Auf der Suche nach Helden

Ungarische Helden haben immer etwas Tragisches an sich. Etwas an ihnen ist anders als bei Superman. Was das ist, und warum sie so sind, das will Christiane Wittenbecher diese Woche in Budapest herausfinden.

Ostbloggerin Christiane Wittenbecher in Budapest bei Attila Ambrus
Christiane Wittenbecher und der frühere Whiskey-Räuber Attila Ambrus Bildrechte: MDR/Christiane Wittenbecher

Ein zweifelhafter, aber ungemein charmanter Held ist Attila Ambrus. In den 90ern hat er in Budapest eine Serie von Banküberfällen hingelegt, die seinesgleichen sucht. Weil er sich vorher immer mit Whiskey Mut antrank, bekam er den Spitznamen Whiskey-Räuber. Auch heute gilt er als moderner Robin Hood, weil er den verhassten Banken das Geld stahl. Seit zwei Jahren ist er auf Bewährung draußen und verdient sein Geld mit ehrlichen Keramikarbeit. Glücklicherweise lässt sich seine Vergangenheit herorragend vermarkten. Als wir das Foto machen, flüstert er mir ins Ohr: "Watch your money!".

Meine Suche nach Helden führt mich zu einer sehr kuriosen Adresse, dem Memento-Park im Süden von Budapest. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Ostblock-Ländern hat Ungarn sich nämlich nicht einfach seiner Ex-Helden entledigt, sondern sie in einem Statuenpark aufgestellt. So auf einen Haufen versammelt wirken sie ziemlich grotesk. Ich finde, eine sehr sympathische Art, mit den unliebsamen Kolossen umzugehen.

Memento Park Budapest, Frühjahr 2014 - Skulptur: Arbeiter und Soldat reichen sich die Hand
Nicht nur berühmte kommunistische Persönlichkeiten, auch allegorische Denkmäler findet man im Park - wie das vom Händedruck zwischen einem Ungarn und einem Sowjetsoldaten als Symbol für die ungarisch- sowjetische Freundschaft. Bildrechte: MDR/Christiane Wittenbecher

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Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2016, 09:31 Uhr