Gemälde, Juwelen, Textilkunst Das sind die größten Museumsschätze in Sachsen

Die sächsischen Könige haben zahlreiche Kunstschätze in Dresden angehäuft, darunter eines der weltberühmtesten Gemälde der Renaissance und ein Diorama aus Gold und Juwelen. Aber auch in anderen Städten und ihren Museen finden sich bemerkenswerte Exponate: Ein uralter, versteinerter Wald in Chemnitz und ein außergewöhnliches Beispiel abendländischer Textilkunst in Zittau. Wir stellen einige Highlights sächsischer Museen vor, die sich über zahlreiche Besucherinnen und Besucher freuen, sobald es in der Corona-Krise wieder möglich ist.

Besucher der Gemäldegalerie - Alte Meister - bestaunen Raffaels Sixtinische Madonna
Besucher in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden betrachten "Die Sixtinische Madonna" von Raffael Bildrechte: imago/momentphoto/Robert Michael

Chemnitz: Der versteinerte Wald

Versteinerte Baumstämme stehen im Chemnitzer Tietz.
Versteinerte Baumstämme im Chemnitzer Tietz Bildrechte: Jürgen Gerhardt

Er gilt als einer der ältesten Naturdenkmäler der Welt und als bedeutende Sammlung von Kieselholz: Der versteinerte Wald aus Chemnitz. Nach einem Vulkanausbruch vor mehr als 290 Millionen Jahren begannen die Bäume auszuhärten und wurden im Laufe der Jahre immer mehr verschüttet. Bereits im Mittelalter wurden die "Fossilien" (das Wort begann sich damals durchzusetzen) erwähnt. 1752 wurden Stämme mit Wurzeln im Stadtteil Hilbersdorf ausgegraben und mit einem speziell angefertigten Wagen nach Dresden gebracht. Sie wurden im Zwinger gezeigt, bis sie einem Feuer zum Opfer fielen.

Doch während Chemnitz weiter wuchs, wurden bei Arbeiten auch immer mehr Kieselhölzer gefunden. Aus heutiger Sicht kann es als Glück gelten, dass die Fossilien nicht achtlos beseitigt, sondern umsichtig geborgen wurden. 1900 wurde dann der bis heute größte Stamm des versteinerten Waldes gefunden. Und was heute im Chemnitzer Naturkundemuseum und im Atrium des TIETZ gezeigt wird, ist nur ein Bruchteil dessen, was bisher geborgen wurde und noch an Ort und Stelle vermutet wird. Weltweit gibt es viele Fundstätten für versteinerte Wälder, aber der von Chemnitz ist insofern etwas Besonderes, weil er dort überliefert wurde, wo er auch gewachsen ist.

Mehr Informationen Der versteinerte Wald ist im Museum für Naturkunde im Tietz zu sehen.

Moritzstraße 20
09111 Chemnitz

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do und Fr von 10-17 Uhr
Sa, So und Feiertag von 10-18 Uhr
Mittwoch ist Ruhetag


Zittau: Die Zittauer Fastentücher

Das Große Zittauer Fastentuch gehört mit 56 Quadratmetern zu den größten und ältesten Hungertüchern seiner Art und ist in Deutschland einzigartig. Etwa um das Jahr 1000 entstand die Tradition zur Fastenzeit, vor Ostern den Altar abzudecken. Die Gläubigen sollten nicht nur auf Fleisch, Alkohol und Sex verzichten, sondern auch auf den Anblick des Allerheiligsten. Zunächst wurden dafür schlichte, meist violette Tücher verwendet. Später wurden die Tücher aufwendig verziert, wie auch die "Zittauer Hungerlappen" beweisen.

