahre Zuchthaus sollte es nicht geben. Die sogenannten "Volksrichter" urteilten tatsächliche NS-Täter, aber auch über viele Unschuldige.
Die "Waldheimer Prozesse" wurden zu einem Symbol für mangelnde Rechtsstaatlichkeit. Am 28. Oktober 1991 erklärte das Bezirksgericht Dresden die Urteile für nichtig. Am gleichen Tag wurde auch ein Gedenkstein für die weiblichen politischen Gefangenen in den Waldheimer Prozessen errichtet.


2020: Chemnitz wird Kulturhauptstadt 2025

Vier Jahre hat der Bewerbungsprozess gedauert, bis am 28. Oktober 2020 der Gewinner verkündet wurde: Chemnitz ist Kulturhauptstadt 2025. Unter dem Motto "C the unseen" will die Stadt den Blick auf ungesehene Perspektiven, Orte und Ländergrenzen richten. Für Chemnitz soll der Titel nach den rechten Ausschreitungen um den Fall Daniel H. seit 2018 vor allem Aufbruch demonstrieren.

Dieser Titel ist für Chemnitz die große Chance, viel zu geben und viel zu bekommen, viel vom Ungesehenen zu zeigen. Nicht nur die Bilder von Nazi-Aufmärschen, sondern eine Erzählung von Fleiß und Kreativität für gelebte europäische Werte. Eine aktive, vielfältige Stadtgesellschaft im internationalen Austausch. 

Barbara Ludwig, Ehemalige Bürgermeisterin

Die Stadt hofft mit dem Titel auch Konjunktur und Image zu fördern und neue Energie in die Region zu bringen. Neben Chemnitz waren auch Hildesheim, Nürnberg, Hannover und Magdeburg für die Finalrunde qualifiziert. Bei der Vergabe der Kulturhauptstädte gilt ein Rotationsprinzip. In einer festgelegten Reihenfolge stellen die jeweiligen Staaten die Kulturhauptstädte. 2025 sind Deutschland und Slowenien an der Reihe. Die letzte deutsche Kulturhauptstadt war Essen im Jahr 2010.