#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 6. August

1922: Abbruch Endspiel Fußballmeisterschaft

In der 115. Minute muss das Finale der deutschen Fußballmeisterschaft zwischen dem HSV und dem 1. FC Nürnberg abgebrochen werden. Der Grund: nach zu vielen Platzverweisen und Verletzungen stehen nur noch sieben Nürnberger Spieler auf dem Feld im Leipziger VfB-Stadion – zu wenig, befindet der Schiedsrichter.

Das Spiel ist bereits die Wiederholungspartie um den deutschen Meistertitel. Das ursprüngliche Finale hatte am 18. Juni in Berlin stattgefunden. Weil nach 189 Minuten Spielzeit keine Entscheidung gefallen war, musste das Endspiel wegen Dunkelheit abgebrochen werden. Da es nicht genügend Ersatzspieler gibt, ziehen sich beide Spiele in die Länge. Auch gibt es damals noch kein Elfmeterschießen.

Fußball Meisterschaft Berlin 1922 1. FCN HSV
Der HSV gegen den 1. FC Nürnberg beim "ersten" Finale der deutschen Meisterschaft im Juni 1922 in Berlin Bildrechte: IMAGO / Photo12

Der DFB erklärt wenige Tage später auf einer Tagung den HSV zum Meister, denn die Nürnberger Spieler seien am Abbruch des zweiten Spieles schuld gewesen. Der HSV verzichtet jedoch auf den Meistertitel.

1926: Erste Frau durchschwimmt Ärmelkanal

Die US-Amerikanerin Gertrude Ederle ist am 6. August die erste Frau, der es gelingt, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Innerhalb von vierzehneinhalb Stunden legt sie zwischen dem französischen Cap Gris-Nez und dem englischen Dover 56 Kilometer zurück. Damit ist sie zwei Stunden schneller als der schnellste Mann vor ihr.

Gertrude Ederle
Die "Königin der Wellen" Gertrude Ederle beim Schwimmtraining Bildrechte: imago images/Everett Collection

Um die Strecke durchzuhalten, hat sich Ederle mit Olivenöl, Wollfett und Schweineschmalz eingerieben. Ihr Vater versorgt sie von einem Beiboot aus mit Verpflegung und spielt ihr auf einem Grammophon ihre Lieblingslieder vor. Beinahe wäre ihr Vorhaben zum wiederholten Male gescheitert. Das Wetter ändert sich schlagartig, Sturm und Regen setzen ein. Ihr Trainer will sie aus dem Wasser holen, doch Ederle bleibt hartnäckig und weigert sich.

Gertrude Ederle bekommt auf dem Weg durch den Ärmelkanal von einem Boot aus Nahrung gereicht
Gertrude Ederle durchschwimmt 1926 als 20-Jährige den Ärmelkanal. Mit dabei: ihr Vater und ihr Trainer auf einem Beiboot. Bildrechte: imago/United Archives International

Als die 20-Jährige Stunden später Dover erreicht, ist sie von nun an die "Königin der Wellen" und erhält einen roten Sportwagen als Belohnung. Dank Ihres Einsatzes ist Schwimmen bald auch als Sport für Frauen akzeptiert – genauso wie der "Zweiteiler", ein Prototyp des Bikinis, den sie während des Schwimmens trägt.

Ederle ist zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfache Olympia-Preisträgerin im Schwimmen. Als Kind deutscher Einwanderer wird sie 1905 in New York City geboren und stirbt 2003 in New Jersey.

1932: Erste Autobahn Deutschlands eröffnet

Am 6. August 1932 weiht der damalige Oberbürgermeister der Stadt Köln, Konrad Adenauer, den erste Autobahnabschnitt Deutschlands ein. Die vierspurige Fernstraße verbindet die Städte Köln und Bonn auf einer fast durchgehend geraden Strecke von 20 Kilometern Länge. Adenauer und weitere Lokalpolitiker wollen mit dem Bau die Zahl der Unfälle reduzieren, die von immer mehr Autos verursacht werden.

Erste Autobahn Deutschlands 1932 (heute A555)
Die erste Autobahn Deutschlands wird 1932 nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Kostenpunkt des Vorhabens: 8,6 Millionen Reichsmark (etwa 31 Millionen Euro). Die Hälfte des Geldes kommt von der Reichsregierung aus Berlin, weshalb das Bauvohaben zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wird. Mehr als 5.500 Bauarbeiter kommen zum Einsatz.

