Überraschende Verbindung Die Royals und ihre deutschen Wurzeln

Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. wird das Haus Windsor von einem Trauerfall erschüttert. Aber warum eigentlich Windsor? Das britische Königshaus hat deutsche Wurzeln, die bis nach Gotha reichen. Bis 1917 ließ das ihr Name auch noch erkennen. Doch dann benannten sich die Royals in Windsor und wurden englisch. Warum?

Der britische Prinz Harry, Prinz Charles, Camila, die Herzogin von Cornwall und Prinz William, Herzog von Cambridge.
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"Gotha adelt" - das ist der Slogan, mit dem Gotha um Touristen wirbt. Und um die Royals des Vereinigten Königreichs. Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch ließ nichts unversucht, um Queen Elizabeth II. in seiner Stadt empfangen zu können - ein Traum, der nun nicht mehr in Erfüllung gehen wird. Aber vielleicht gelingt ihm das ja jetzt mit König Charles III. Denn das britische Königshaus hat Wurzeln in Gotha. Genauer gesagt entstammt es dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Nur haben sich die Royals vor über 100 Jahren in "Windsor" umbenannt. Der Grund dafür war der Erste Weltkrieg.

King Georg V. gibt nach

King Georg V
King Georg V. änderte den Namen der Königsfamilie in "Windsor" Bildrechte: IMAGO / Arkivi

Damals war das Verhältnis der Briten zu den Deutschen denkbar schlecht. An zwei Fronten schlug King Georg V. die Abneigung der Briten gegenüber ihm als Deutschstämmigen entgegen: Zum einen machte die Presse in Großbritannien Stimmung gegen ihn und seine Familie. Zum anderen soll selbst Premierminister Lloyd George den König abfällig als "meinen kleinen deutschen Freund" betitelt haben. Georg V. tat seinerseits alles, um das Vertrauen der Briten zurückzugewinnen und beschloss, sich radikal von seinen deutschen Wurzeln zu trennen. Er erfand das Adelsgeschlecht Windsor, benannt nach dem Familiensitz Windsor Castle, westlich von London. Am 17. Juli 1917 proklamierte der König das neue "Haus Windsor". Mit dieser eindeutigen Positionierung gegen das Deutsche Reich gewann King Georg V. endlich die Gunst der Briten.

Das Ende des deutschen Adels auf dem britischen Thron

Ein undatiertes Foto zeigt Königin Victoria von England
Queen Victoria hat ebenfalls deutsche Wurzeln: Sie entstammt dem Haus Hannover Bildrechte: dpa

Georg V. entstammte selbst dem Hause Saxe-Coburg and Gotha, wie die Dynastie auf Englisch hieß. Den Namen brachte sein Großvater, Prinz Albert, der Ehemann der berühmten Queen Victoria in die Familie. Zwar war Prinz Albert als Prinzgemahl politisch untergeordnet, doch traditionell wurde die Dynastie nach dem Mann benannt und so hießen die Royals nun Sachsen-Coburg und Gotha. 1845 bereiste die Queen gemeinsam mit Albert die Heimat des Prinzgemahls. Tagebucheinträge der Queen verraten, dass sie sich in Gotha offenbar sehr wohl gefühlt hat.

Plötzlich König

Als König Georg V. 1936 stirbt, ist dessen Sohn Edward VIII. Thronfolger. Und er bringt einen Skandal ins Haus Windsor: Er führt eine Beziehung mit der Amerikanerin Wallis Simpson, die zum einen eine Bürgerliche und zum anderen zweimal geschieden ist. Edward muss sich entscheiden - Krone oder Liebe? Er entscheidet sich für die Liebe und dankt nach einem knappen Jahr als König ab.

Queen Elisabeth bei ihrer Krönung am 02.06.1953.
Queen Elizabeth II bei ihrer Krönung am 2. Juni 1953 Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Nun besteigt sein jüngerer Bruder, Georg VI., den Thron. Er stirbt 1952 und seine Tochter Elizabeth wird Queen Elizabeth II. Auch sie hat einen Prinzen mit deutschen Wurzeln geheiratet: Philipp von Griechenland und Dänemark. Seine Familie entstammt den Häusern Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Hessen. Der Prinz besuchte sogar einige Zeit die Schule Schloss Salem, in Baden-Württemberg.

In Gotha wehen die Flaggen auf Halbmast

Der Sarg des verstorbenen Prinzen Philip wird gefolgt von Mitgliedern der königlichen Familie in die St.-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor getragen. Die Trauerfeier und Beisetzung von Queen-Ehemann Prinz Philip, Herzog von Edinburg, finden auf Schloss Windsor statt. Prinz Philip war am 9. April im Alter von 99 Jahren gestorben.
Der Sarg des verstorbenen Prinzen Philip wird gefolgt von Mitgliedern der königlichen Familie in die St.-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor getragen. Bildrechte: dpa

Im April 2021 stirbt Prinz Philip zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag auf Schloss Windsor. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nehmen auch drei seiner deutschen Verwandten an der Trauerfeier teil. Über ein Jahr nach ihrem Ehemann verstirbt auch Queen Elizabeth II. am 08. September 2022 auf Schloss Balmoral. Das Amt des Regenten geht damit auf ihren Sohn über, der zwei Tage später als King Charles III. proklamiert wird.
Mit der Beerdigungszeremonie von Queen Elizabeth II. findet am 19. September erstmalig seit über 250 Jahren eine Beisetzung in Westminster Abbey statt. Dann werden auch in Gotha die Flaggen auf Halbmast wehen - aus Ehrerbietung vor dem dienstältesten Staatsoberhaupt.

Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2017