#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 11. August

1919: Weimarer Verfassung unterzeichnet

Am 11. August 1919 unterzeichnet Reichspräsident Friedrich Ebert in Schwarzburg, knapp 80 Kilometer von Weimar entfernt, die neue Verfassung der Weimarer Republik. Der liberale Staatsrechtler Hugo Preuß hat die Verfassung entworfen. Sie vereint Elemente der repräsentativen, plebiszitären und präsidialen Demokratie. Sie schreibt die Gewaltenteilung im Staat vor und sicherte ihren Bürgern bedeutende Grundrechte zu, darunter die Pressefreiheit und die rechtliche Gleichstellung von Frauen. Gleichzeitig erhält der Reichspräsident so viele Befugnisse, dass er inoffiziell als "Ersatzkaiser" bezeichnet wird: Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, kann den Reichstag auflösen und Volksentscheide veranlassen, wenn er einem neuen Gesetz nicht zustimmt. Außerdem ernennt und entlässt er den Reichskanzler. Am 14. August tritt die Verfassung in Kraft. Einige Artikel der Weimarer Verfassung werden später in unser heutiges Grundgesetz übernommen.

1922: Deutschlandlied wird Nationalhymne

Am 11. August 1922 erklärt Reichspräsident Friedrich Ebert das Deutschlandlied von Hoffmann von Fallersleben zur offiziellen Nationalhymne. Die Melodie stammt vom Komponisten Joseph Haydn. Die Nationalsozialisten lassen nur noch die erste Strophe des Deutschlandliedes singen und ergänzen es mit dem Horst-Wessel-Lied, ein politisches Kampflied. Das "Lied der Deutschen" wird deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten verboten. Erst 1952 setzt die junge Bundesrepublik unter Konrad Adenauer wieder die ursprüngliche Fassung ein. Die DDR verfasst dagegen eine eigene Hymne: "Auferstanden aus Ruinen". Nach dem Fall der Mauer kann sich das "Lied der Deutschen" erneut als gesamtdeutsche Nationalhymne durchsetzen.

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Bei einer Straßenumfrage in Berlin äußern sich Passanten über das Deutschlandlied als Nationalhymne des geeinten Deutschlands.

Do 04.08.2022 17:40Uhr 02:45 min

https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/jahrestage/video-644134.html

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1961: Volkskammer genehmigt Grenzabriegelung

Am 11. August 1961 erteilt die DDR-Volkskammer dem Ministerrat die Ermächtigung, Maßnahmen zur Grenzsicherung einzuleiten. Willi Stoph, der Vorsitzende des Ministerrates, hebt während der Sitzung hervor: "Der Ministerat erachtet es für notwendig, auch weiterhin [...] zur Gewährleistung des planmäßigen sozialistischen Aufbaus [...] in der Hauptstadt geeignete Maßnahmen gegen Menschenhandel, Abwerbung und Sabotage zu treffen. Jeder einsichtige Bürger wird verstehen, dass es auch in seinem eigenen Interesse besser ist, gewisse Unbequemlichkeiten in diesem Kampf auf sich zu nehmen, als dem schädlichen Treiben unserer Feinde tatenlos zuzusehen." Die Volkskammer fügt sich damit den Ergebnissen des Gipfels der Warschauer-Pakt-Staaten, der vom 3. bis 5. August stattgefunden hatte. Auf der Konferenz hatten die Mitgliedsländer die DDR-Grenzsicherung beschlossen. Erst in der Nacht vom 12. auf den 13. August offenbart sich, wie diese "geeigneten Maßnahmen" aussehen: Volkspolizisten riegeln die Sektorengrenze nach West-Berlin hermetisch ab, der Mauerbau beginnt.

Archivbild einer Mauer 1 min
Bildrechte: Aktuelle Kamera, DRA, 21.11.1961

1999: Totale Sonnenfinsternis    

Am 11. August 1999 kommt es in Mitteleuropa zu einer totalen Sonnenfinsternis. Das Naturspektakel löst neben Begeisterung auch Endzeitängste aus, denn der Astrologe Nostradamus prophezeite im 16. Jahrhundert: "Im Jahr 1999, im siebten Monat, wird der große Schreckenskönig vom Himmel kommen". Zum Weltuntergang kommt es nicht, jedoch löst die Sonnenfinsternis zahlreiche Staus auf den Autobahnen und überfüllte Züge aus. Viele versuchen, in ein wolkenfreies Gebiet zu gelangen, um das Spektakel bestmöglich beobachten zu können. Die nächste totale Sonnenfinsternis wird in Deutschland am 3. September 2081 stattfinden.

Sonnenkorona während einer Sonnenfinsternis
Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde. Für etwa zwei Minuten ist es stockdunkel, wo gerade noch heller Tag war. Bildrechte: imago/imagebroker/lenz

2006: Günter Grass gesteht NS-Vergangenheit

Am 11. August 2006 bekennt sich der Schriftsteller Günter Grass in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erstmals zu seiner NS-Vergangenheit. Als 17-Jähriger sei er Anfang 1945 zur Waffen-SS nach Dresden einberufen worden und habe in der zehnten Panzerdivision "Frundsberg" gedient. An Kriegsverbrechen sei er nicht beteiligt gewesen. Im Interview erinnert sich Grass: "Auf einmal [...] lag der Einberufungsbefehl auf dem Tisch. Und dann stellte ich vielleicht erst in Dresden fest, es ist die Waffen-SS. [...] Später hat mich dieses Schuldgefühl als Schande belastet." Das Interview erscheint kurz vor der Veröffentlich seiner Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" im September 2006. Grass erntet nach seinem Geständnis Kritik. So bezeichnet die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch Grass' Vorgehen als "PR-Maßnahme", um sein neues Buch zu vermarkten. Günter Grass ist einer der bekanntesten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Zu seinen bekanntesten Werken zählen sein Debütroman "Die Blechtrommel" und "Der Butt". Der gebürtige Danziger erhält 1999 den Literaturnobelpreis. 2015 stirbt er in Lübeck.

Schriftsteller Günter Grass
Er ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Nachkriegsliteratur: Günter Grass starb 2015 in Lübeck. Bildrechte: dpa

2016: Erstes Handwerkergymnasium startet

Am 11. August 2016 beginnt in Erfurt der Unterricht am bundesweit ersten Handwerkergymnasium. Das Modellprojekt wird von der Handwerkskammer in Zusammenarbeit mit der Walter-Gropius-Schule angeboten. Die Schülerinnen und Schüler erlernen dort neben dem regulären Lehrpensum zusätzlich Inhalte der Meisterausbildung. Das Projekt soll dem Fachkräftemangel in Thüringen entgegenwirken. 2017 wird auch die Andreas-Gordon-Schule in Erfurt zum Handwerkergymnasium.

Mechanikerin bei der Arbeit
Der akute Fachkräftemangel im Handwerk bedroht die Wirtschaft und Deutschlands Klimaziele. Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Bildrechte: IMAGO / Westend61