Anders als bisherige Straßen gibt es auf der Autobahn besondere Verkehrsregeln: Das Halten, Parken und Wenden ist verboten, genauso wie das Befahren mit Pferdefuhrwerken, Fahrrädern oder Motorrädern.

Zu Zeiten der Nazi-Diktatur wird die Autobahn als normale Landstraße ausgewiesen, denn Adolf Hitler will sich als Erfinder der Autobahn inszenieren. Erst 1958 wird die Strecke wieder Teil des deutschen Autobahnnetzes. Seit 1974 heißt die Strecke A555.

1961: Wostok 2 umkreist die Erde

Um 8:57 Uhr Ortszeit hebt der sowjetische Kosmonaut German Titow 1961 vom Kosmodrom in Baikonur ab. Nach Juri Gagarin soll Titow den zweiten Raumflug eines Menschen ins All antreten. Titow allerdings soll die Erde nicht nur einmal, sondern innerhalb von 24 Stunden sogar 18 Mal umrunden. Der Weltraumflug verläuft ohne große Zwischenfälle. Titow ist es möglich, Filmaufnahmen aus seiner Kapsel zu machen, die er kurzzeitig sogar selbst steuert. Er leitet nach 17 Erdumrundungen den Landeanflug ein. Anschließend verlässt er mit dem Schleudersitz die Kapsel und landet mit seinem Fallschirm bei Kransy Kut. Die Raumkapsel verglüht in der Erdumlaufbahn.

Bis 2021 ist Titow der jüngste Mensch, der jemals die Erde umkreiste. Sein Weltraumflug beweist, dass ein Mensch längere Zeit in der Schwerelosigkeit überleben kann als bisher angenommen.

1991: Weltweit erste Webseite geht online

Im Auftrag der Forschungsorganisation CERN erstellt der Physiker Tim Berners-Lee die erste Webseite. Am 6. August 1991 geht sie online. Noch heute ist eine Nachbildung aufrufbar: Ihr Inhalt beschreibt die Erstellung und die Sichtbarkeit von Webseiten im World Wide Web.

Lee hatte für CERN die Grundlagen des World Wide Web erarbeitet. In den Anfangsjahren soll das Internet vor allem den Informationsaustausch zwischen Forschungseinrichtungen über lange Distanzen hinweg vereinfachen. Grundsteine des WWW sind bis heute die Auszeichnungssprache HTML (deren Inhalte eine Webseite strukturiert), das Transferprotokoll HTTP (das die Übertragung von Dateien im Internet koordiniert), die URL (die das Auffinden dieser Daten ermöglicht), sowie ein Webbrowser (der die fertigen Internetseiten darstellt).

Seit dem 30. April 1993 ist das Internet öffentlich für alle zugänglich. Berners-Lee ist heute Professor am Massachusetts Institute of Technology.

2004: Letzter Politbüro-Prozess geht zu Ende

15 Jahre nach dem Mauerfall endet der letzte Prozess, in dem Angehörige des früheren DDR-Politbüros für die Mauertoten verantwortlich gemacht werden. Am 6. August 2004 werden Hans-Joachim Böhme und Siegfried Lorenz vom Berliner Landgericht wegen Beihilfe zum mehrfachem Mord zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Böhme war früherer SED-Bezirkschef in Halle gewesen, Lorenz hatte das gleiche Amt in Karl-Marx-Stadt bekleidet. Laut Gericht hätten die Angeklagten als Angehörige des Politbüros einschreiten müssen, um Beschlüsse wie den Schießbefehl an der Mauer zu verhindern. Am 9. November 2004 legt die Strafverfolgung die Prozesse um die Mauertoten schließlich ad acta.

Der erste Mauerschützenprozess beginnt bereits im September 1991. Vier Grenzsoldaten sind angeklagt, den letzten Mauerflüchtling Chris Gueffroy, erschossen zu haben. 1992 steht sogar Erich Honecker mit anderen Mitgliedern des Nationalen Verteidigungsrates vor Gericht. Wegen Honeckers schlechtem Gesundheitszustand wird der Prozess eingestellt, Honecker geht im Januar 1993 ins chilenische Exil.