Polen Sind Polens Medien überfremdet?

vier Menschen auf einer Showbühne
Der polnische Fernsehsender TVN befindet sich in US-amerikanischer Hand. Alleiniger Eigentümer ist die Gesellschaft Scripps Networks Interactive. TVN ist mit knapp zehn Prozent Marktanteil das drittpopulärste Programm im Land. Neben einer Menge Unterhaltung – zum Beispiel dem polnischen Ableger von "Topmodel" mit dem polnischen Topmodel Anja Rubik (im Bild) – liefert TVN auch seriöse Nachrichten. Bildrechte: IMAGO
vier Menschen auf einer Showbühne
Der polnische Fernsehsender TVN befindet sich in US-amerikanischer Hand. Alleiniger Eigentümer ist die Gesellschaft Scripps Networks Interactive. TVN ist mit knapp zehn Prozent Marktanteil das drittpopulärste Programm im Land. Neben einer Menge Unterhaltung – zum Beispiel dem polnischen Ableger von "Topmodel" mit dem polnischen Topmodel Anja Rubik (im Bild) – liefert TVN auch seriöse Nachrichten. Bildrechte: IMAGO
Eine Reporterin führt ein Interview.
Das Nachrichtenmagazin "Fakty" ist eines der Aushängeschilder von TVN. Im Laufe der Jahre hat es sich einen guten Ruf erarbeitet. Im September 2001 wurde ein Ableger mit dem Namen TVN24 gegründet – der erste reine Nachrichtensender Polens. TVN und TVN24 gelten als PiS-kritisch. In den Jahren 2008-2009 wurden die beiden Sender sogar offiziell von Politikern der PiS-Partei boykottiert. Bildrechte: IMAGO
Alte Residenz und Veste Oberhaus mit Oberhausmuseum in Passau
In der beschaulichen bayerischen Stadt Passau an der Donau ist die Regionalzeitung "Passauer Neue Presse" beheimatet. Was viele aber nicht wissen – von hier aus wird auch ein Großteil des polnischen Zeitungsmarkts gemanagt. Der Verlag hat nämlich einen polnischen Ableger unter dem Namen Polska Press, der 20 Regionalzeitungen herausgibt, auch in Großstädten wie Danzig, Breslau und Krakau. Insgesamt erreicht Polska Press nach eigenen Angaben über sechs Millionen Leser. Bildrechte: IMAGO
"Fakt" , die erste vom deutschen Axel Springer Verlag auf dem polnischen Markt herausgegebene Tageszeitung, aufgenommen am 05.11.2003 an einem Kiosk im polnischen Slubice. Seit dem 22.10.2003 ist "Fakt" auf dem Markt  und ähnelt mit den vier weißen Buchstaben im roten Kasten der deutschen "Bild"-Zeitung. Mittelfristig wird eine  Auflage von 300.000 Exemplaren angepeilt. Das polnische Tochterunternehmen von Springer, Axel Springer Polska, sieht sich mit 15 Zeitschriften, darunter auch Frauen-, Mädchen-, Auto- und Computertitel,  als zweitgrößter Zeitschriftenverlag in Polen und Marktführer im Anzeigenmarkt.  Mit "Fakt"  erscheint der sechste Titel aus dem Verlagshaus Springer in diesem Jahr im Ausland.
Die auflagenstärkste Zeitung Polens gehört zum deutsch-schweizerischen Springer-Konzern. "Fakt" lehnt sich in Aufmachung und Themenwahl eng an die deutsche Bild-Zeitung an. Dennoch scheut sich das Blatt nicht, antideutsche Töne anzuschlagen. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2008 wurden sogar beide Blätter – "Fakt" und "Bild" – mit dem Negativpreis "Hyäne des Jahres" ausgezeichnet, weil sie die Fans beider Länder gegeneinander aufhetzten. Bildrechte: IMAGO
ein Zeitschriftencover
Zum polnischen Ableger des Springer-Konzerns gehört aber auch das Wochenblatt "Newsweek Polska".  Sein Chefredakteur ist Tomasz Lis, einer der angesehensten polnischen Journalisten. Der PiS-Partei gilt er als Erzfeind. Wie viele regierungskritische Medien leidet "Newsweek Polska" massiv darunter, dass Staatsunternehmen und Ministerien seit dem Regierungsantritt der PiS deutlich weniger Anzeigen schalten. Bildrechte: IMAGO
Computerbildschirm mit dem polnischen Internetportal onet.pl
Auch das beliebteste Internetportal des Landes, onet.pl, befindet sich inzwischen in ausländischer Hand. 75 Prozent der Anteile hält die deutsch-schweizerische Springer-Gruppe, den Rest ein US-amerikanisches Unternehmen. Im Mai 2016 lag onet.pl mit rund 17 Millionen Usern deutlich vor seinem zweitplatzierten, rein "polnischen" Mitbewerber wp.pl. Das Portal ist bereits 1996, in der grauen Urzeit des polnischen Internets, entstanden – damals allerdings als reiner Webseitenkatalog. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bundeskanzlerin Angela Merkel (GER/CDU) nährt Präsident Lech Kaczynski (POL) und Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski (POL) als - Stiefmutter Europa - an ihrem Busen
Doch die polnische Medienlandschaft besteht bei weitem nicht nur aus Titeln mit ausländischen Eigentümern. Die renommierten Wochenblätter sind mehrheitlich in polnischer Hand. So zum Beispiel die Zeitung "Wprost", die 2007, als die PiS-Partei zum ersten Mal regierte, mit einer barbusigen Angela Merkel auf Leserfang ging. Bildrechte: IMAGO
Marktanteile Fernsehsender Polen
Dass die polnische Medienlandschaft keineswegs völlig überfremdet ist, belegt auch ein Blick auf die Zahlen. Den polnischen Fernsehmarkt dominieren traditionell "die großen Vier", zu denen die öffentlich-rechtlichen Kanäle TVP1 und TVP2 und die Privatsender Polsat und TVN zählen. Nur einer dieser vier Sender befindet sich in ausländischer Hand. (Marktanteile zum 12.02.2017) Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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