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1950: Evangelische Kirche will Frieden ohne Waffen

1950 gab die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekannt: "Einer Remilitarisierung können wir das Wort nicht reden, weder was den Westen noch was den Osten anbelangt. Die Pflicht der Kirche kann es immer nur sein, die schwergerüsteten Mächte der Welt wieder und wieder zu bitten, dem heillosen Wettrüsten ein Ende zu machen." Der Wunsch der EKD nach einem Frieden ohne Waffen wurde nicht erhört: 1955 wurde die Bundeswehr gegründet, 1956 die NVA.

Die EKD gehörte bis Ende der 60er Jahre zu den wenigen gesamtdeutschen Institutionen. Der Bau der Berliner Mauer erschwerte die Zusammenarbeit der Kirchen aus Ost und West jedoch erheblich. 1969 wurde daher der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR gegründet.

NVA-Parade zum 1. Mai 1958
Die Nationale Volksarmee wurde 1956 zunächst als reine Freiwilligen-Armee gegründet – zur Verteidigung des Sozialismus und des Friedens. Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

1980: U-Boot-Flucht aus der DDR scheitert

1980 versuchte der Rostocker Walter Gerber zum zweiten Mal, in einem selbstgebauten U-Boot in den Westen zu fliehen. Doch sein Unterwasserschiff war nicht funktionstüchtig. Das Vorhaben scheiterte. Wenige Monate später plante er, die DDR über Ungarn zu verlassen, um nach Österreich zu gelangen. An der Grenze zur ČSSR wurde er verhaftet. Die Stasi verhörte ihn und fand die Konstruktionsunterlagen für das U-Boot in seiner Wohnung. Daraufhin wurde er vom Kreisgericht Rostock zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Später kaufte ihn die Bundesregierung frei. Am 10. Oktober 1984 durfte Gerber ausreisen.

Ein Wachturm der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit an der Genslerstraße in Berlin-Hohenschönhausen
Der DDR-Bürger Walter Gerber versuchte insgesamt dreimal, die DDR zu verlassen. Seine ersten zwei Versuche mit einem selbstgebauten U-Boot scheiterten. Als er wenige Monate später versuchte, die Grenze zur ČSSR zu überqueren, wurde er verhaftet. Bildrechte: imago/Seeliger

1990: NVA soll Teil der Bundeswehr werden

1990 beauftragte der Bundesverteidigungsminister Stoltenberg den Generalleutnant Jörg Schönbohm, die NVA aufzulösen und in die Bundeswehr zu integrieren. Im Einigungsvertrag wurde am 31. August 1990 festgelegt, dass sowohl die Streitkräfte als auch das Kriegsgerät der NVA in die bundesdeutsche Armee übergehen würden. Am 3. Oktober 1990 hörte die NVA auf, zu existieren. Ihre Soldaten wurden Mitglieder der Bundeswehr. 3.200 der zuletzt 36.000 NVA-Offiziere wurden übernommen, wobei etwa 11.000 Offiziere einen Antrag auf Übernahme stellten. Für Frauen gab es in der Bundeswehr keinen Platz mehr – für sie standen erst ab 2001 wieder alle Laufbahnen offen, wie zuvor in der NVA.

Generalleutnant Jörg Schönbohm als Befehlshaber Bundeswehrkommando Ost an der Unteroffiziersschule Delitzsch, 1991.
Jörg Schönbohm (zweiter v. r.) wurde am 4. Oktober 1990 der erste Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost. Bildrechte: imago/Werner Schulze