Weltberühmte Kunstwerke Gemäldegalerie in Dresden: Diese Alten Meister sollten Sie gesehen haben

Nach siebenjähriger Teilschließung locken ab dem 29. Februar die Gemäldegalerie Alte Meister und die Skulpturensammlung bis 1800 wieder in voller Pracht in den Semperbau am Zwinger. Das Dresdner Museumsgebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde umfassend saniert, außerdem wurden mehr als 20 Meisterwerke restauriert. Über 700 Gemälde und rund 450 Skulpturen und Plastiken sind in der Ausstellung zu sehen, darunter die "Schlummernde Venus", Raffaels "Sixtinische Madonna" und Giambolognas "Mars". Ein Einblick in die weltweit einzigartige Sammlung.


Andrea Mantegna: Die Heilige Familie, um 1495-1500

'Die heilige Familie' von Andrea Mantegna
"Die heilige Familie" von Andrea Mantegna Bildrechte: dpa

Mantegna gilt heute als einer der bedeutendsten oberitalienischen Maler der Frührenaissance. Er war Vorreiter einer Wiederentdeckung der Antike, ein früher Meister in der Darstellung von beherrschter Emotionalität und illusionistischer Perspektive.

Das Gemälde, das Maria mit dem Jesusknaben, neben ihr Josef und die bejahrte Elisabeth mit ihrem Sohn Johannes zeigt, ist ein Spätwerk. Das Andachtsbild hat eine ungewöhnliche Komposition, zeigt alle Figuren in gleicher Position und auf gleicher Höhe in frontaler Ansicht vor einem dunklen Hintergrund. Mantegna modelliert seine Figuren wie Skulpturen. Für diese ungewöhnliche Komposition ließ er sich von antiken Grabreliefs und mittelalterlichen Bildvorstellungen inspirieren. Jeder erzählerische Duktus wird vermieden, die unterschiedlichen Blickrichtungen der Augen erzeugen die Spannung im Bild.


Giorgione: Schlummernde Venus, um 1508-1510

Giorgione, Schlummernde Venus, um 1508-1510
Giorgione: Schlummernde Venus Bildrechte: SKD/Hans-Peter Klut

Die vollkommen nackt und schlafend dargestellte Venus, diagonal ins Bild gesetzt in einer arkadischen Landschaft, verkörpert frei von aller Koketterie und ohne göttliche Attribute das Schönheitsideal der Hochrenaissance. Sie scheint völlig im Einklang mit der sie umgebenden Natur. Kein Geringerer als Tizian soll das Bild nach dem frühen Pesttod Giorgiones fertiggestellt und die Landschaft hinzugefügt haben. Auf dem Röntgenbild des Gemäldes zeichnet sich zu Füßen der Göttin die Gestalt eines kleinen Amors ab, die später übermalt wurde.


Raffael: Die Sixtinische Madonna, 1512/13

Die Sixtinische Madonna.
Raffael: Die Sixtinische Madonna Bildrechte: SKD/Estel/Klut

Raffaels Madonna ist das wohl berühmteste Bild der Galerie und eines der weltweit bekanntesten Meisterwerke der Hochrenaissance. Entstanden ist es vor über 500 Jahren für den Hochaltar der Klosterkirche in Piacenza. Umgeben von einer Engelsglorie erscheint Maria mit dem Kind auf dem Arm in den Wolken. Da Raffael fast völlig auf die Konstruktion eines Bildraumes verzichtet, wirkt das Gemälde wie eine Vision, die sich zum Betrachter hin öffnet.

1754 erwarb sie August III., sächsischer Kurfürst und König von Polen, für seine Sammlung, es waren lange Verhandlungen und eine teure Erwerbung. Getragen vor allem durch die Begeisterung der Romantiker wurde die Madonna zum Objekt geradezu kultischer Verehrung. Früh entdeckten die Andenken- und die Werbeindustrie die beiden Engel am unteren Bildrand für ihre Zwecke.


