Vor 50 Jahren Absturz aus dem Weltall

Wladimir Komarow war der erste Raumfahrer, der bei seiner Rückkehr tödlich verunglückte. Er starb am 24. April 1967, weil die Sowjets unter Zeitdruck eine unausgereifte Sojus ins All schickten. Sie wollten damit vor den US-Amerikanern auf dem Mond landen - das misslang. Komarow ging als Held in die sowjetische Raumfahrtgeschichte ein.

In den 1960er-Jahren lieferten sich die Sowjetunion und die USA einen Wettkampf, wer als erster einen Menschen zum Mond bringen würde. Unter enormem Zeitdruck stehend, testete die sowjetische Führung ihr neu entwickeltes Raumschiff "Sojus 1". An Bord war am 23. April 1967 Kosmonaut Wladimir Komarow – ein Weggefährte Juri Gagarins. Doch schon kurz nach dem Start plagte sich der 40-jährige, hoch qualifizierte Komarow mit gravierenden Problemen: So entfaltete sich ein Solarpanel des Raumschiffes nicht vollständig. Weil es schließlich an Strom mangelte, begann die Sojus immer stärker zu schlingern.

Ungebremst zur Erde gerast

Nachdem Komarow in der Nacht eindringlich um Rückkehr zu Erde bat, gab die sowjetische Bodenkontrolle schließlich den Befehl zur handgesteuerten Landung. Doch für den Kosmonauten war die Landung nicht die Rettung, sondern der Tod. Weil sich weder der Haupt- noch Reserveschirm öffneten, raste Komarow in der tonnenschweren Raumkapsel ungebremst zur Erde - mit 180 Stundenkilometern. Die Wucht des Aufpralls - etwa 50 Kilometer östlich von Orsk - zerschmetterte das Raumschiff. Komarow, der verheiratet und Vater zweier Kinder war, erhielt ein Staatsbegräbnis an der Moskauer Kremlmauer. Seine Urne aber soll leer geblieben sein. Was von seinen sterblichen Überresten übrig blieb, war bereits an der Absturzstelle begraben worden.

Raumschiff so groß wie ein Omnibus

Der Start des neuen Raumschiffs war im Vorfeld triumphalisch gefeiert worden, weltweit wurde darüber berichtet. Das "Neue Deutschland" der DDR titelte damals, die Sowjetunion habe einen "völlig neuen Raumschifftyp ins All entsandt, so groß wie ein Omnibus, getragen von einer mächtigen Rakete". Als die Zeitungsausgabe unters Volk kam, war Sojus-Pilot Komarow bereits tot. Zwölf Stunden hatte die staatliche sowjetische Nachrichtenagentur "Tass" mit der Bekanntgabe des Unglücks gezögert, doch schließich musste der Fehlschlag vor der Weltöffentlichkeit zugegeben werden. Bei der Untersuchung des Unglücks fand man später heraus, dass die Sojus zahlreiche Konstruktions- und Fertigungsgsmängel aufwies.

"Wir haben ihn zu früh losgeschickt"

Der Absturz von "Sojus 1" und der Tod des Moskauer Kosmonauten Komarow waren ein harter Schlag für die ambitionierte sowjetische Raumfahrt. Die Führung in Moskau hatte schließlich das Ziel ausgegeben, als erstes Land der Welt den Mond mit einem bemannten Raumschiff zu umrunden und später auf dem Erdtrabanten zu landen. Unter Hochdruck entwickelten Ingenieure den neuen Raumschiff-Typ "Sojus".

Viele Jahre nach dem Tod Komarows räumte der damals beteiligte Ingenieur Boris Tschertok ein, dass die "Sojus 1" bei ihrem Start nicht ausgereift gewesen sei. 2013 sagte Tschertok der Zeitung "Komsomolskaja Prawda": "Was Komarow passiert ist, war unser Fehler. Wir haben ihn zu früh losgeschickt." Doch im Politbüro in Moskau hatte das 1967 niemand wahrhaben wollen.

"Sojus" als lukratives Geschäft

Trotz des tragischen Jungfernfluges entwickelte sich das "Sojus"-Raumschiff zur größten Erfolgsgeschichte der sowjetischen und russischen Raumfahrt. Bis heute nutzt Russland die Raketen und Kapseln in abgewandelter Form – mit ihnen wird auch der Nachschub für die Internationale Raumstation (ISS) organisiert.

Für Moskau ist die "Sojus" ein lukratives Geschäft: Seit die USA ihr Shuttle-Programm eingestellt haben, fliegen auch amerikanische und europäische Astronauten mit der Sojus zur ISS. Ein Platz in der Rakete soll rund 77 Millionen Euro kosten.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen: Kosmonauten-Kult – Die Gagarin-Story | 06.09.2005 | 22:05 Uhr