Mehrere Personen stehen um einen Lichtkegel auf einer Bühne mit violettem Hintergrund.
"Niederwald" erzählt von einem Leben in einem Dorf in den Bergen. Bildrechte: Schauspiel Leipzig

Moderne Herausforderungen Halle und Leipzig: Fünf Highlights im Theater im März

01. März 2024, 04:00 Uhr

Die Theater in Leipzig und Halle bieten im März 2024 ein Programm mit vielen spannenden Perspektiven: In Halle wird über die großen Gefühle getanzt und gegen einen tyrannischen Drachen gekämpft. In Leipzig spielt ein Kind mit seinen Geschwistern ernsthaft das Leben im Krieg nach und eine Familie zieht in eine fremde Welt. Außerdem gibt es den vielleicht berühmtesten Operetten-Klassiker. Das sind die Höhepunkte, die Sie im März nicht verpassen sollten! Jeweils zu Beginn des neuen Monats wird diese Übersicht aktualisiert.

Schauspiel in Halle: "Drache" am Neuen Theater

Ein Drache hält die Stadt fest im Griff. Zum Glück kommt der Held Lanzelot vorbei und bietet an, das Monster zu beseitigen und die Bevölkerung zu befreien. Doch die wollen das gar nicht: Sie sehen den Drachen als ihren Beschützer, dem sie eben regelmäßig eine junge Frau opfern müssen. Als Nächste steht dafür Elsa auf der Liste, in die sich Lanzelot längst verliebt hat – und deswegen eben doch den Kampf sucht. Der russische Schriftsteller Jewgeni Schwarz schrieb seine märchenhafte Parabel 1943 unter Eindruck des Angriffskrieges von Nazi-Deutschland. Uraufgeführt wurde es erst später und schien sich auch wunderbar auf Stalins Russland zu beziehen. Darin liege diese Stärke des Stücks, meint MDR KULTUR-Theaterkritiker Matthias Schmidt, und findet, dass die neue Mit-Intendantin des Neuen Theaters Halle, Mareike Mikat, die hier Regie führte, diese Schichten wunderbar freilegt. Dabei überzeuge die Inszenierung auch mit viel Spielfreude und einer wunderbaren Elsa, die von Tristan Becker gespielt wird. Beim "nachtkritik-Theatertreffen 2024" wurde diese Inszenierung unter die zehn Sieger gewählt.

Weitere Informationen "Drache" von Jewgeni Schwarz

Adresse:
neues theater
Große Ulrichstraße 51
06108 Halle (Saale)

Dauer: 165 Minuten, eine Pause

Termine:
9. März, 19:30 Uhr
10. März, 15 Uhr

Auf einer Bühne steht eine Person in rotem Licht und schwenkt ein Tuch. 8 min
Bildrechte: Falk Wenzel

Schauspiel in Leipzig: "Niederwald" im Schauspielhaus

Der Autor und Dramatiker Wolfram Höll schreibt nicht viel, aber immer wieder auf den Punkt. Bereits drei seiner Stücke wurden in Leipzig uraufgeführt und zu den renommierten Mühlheimer Theatertagen eingeladen. Höll ist 1986 in Leipzig geboren und lebt inzwischen in der Schweiz. Diese bemerkenswerte Änderung seiner Lebensumstände verarbeitet er in dem vierten Stück, das in Leipzig im Dezember 2023 uraufgeführt wurde: "Niederwald".

Es erzählt von einem verwitweten Familienvater, der mit seiner Großmutter und seinem Kind in die ehemalige Heimat seiner Partnerin reist, in die Schweiz. Dort müssen sie sich in die neue Lebensrealität einfinden, die auch von einer ganz anderen Sprache geprägt ist. Meistens erzählen die Figuren von ihrer Situation in kleinen Monologen, zu denen Regisseurin Elsa-Sophie Jach ein passendes Bewegungskonzept entwickelt, meint der Kritiker Tobias Prüwer. Bei "Der deutschen Bühne" schreibt er: "Es geht in dem verrätselten Text um Verständigung und Verlust, Verwahren und Verkennen, was Regisseurin Elsa-Sophie Jach in ebenso enigmatische Bilder für einen fesselnden Abend packt."

Eine Person schaukelt ein einem Gestell, das auf eine violett erlechteten Bühne steht.
Mit allerlei Spielereien wird "Niederwald" von Wolfram Höll auf die Bühne gebracht. Bildrechte: Schauspiel Leipzig

Weitere Informationen "Niederwald" von Wolfram Höll

Adresse:
Schauspiel Leipzig
Bosestraße 1
04109 Leipzig

Dauer: 95 Minuten, keine Pause

Termine:
23. März, 20 Uhr

Tanz in Halle: "Evolution"

Wie man soziologische Konzepte tanzen kann, zeigt Václav Kuneš in Halle. Inspiriert von Noah Yuval Hararis "Eine kurze Geschichte der Menschheit" und Konrad Lorenz' "Das sogenannte Böse" hat der Choreograf das Stück "Evolution" entwickelt. Er bringt Emotionen auf die Bühne und untersucht, wie sie zum Menschsein gehören. Er schafft faszinierende Bilder, hinterfragt die Kunst selbst und zeigt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren. "Dieses rituelle Ballett-Theater überrascht und überwältigt, weil es lustvoll einen Bogen um reguläre Bilder vom Menschsein schlägt", so Kritiker Roland Dippel in "Der deutschen Bühne".