Besucher betrachten  in der Kirche zum Heiligen Kreuz das Grosse Zittauer Fastentuch
Besucher betrachten in der Kirche zum Heiligen Kreuz das Große Zittauer Fastentuch Bildrechte: imago images / epd

Das Große Fastentuch wurde im Jahr 1472 angefertigt. 200 Jahre lang war im Gebrauch der Kirche Sankt Johannis in Zittau. Das Fastentuch wurde nach seiner Ausmusterung jahrhundertelang eingelagert. Im Zweiten Weltkrieg kam es auf den Oybin, wo es Soldaten der Roten Armee fanden, zerschnitten und als Abdeckung ihrer Badestube nutzten. Das ruinierte Tuch kam wieder ins Depot und wurde erst 1989 gesucht. 1994/95 wurde es in der renommierten Schweizer Abegg-Stiftung restauriert und kehrte nach Zittau zurück. Dort hat es in der Kirche zum Heiligen Kreuz seinen Platz.

Thematisch beschäftigt es sich mit dem Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Das Tuch ist in mehrere Flächen unterteilt (90 Felder in zehn Reihen), die verschiedene Szenen aus der Heiligen Schrift zeigen und somit wie ein Art Bilderbibel funktionieren. Diese Form des Fastentuchs wird als Feldertyp bezeichnet und ist in Deutschland einmalig. Es gilt als eines der bedeutendsten Textilarbeiten des europäischen Mittelalters.

Das Kleine Fastentuch stammt aus dem Jahr 1573. Es ist eines von acht Arma-Christi-Tüchern weltweit und das einzige in Deutschland. In der Mitte wird großformatig die Kreuzigung Jesu gezeigt, die auf einer Vorlage des Lütticher Malers Lambert Lombard basiert. Umrahmt wird dieses Bild von Insignien der Kreuzigung wie Nägel oder Dornenkrone. Das Kleine Fastentuch ist auch ein historisches Zeugnis dafür, wie sanft sich die Reformation in der Oberlausitz vollzogen hat – denn es wurde als einziges von einer protestantischen Gemeinde in Auftrag gegeben.

Mehr Informationen Das Große und das Kleine Fastentuch sind im Museum der Kirche zum Heiligen Kreuz zu sehen.

Frauenstraße 23
02763 Zittau

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: täglich von 10-17 Uhr
November bis März: Di bis So, von 10-17 Uhr
Montags geschlossen


Dresden: "Sixtinische Madonna" von Raffael

Die zwei Engel blicken in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden vom unteren Rand der Sixtinischen Madonna von Raffael.
Die Putten am unteren Bildrand der "Sixtinischen Madonna" von Raffael. Bildrechte: dpa

Zwei kleine Jungs mit Flügeln auf dem Rücken sind von einer großen Wolke umgeben. Der rechte von ihnen hat seine Arme verschränkt auf dem unteren Bildrand abgelegt und seinen Kopf darauf gebettet. Der linke stützt seinen Kopf leicht gelangweilt auf seinen linken Arm. Mit leichter Kopfneigung und wenig Anteilnahme blicken sie nach oben. Diese Putten gehören zu den berühmtesten Engelsdarstellungen, die sich auf zahlreichen Souvenirs finden. Nicht jedem ist bewusst, dass die Kinder nur ein kleiner Teil eines größeren Gemäldes sind: "Sixtinische Madonna" des berühmten Malers Raffael.

Papst Julius II. gab das Bild in Auftrag, das für die Klosterkirche San Sisto in Piacenza geschaffen wurde. Da dort die Reliquien der Heiligen Barbara und Sixtus II., dem Bischof Roms im 3. Jahrhundert, verwahrt werden, finden sich auch diese beiden historischen Figuren auf dem Bild wieder. Mitte des 18. Jahrhunderts wollten die Mönche das Bild verkaufen, um so die Sanierung ihres Klosters zu finanzieren. Und August aus Sachsen ergriff die Gelegenheit. 1754 wurde das Gemälde nach Dresden gebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Madonna von der Sowjetunion als Kriegsbeute nach Moskau gebracht und 1955 an Dresden zurückgegeben.

