Überreste der Todesopfer vom Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April 2010 werden in Särgen nach Warschau gebracht und mit Militärehren dort am Flughafen empfangen.
Bildrechte: IMAGO

Polen Exhumierung der Absturzopfer von Smolensk spaltet das Land

Am 14. November hat die Exhumierung der Opfer der Flugzeugkatastrophe von Smolensk begonnen. So hat es die polnische Staatsanwaltschaft angeordnet. Das ganze Land und auch die Opfer der Angehörigen sind gespalten ...

Überreste der Todesopfer vom Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April 2010 werden in Särgen nach Warschau gebracht und mit Militärehren dort am Flughafen empfangen.
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Sechs Jahre ist es jetzt her, dass das Präsidentenflugzeug mit 96 Passagieren an Bord bei Smolensk abstürzte. Für Polens Regierung ist der Fall, trotz Ermittlungen, nicht abgeschlossen. Gegen den Willen vieler Angehöriger sollen alle Toten exhumiert. Für Montag, den 14. November 2016, setzte die Staatsanwaltschaft den Beginn der Exhumierungen an. Zuerst wurden die Leichname des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski und seiner Frau Maria aus dem Grab geholt.

Sein Zwillingsbruder, Jaroslaw Kaczynski, ist Vorsitzender der regierenden Partei PiS (Recht und Gerechtigkeit). Er hat Zweifel daran, dass der Flugzeugabsturz ein Unglück war. Die Tragödie wird seit Jahren politisiert. Für die Hinterbliebenen ist dies besonders bitter. Die jetzige Regierung wirft ihren Vorgängern vor, Fehler bei den Ermittlungen zugelassen zu haben. Da die Ermittlungen von Polen und Russen geführt wurden, macht die Staatsanwaltschaft beiden Vorwürfe: Fehlerhafte medizinische Dokumentation der Toten und vertauschte Körperteile der Opfer sind eine die schwerwiegendsten. Deswegen müssten, wie der Staatsanwalt betonte, alle 83 erdbestatteten Toten exhumiert werden. 13 Opfer wurden eingeäschert.

Doch der Flugzeugabsturz bei Smolensk spaltet nicht nur die Politik, er spaltet das ganze Land. Auch die Hinterbliebenen der Opfer sind nicht einer Meinung. 200 Angehörige haben einen Brief unterschrieben, in dem sie dazu aufrufen, ihren Willen zu respektieren und ihre Verwandten nicht auszugraben. Andere haben sich selbst an die Staatsanwaltschaft mit einer Bitte gewendet, die Leichen ihrer Verwandten zu exhumieren.

HEUTE IM OSTEN hat mit Magdalena Merta gesprochen, der Ehefrau des beim Absturz ums Leben gekommenen Vize-Kulturministers Tomasz Merta. Sie bat selber die Staatsanwaltschaft um die Exhumierung. Pawel Deresz, der bei der Katastrophe seine Frau Jolanta Szymanek-Deresz, die die Chefin des Präsidialamtes von Aleksander Kwasniewski war, ist empört über diese Entscheidung und will sich wehren.

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2016, 13:57 Uhr