Auf einer gelb erleuchteten Bühne springen Menschen in schwarzen Hosen und schwarzen Tops in die Luft.
Menschen werden von sechs grundlegenden Emotionen bestimmt, die in Halle getanzt werden. Bildrechte: Falk Wenzel

Weitere Informationen "Evolution"
Tanzabend von Václav Kuneš

Adresse:
Oper Halle 
Universitätsring 24 
06108 Halle (Saale)   

Dauer: 120 Minuten, eine Pause 

Termine: 
10. März, 18 Uhr
16. März, 19:30 Uhr
23. März, 19:30 Uhr

Operette in Leipzig: "Die Fledermaus" an der Musikalischen Komödie

Vor dem geschlossenen Vorhang kann das Publikum zwei Saufkumpel beobachten, die scheinbar in der Nacht durch die Straßen torkeln. Schließlich lässt einer den anderen in kompromittierter Stellung zurück. Genau dafür will sich Dr. Falke rächen und lädt seinen Freund Eisenstein, bevor dieser ins Gefängnis soll, zu einem rauschenden Fest ein. Dort wird dieser der Untreue überführt, indem er von seiner verkleideten Frau verführt wird, die wenige Stunden zuvor noch selbst mit ihrem Liebhaber zugange war. Die vertrackte und auch etwas abstruse Geschichte begeistert die Menschen seit 150 Jahren, auch wegen ihrer eingängigen Melodien. In Leipzig bringt Peter Lund den Klassiker auf die in kräftigem Gelb strahlende Bühne der Musikalischen Komödie. Er aktualisiert die Handlung nicht unbedingt, aber schaut dennoch mit einem modernen Blick auf die Handlung. "Ein Geschenk", meint der Kritiker Werner Kopfmüller in der "Leipziger Volkszeitung". Auch musikalisch bleibe wenig zu wünschen übrig.

Eine Frau sitzt vor einem gelben Vorhang auf einem Bett. Rechts und links drücken sich Männer in Mänteln an sie.
"Die Fledermaus" von Strauss ist Ausdruck eines leichten Lebens, das nicht an Konsequenzen denkt. Bildrechte: Ida Zenna

Weitere Informationen "Die Fledermaus" von Johann Strauss

Adresse:
Musikalische Komödie
Dreilindenstraße 30
04177 Leipzig

Dauer: 135 Minuten, eine Pause

Termine:
2. März, 19 Uhr (AUSVERKAUFT)
3. März, 15 Uhr (AUSVERKAUFT)
30. März, 19 Uhr

Puppentheater in Leipzig: "Der Koch und der halbe Soldat" am Theater der jungen Welt

Wie können wir heute über Krieg ins Gespräch kommen? Das Thema ist uns wieder so nah gerückt, dass es gleich bedrückend oder erdrückend wirken kann. Aber wir müssen – gerade mit jüngeren Menschen – darüber sprechen. Die Koproduktion "Der Koch und der halbe Soldat“ des Dresdner Theaters junge Generation und des Theaters Laika bietet dafür eine gute Gelegenheit.
Darin haben Jo Roets und Greet Vissers zwei Bücher von Benny Lindelauf verwoben: Die älteren Geschwister von Georgie müssen in den Krieg ziehen. Während die Eltern alles vorbereiten, soll das jüngste Kind mit einer Geschichte abgelenkt werden. Diese spielt in einem Land, in dem sich ein königliches Zwillingspaar bekriegt und wo der Koch Tortot sich durchschlägt. Eigentlich ist er ein harter Typ, bis er ein Kind trifft, das nach seinen Geschwistern sucht. Immer wieder vermischen sich die Ebenen, sodass das Sprechen über Krieg selbst zum Thema wird. Gleichzeitig überrascht die Inszenierung auch mit zahlreichen Einfällen, die man hören, sehen und sogar schmecken kann. Passend zum Gastland Niederlande auf der Leipziger Buchmesse ist die Produktion zu Gast in Leipzig.

Personen in olivgrünen Jumpsuits sitzen um ein Fass, aus dem die Puppe eines jungen schaut.
Mit vielen kreativen Spielereien erzählen Georgies Geschwister über einen fernen und doch nahen Krieg. Bildrechte: Klaus Gigga

Weitere Informationen "Der Koch und der halbe Soldat"
nach den Büchern von Benny Lindelauf

Adresse:
Theater der Jungen Welt
Lindenauer Markt 21
04177 Leipzig

Dauer: 95 Minuten, keine Pause

Termine:
22. März, 20 Uhr
23. März, 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 10. Februar 2024 | 09:10 Uhr

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