Die Sixtinische Madonna.
Die "Sixtinische Madonna" von Raffael - zu sehen in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Bildrechte: SKD/Estel/Klut

Das Gemälde besticht vor allem durch seine handwerkliche Perfektion: Der Vorhang verstärkt die Dreiecksposition der drei Hauptfiguren und weist auf die Wechselbeziehung zwischen dem Irdischen und Himmlischen. Die Madonna und das Jesuskind blicken aus dem Bild – und damit aus dem Himmel – den Betrachtenden direkt in die Augen. Auch Sixtus ist von dem Anblick der Madonna fasziniert. Die Heilige Barbara ihrerseits blickt auf die Engelskinder hinab, die ihrerseits wieder zur Madonna schauen – so werden die Betrachterinnen und Betrachter durch das Bild geführt. Der Hintergrund wirkt auf den ersten Blick schlicht, erst beim genauen Betrachten wird deutlich, dass unzählige Engelsgesichter auf die Szene blicken. Der russische Romancier Fjodor Dostojewski liebte das Gemälde, weil er darin den menschlichen Geist zu erkennen glaubte. Vielleicht ist es genau das, was die kleinen Engel so langweilt. Denn was diese Putten tun, fragen sich Kunstinteressierte seit Jahrhunderten.

Mehr Informationen Die "Sixtinische Madonna" ist in der Galerie Alte Meister in Dresden zu sehen.

Im Zwinger
Theaterplatz 1
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-17 Uhr
Am Fr zusätzlich zur Blauen Stunde von 17-20 Uhr
Montags geschlossen


Dresden: "Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb"

5.223 Diamanten, 189 Rubine, 175 Smaragde, 53 Perlen, zwei Kameen und ein Saphir schmücken das Diorama der Gebrüder Dinglinger, das als ein Hauptwerk der barocken Juwelierkunst gilt. Gezeigt wird eine tagelang dauernde Feier am indischen Hof des Herrschers Aureng-Zeb. Der Großmogul war ein Zeitgenosse Augusts des Starken und beherrschte fast den ganzen indischen Subkontinent. Sein Reichtum war legendär, sein Riesenreich wurde zentral gesteuert. Damit wurde er für August den Starken und seine Zeit zur Verkörperung imperialer Herrscherträume und absolutistischer Größe. In der Szene thront er unter einem großen Baldachin und nimmt Geschenke entgegen. Die prunkvolle Ausstattung scheint also angemessen.

Der Restaurator Rainer Richter hebt im Neuen Grünen Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die Figur des Großmoguls Aureng-Zeb in seinen Miniaturhofstaat.
Restaurator Rainer Richter überprüft das Prunkstück Bildrechte: dpa

Das Kabinettstück bildet die historische Wirklichkeit nur bedingt ab: Denn Johann Melchior Dinglinger und auch sonst niemand in seinem Umfeld waren jemals selbst in Indien. Für ihre Arbeit nutzten sie verschiedene Reiseberichte, die von den ausufernden Feiern erzählten. Johann Melchior Dinglinger schuf das Werk mit 14 Gehilfen zwischen 1701 und 1708. Sein Bruder Georg Friedrich überzog die 137 Menschen- und Tierfiguren mit goldener Emaille, und der Juwelier Georg Christoph Dinglinger schmückte die Szene mit Edelsteinen.

Obwohl das Werk ohne Auftrag entstand, erwarb August der Starke es schließlich für 58.485 Reichstaler – ein enormer Preis, wenn man bedenkt, dass ein Adelspalais in der Stadt damals etwa 10.000 Taler kostete.

Mehr Informationen Das Kabinettstück "Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb" ist im Grünen Gewölbe zu sehen.

Im Residenzschloss
Taschenberg 2
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Mi bis Mo, von 10-17 Uhr
Am Fr zusätzlich zur Blauen Stunde von 17-20 Uhr
Dienstags geschlossen


Dresden: Triptychon "Der Krieg" von Otto Dix

"Verismo" bedeutete nicht nur, die Welt realistisch abzubilden, sondern sie mit allen Schrecken zu zeigen, die in ihr wohnte. Darin war Otto Dix ein Meister, und das Triptychon "Der Krieg" ist vielleicht sein wichtigstes Werk. Dix wurde 1892 in Gera geboren und begann schon früh zu malen. 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und kämpfte drei Jahre lang an der Front. Diese Erlebnisse verarbeitete er seinem Triptychon, das aus einem großen Bild, zwei Flügeln und einem Sockel, der sogenannten Predella besteht.