Lucas Cranach d. Ä.: Herzog Heinrich der Fromme und Herzogin Katharina von Mecklenburg,1514

Eine junge Frau betrachtet 2005 in den Kunstsammlungen Chemnitz die Bilder 'Herzog Heinrich der Fromme' und 'Herzogin Katharina von Magdeburg' von Lucas Cranach d. Ä..
Herzog Heinrich der Fromme und Herzogin Katharina von Mecklenburg von Lucas Cranach d. Ä. Bildrechte: dpa

Die beiden Bildnisse bestechen durch die feine Ausführung der Malerei, sowohl in den Porträts des Paares, vor allem aber auch in der artifiziellen Darstellung der dekorativen und repräsentativen Gewänder.

Wahrscheinlich wurde die Doppeltafel aus Anlass der Eheschließung in Auftrag gegeben. Es sind die ersten ganzfigurigen weltlichen Bildnisse in der europäischen Malerei, sie markieren eine neue Sicht auf das Individuum, seinen Stand, seine Haltung, seinen Charakter. Links neben dem Rock der Fürstin ist deutlich neben der Jahreszahl die geflügelte Schlange, das Werkstattzeichen der Cranachs, zu erkennen. Cranach d. Ä. war als Hofmaler den Wettinern eng verbunden, nahm aber auch Aufträge aus dem katholischen Lager an. Die Dresdner Galerie besitzt den weltweit größten Bestand an Gemälden der Malerfamilie und ihrer Werkstatt.


Rembrandt Harmensz van Rijn: Ganymed in den Fängen des Adlers, 1635

Ganymed in den Fängen des Adlers.
"Ganymed in den Fängen des Adlers" von Rembrandt Harmensz van Rijn Bildrechte: SKD/David Pinzer

Das 1635 gemalte, großformatige Historienbild nimmt einen besonderen Platz im Rembrandt-Bestand der Dresdner Galerie ein: es ist das vielleicht kurioseste und auffälligste. Ein Bild, das viele Rätsel aufgibt und Deutungen zulässt, obwohl das Motiv schnell zu überschauen und die mythologische Vorlage seit Homer, Vergil, Ovid bekannt ist.

Ganymed war ein schöner Jüngling, den die Götter als Mundschenk begehrten. Jupiter selbst, die Gestalt eines Adlers annehmend, hat ihn entführt. Diese Entführung in himmlisch-göttliche Sphären malt Rembrandt. Aber was macht er aus dem schönen Götterliebling? Einen garstig-schreienden, speckigen, vor Angst pinkelnden Knaben in den Fängen des riesigen Adlers. Rembrandt unterläuft den Mythos auf frappierende Weise. Er macht aus ihm eine Gegenwartsszene, wie er überhaupt keine Skrupel hatte, in ein und demselben Werk das Niedere und das Erhabene zu vermischen.


Jean-Etienne Liotard: Das Schokoladenmädchen, um 1744/45

Das Schokoladenmädchen
Jean-Etienne Liotard: "Das Schokoladenmädchen" Bildrechte: SKD/Estel/Klut

Ein Dienstmädchen serviert auf einem Tablett das damalige Modegetränk Schokolade und ein Glas Wasser. Die Feinheit der Ausführung, die konzentrierte Reglosigkeit des Mädchens und die nur von feinen Schatten konturierte Helligkeit des Bildes wurden schon im 18. Jahrhundert bewundert. Nach dem Urteil der berühmten Malerin Rosalba Carriera ist es "das schönste Pastell, das man je gesehen hat".

Pastellmalerei war im Rokoko "en vogue". Mit Pastellstiften, die auf rauen Untergrund trocken und kreideartig aufgetragen werden und einen locker haftenden Farbstaub erzeugen, können zarte und hochdifferenzierte Tönungen erreicht werden. Die Dresdner Galerie besitzt ein ganzes Kabinett mit Pastellmalerei. Das Bild wurde immer wieder für Schokolade- und Kakaowerbung benutzt und ist deshalb weithin bekannt.


