Brexit-Botschafter: William und Kate waren zu Besuch in Polen

Prinz William und Herzogin Kate sind weiter in Deutschland unterwegs. Zuvor waren sie seit Montag in Polen zu Besuch. Zum Auftakt der schwierigen Brexit-Verhandlungen wollten sie das angekratzte Image der Briten aufpolieren. Die Charme-Offensive zeigte den gewünschten Erfolg – von den Polen wurde das royale Paar regelrecht umjubelt.

Das Prinzenpaar begann seinen zweitägigen Besuch in Polen am Montagnachmittag. Mit den beiden Kindern George und Charlotte landete es in einem Privatjet in Warschau. Auf dem Programm standen Treffen mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda und mit polnischen Start-up-Unternehmern. Am Dienstag ging es in die Hafenstadt Danzig weiter. Dort besuchten die Royals ein Stadtfest und trafen die Solidarnosc-Legende Lech Walesa.

William und Kate betreiben Brexit-Diplomatie

Für Prinz William und Herzogin Kate war es der erste Besuch in Polen. Einen offiziellen Anlass dafür gab es nicht, doch britische Medien deklarierten die Visite bereits als "Brexit-Diplomatiereise". Denn zur gleichen Zeit begann am Montag die erste mehrtägige Verhandlungsrunde über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Die Royals seien Großbritanniens beste Botschafter, sagte Jonathan Knott, britischer Botschafter in Warschau, der Nachrichtenagentur PAP. Ihr Einsatz scheint nach dem Brexit-Votum besonders gefragt, denn der Ruf der Briten bei den Polen hat seitdem sehr gelitten. Schon die Brexit-Kampagne hatte sich auch gegen die 800.000 bis 900.000 Polen gerichtet, die Schätzungen zufolge in Großbritannien leben.

Royals in Polen
Für Prinz William und Herzogin Kate ist es der erste Staatsbesuch in Polen. Sie unternehmen die Reise auf Wunsch der britischen Regierung, die auf diese Weise das Image des Landes aufpolieren will, das durch den Brexit gelitten hat. Bildrechte: IMAGO
Royals in Polen
Für Prinz William und Herzogin Kate ist es der erste Staatsbesuch in Polen. Sie unternehmen die Reise auf Wunsch der britischen Regierung, die auf diese Weise das Image des Landes aufpolieren will, das durch den Brexit gelitten hat. Bildrechte: IMAGO
Polnischer Präsidentenpalast für kleine Royals gewappnet
Als Geheimwaffen bei dieser Charme-Offensive der Briten gelten die Mini-Royals George und Charlotte. Im Warschauer Belvedere-Palast, in dem die Familie Quartier bezog, wurden Spielsachen, ein Indianer-Zelt und bunte Rutschen eingerichtet. Alle Spielsachen würden aus polnischer Produktion stammen, hieß es. Bildrechte: Kancelaria Prezydenta RP (Präsident der Republik Polen, offizieller Twitter-Account)
Kate und William, Besuch Warschauer Aufstandmuseum
Der Empfang durch Polens Präsident Andrzej Duda und seiner Frau Agata war der Auftakt des straffen Programms: es folgte ein Besuch im Museum des Warschauer Aufstandes gegen die deutschen Besatzer im Jahr 1944. Bildrechte: IMAGO
Royals in Polen
Außerdem standen Gespräche mit Startup-Unternehmen im Wolkenkratzer "Warsaw Spire" an. Eine Veranstaltung dort mit jungen Unternehmern soll laut Kensington-Palast der Beginn eines Programms namens "Warschau-London-Brücke" sein, das aufstrebenden polnischen Firmen den Zugang zum britischen Markt erleichtern soll. Bildrechte: IMAGO
Kate mit roter Handtasche
Das royale Paar setzt bei der Visite nicht nur auf diplomatische Statements. Auch in Sachen Mode punktet Herzogin Kate bei den Polen. Sie trägt in Warschau einen weißen Zweiteiler und passend dazu eine rote "Clutch"-Handtasche. Die weiß-rote Farbauswahl ist eine Reminiszenz an die polnischen Nationalfarben. Bildrechte: IMAGO
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Anti-Polnische Attacken nach Brexit-Votum

Nach der Abstimmung sorgte eine Welle rassistischer (Verbal)-Attacken für Verstimmung. Polen wurden – etwa in Wandschmierereien – als Parasiten beleidig und zum Verlassen des Landes aufgefordert. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Allerdings sind viele auf den Inseln lebende Polen verunsichert, ob sie nach dem EU-Austritt werden bleiben können.

Denn wie der Brexit im Detail abgewickelt wird, ist noch Gegenstand langwieriger Verhandlungen, die gerade erst beginnen. Das Prinzenpaar soll zum Auftakt für eine gute Stimmung sorgen. Die Initiative dafür geht vom britischen Foreign Office aus. Dieses hatte sich bereits Anfang des Jahres an die königliche Familie mit der Bitte gewandt, einige der wichtigsten EU-Länder zu besuchen.

Für Prinz William und Herzogin Kate ist es bereits die zweite Tour dieser Art. Im März, kurz vor dem offiziellen Austrittsgesuch Großbritanniens, waren sie in Frankreich unterwegs. Und auch Williams Vater, Prinz Charles, besuchte in gleicher Mission mehrere europäische Länder.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: TV | 17.07.2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2017, 09:01 Uhr