Otto Dix, Der Krieg, Das Dresdner Triptychon Ausstellung im Albertinum
Otto Dix: "Der Krieg" Bildrechte: imago images / Sylvio Dittrich

Der Mittelteil zeigt ein menschenleeres, verwüstetes Schlachtfeld. Ein Skelett in Kleiderfetzen hängt wie ein Gepfählter auf einem verbogenen Eisenträger und verweist mit seiner ausgestreckten Hand auf die Kraterlandschaft des Krieges. Links schleppen sich zwei Soldaten – ob sie nur verwundet oder schon Geister sind, bleibt unklar – vom Feld, rechts zieht eine Kompanie schon in die nächste Schlacht. Der Sockel zeigt das Innere eines Sarges. Immer wieder greift Dix in diesem Bild die Darstellungstradition aus der gesamten Geschichte auf, überzeugt mit altmeisterlicher Pinselführung, sodass sich die Darstellungen der verwundeten und toten Soldaten in das kollektive Bildgedächtnis eingebrannt haben. Wie Skizzen, Studien und maltechnische Untersuchungen zeigen, rang Dix immer wieder neu um die Komposition und um die Aussage des Werkes. Mit dem monumentalen Bild reagierte der Maler, der später von den Nazis verfolgt und gebrandmarkt wurde, auch auf den neu aufflammenden Nationalismus in der Endphase der Weimarer Republik.

Mehr Informationen Das Triptychon "Der Krieg" ist in der Galerie Neue Meister zu sehen.

Im Albertinum
Tzschirnerplatz
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-17 Uhr
Montags geschlossen


Leipzig: Beethoven-Denkmal von Max Klinger

Klingers Skulptur "Beethoven" (1902) steht in der Jubiläumsausstellung mit Werken von Max Klinger im Museum der bildenden Künste (MdbK). 
Die Beethoven-Skulptur von Max Klinger Bildrechte: dpa

Hier wird das Genie zu einem Gott. Max Klinger war zwar Maler und Bildhauer und empfand doch immer auch eine tiefe Liebe zur Musik. In dem Komponisten Ludwig van Beethoven erkannte sich der in Leipzig geborene Künstler selbst wieder oder zumindest sein Verständnis von Kunst und Schaffenskraft.

Wie eine Gestalt aus der Antike sitzt die marmorne Beethoven-Figur auf einem mächtigen Thron. Über seinen Beinen und Lenden liegt eine goldene Decke. Seine Füße ruhen auf einem Stein, der mit seiner im Vergleich zum Thron helleren Farbe und der groben Struktur an eine Wolke erinnert. Vor ihm hockt ein Adler, der Begleiter des Göttervaters Zeus, und blickt von unten auf das Künstler-Genie. In den Gesichtszügen des Komponisten spiegelt sich Ernsthaftigkeit und etwas, das vor allem damals gerne Weltschmerz genannt wurde. Er beugt sich leicht nach vorn, ist der Welt zugewandt. Genaue diese Haltung scheint ihn auf diesen Thron erhoben zu haben. Klinger wollte die Leidensgeschichte in dieser Skulptur zum Ausdruck bringen, die er mit Schönheit und Liebe erlösen wollte – ebenso wie der von ihm verehrte Beethoven.

17 Jahre lang hat Klinger an diesem Denkmal gearbeitet. Denn die Skultur besteht nicht aus einem Stück. Stattdessen hat Klinger verschiedene Materialien auf komplizierte Weise zusammengefügt, sodass durch das Werk die verschiedenen Farbtöne fast malerische Qualitäten besitzt. Schon bei der ersten Präsentation 1902 in Wien wurde Kritik laut, und auch heute noch mögen sich Betrachterinnen und Betrachter an dem Charakter der Figur stoßen. Doch es zeigt die bildhauerische Meisterschaft Max Klingers und ist vermutlich sein monumentalstes Werk.

Mehr Informationen Im Museum der bildenden Künste wurde Klingers Beethoven-Monument ein eigener Raum gewidmet.

Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

Öffnungszeiten:
Di, Do bis So, von 10-18 Uhr
Mittwoch, von 12-18 Uhr
Montag geschlossen

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Museumsschätze in Mitteldeutschland" | 17. November 2020 | 18:05 Uhr