Bernardo Bellotto, genannt Canaletto: Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke, 1748

Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke.
Canaletto: Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke Bildrechte: SKD/Estel/Klut

Kein anderes Bild hat den Mythos der Barockstadt Dresden so gefestigt wie dieses, kein Reiseführer kommt ohne den "Canalettoblick" aus. In detailreicher Darstellung hält der Maler die durch zahlreiche Barockbauten bereicherte sächsische Residenz fest: von der noch im Bau befindlichen Hofkirche über die Brühlsche Terrasse mit ihren Palais bis zur Kuppel der Frauenkirche.

Als Hofmaler Augusts III. schuf Bellotto zahlreiche Veduten von Dresden und Pirna. Seine Kunst spiegelt schon den Rationalismus der Aufklärung und bedeutete einen Schritt hin zur realistischen Landschaftsdarstellung. Das Gemälde wurde in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert.


Antike Skulpturen, die Herkulanerinnen, römische Kopien griechischer Originale

Antike Skulpturen , die Herkulanerinnen, römische Kopien griechischer Originale
Im Hintergrund: die Herkulanerinnen Bildrechte: SKD/David Brandt

Um das Jahr 1711 wurde bei Neapel ein sensationeller Fund gemacht: drei römische Marmorstatuen bekleideter Frauen. Als die ersten bedeutenden Funde aus Herculaneum erlangten sie in Europa unter dem Namen Herkulanerinnen Berühmtheit. Die fast lebensgroßen Statuen kamen 1736 aus dem Nachlass des Prinzen Eugen aus Wien nach Dresden. Es waren die ersten Antiken, die Johann Joachim Winckelmann im Original studierte und die so zu Schlüsselwerken bei der theoretischen Begründung des Klassizismus wurden.

Wen sie darstellen, ist bis heute umstritten, möglicherweise handelt es sich um Frauen aus den Familien lokaler Würdenträger. Die sogenannten Herkulanerinnen sind die repräsentativsten Beispiele für die Darstellung der bekleideten Frau in der antiken Skulptur.


Giambologna: Mars, vor 1587

Die Skulptur des Kriegsgottes Mars des Bildhauers Giambologna ist in einer Vitrine im Schloss Hartenfels ausgestellt.
Die Skulptur des Kriegsgottes Mars des Bildhauers Giambologna Bildrechte: dpa

Die herausragende, ca. 30 cm hohe Bronzestatue des Renaissancebildhauers Giambologna zeigt den nackten Kriegsgott ohne Helm und Rüstung – voranschreitend mit einer leichten Drehung des Kopfes, von allen Seiten schön und Herrschertugenden wie Kraft, Selbstbewusstsein, Selbstbeherrschung ausstrahlend. Giambologna war ein aus Flandern stammender, dann aber vor allem in Florenz am Hof der Medici wirkender Bildhauer.

Das Kunstwerk kam als Geschenk des Künstlers nach Dresden mit drei anderen Kleinbronzen. Als Sammlerstücke kamen sie in die Kunstkammer, dem Nukleus für die späteren Kunstsammlungen. Im Zuge der Fürstenabfindung ging der Mars in den Privatbesitz des Hauses Wettin über. Zuletzt gehörte er zur Firmensammlung der Bayer AG. Als diese ihn verauktionieren wollte, gelang es den Staatlichen Kunstsammlungen mit viel Unterstützung, das Werk für Dresden noch vor der Auktion zurückzukaufen.

Angaben zur Ausstellung Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800
Semperbau am Zwinger, Dresden

Adresse:
Gemäldegalerie Alte Meister
Zwinger
Theaterplatz 1
01067 Dresden

Öffnungszeiten und Eintritt

Am 28. Februar: von 22 bis 2 Uhr Abendöffnung im Semperbau am Zwinger, Eintritt kostenfrei

Am 29. Februar und 1. März: 10 bis 18 Uhr freier Eintritt in den Semperbau. Einlass aber nur mit limitierten Zeitkarten. Tickets sind an den SKD-Museumskassen erhältlich.

Ab 3. März 2020: täglich 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Regulär 14 Euro / Ermäßigt 10,50 Euro / unter 17 Jahren: frei

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Februar 2020 | 18:05 Uhr

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