Aktuelle Debatten Was läuft im Theater? – Die Highlights im November für Weimar, Erfurt und Jena

Der neue Musikdirektor in Erfurt hat gekonnt seinen Einstand gegeben und die neue Leitung des Theaterhaus Jena holt eine großartige Show aus der Vorsaison auf die Bühne zurück. Hier finden Sie eine Übersicht mit den wichtigsten Aufführungen im November.

Drei Bilder nebeneinander: Frauen in Pink, eine FIgur in Schwarz springt über die Bühne und eine Frau führt eine Puppe.
Ein Opernklassiker, eine wilde ROmanadaption und Performance über Feminismus gibt es im November in Thüringen. Bildrechte: Theaterhaus Jena gGmbH - Deutsches Nationaltheater Weimar - Theater Erfurt

Für Action mit Tiefgang: "Der Meister und Margarita" am DNT Weimar 

"Der Meister und Margarita" in Weimar
Bildrechte: Candy Welz

"Der Meister und Margarita" ist einer der großen Klassiker der russischen Literatur und vielleicht einer der schwierigsten. Denn was hier eigentlich die Handlung ist, lässt sich nur schwer sagen: Da diskutieren zwei Männer in Moskaus Straßen über die Kunst, als eine mysteriöse Gestalt auftaucht und dem disputierenden Dichter einen absurden Tod voraussagt. Dass das auch eintrifft, ist jedoch nicht die Geschichte, sondern die Mühen, die Margarita auf sich nimmt, um ihren Meister wiederzufinden. Das erzählt Luise Voigt mit viel Tempo, in einem grandiosen Bühnenbild und einem energiegeladenen Ensemble. 

Weitere Informationen Die Bühnenadaption von "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgagkow von Luise Voigt in Weimar

Dauer: 110 Minuten, keine Pause

Termine: 4. und 17. November, jeweils 19.30 Uhr

Für Debatten-Teilnehmer: "Aida" am DNT Weimar 

Die Oper "Aida" ist nicht unproblematisch: Ein Italiener des 19. Jahrhunderts erzählt von einer Liebesgeschichte in einem noch älterem Ägypten. Dass die Musik nur so tut, als sei sie ägyptisch, liegt nahe. Weimars Operndirektorin Andrea Moses nutzt Verdis Klassiker, um eine große Debatte auf die Opernbühne zu bringen: Der Streit um Rückgabe von Kunstschätzen, die im Rahmen des Kolonialismus nach Europa kamen. Das geht nicht immer auf und wirkt vielleicht auch mal etwas überfrachtet, aber zeigt, dass Oper immer noch zeitgemäß ist.

Weitere Informationen Andreas Moses' Inszenierung von Giuseppe Verdis "Aida" am DNT Weimar

Dauer: 180 Minuten, eine Pause

Termine:
26. November, 19.30 Uhr

Für Kinder jeden Alters: "Die Königin der Farben" am DNT Weimar 

"Ich bin die Königin der Farben", singt Emma Moore. Auf der Studiobühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar ist ein Kinderzimmer aufgebaut und die kleine Protagonistin ruft nacheinander Farben zu sich, immer sicher, dass es die Beste sein wird – und dann wieder enttäuscht zu werden. Verkörpert werden die Farben in der Vertonung von André Kassel von einzelnen Instrumenten, deren Spielerinnen und Spieler auch wunderbar auf der Bühne agieren. Das junge Publikum findet so vielleicht den Zugang zum Musiktheater und das ältere Publikum lernt die vielfältigen Möglichkeiten der Musik kennen. 

Weitere Informationen "DIe Königin der Farben" –
Musiktheater von André Kassel nach dem Bilderbuch von Jutta Bauer

Dauer: 50 Minuten, keine Pause

6. November, 16 Uhr
22. November, 10 Uhr
27. November, 16 Uhr

Für Feminist*innen: "Leaving Carthago" am Theaterhaus Jena 

"Leaving Carthago" war eigentlich nur ein Hirngespinst. Pina Bergemann hatte gerade ein Kind bekommen, um das sie sich natürlich auch kümmern musste. Um diese vermeintliche Lücke im Lebenslauf zu schließen – niemand möchte faul wirken – erfand sie kurzerhand das Stück "Leaving Carthago". Jahre nach der Lüge darf sie die Wahrheit erzählen, auf der Bühne des Theaterhauses Jena. Für MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky einer der Gründe, warum dieses Haus ein Vorbild für das Stadttheater sein sollte. Dabei werden die Gedanken über Mutterschaft, Feminismus und Unterdrückung "in eine flotte Show gepackt wird, reich an Action, Selbstironie, Akrobatik und Überraschungseffekten", zeigt sich Harald Raab auf nachtkritik durchaus überzeugt. 

Weitere Informationen "Leaving "Carthago" ist eine Performance von Pina Bergemann und Anna Gschnitzer

Dauer: 85 Minuten

Termine:
17. November, 20 Uhr

Für Opern-Freunde: "Elektra" am Theater Erfurt 

Es gibt kaum dichtere Werke als "Elektra" von Richard Strauss, nah am griechischen Original setzte der damals noch junge Komponist das Stück in Musik um, bei der scheinbar jede Note der Partitur eine eigene Bedeutung hat. Am Erfurter Theater inszeniert Giancarlo del Monaco die Geschichte in einem riesigen, vieldeutigen Tunnel und beweist ein Gespür fürs Detail. Der neue Generalmusikdirektor Alexander Prior hat die Partitur durchdrungen und leitet sein Orchester sicher durch die Musik und lässt das großartige Ensemble glänzen. Für MDR KLASSIK-Opernkritiker Michael Ernst "eine überzeugende Ensemble-Leistung" über die ewig währenden Machtkämpfe voller Blut und Gewalt. 

Weitere Informationen "Elektra" von Richard Strauss und Hugo von Hoffmannsthal in der INszenierunge von Giancarlo del Monaco

Dauer: 90 Minuten, keine Pause

Termine:
6. November, 15 Uhr
19. November, 19 Uhr
25. November, 19.30 Uhr

Für Politik- und Geschichtsinteressierte: "Farm der Tiere" am Theater Schotte Erfurt 

Ein Besuch im Theater Schotte in Erfurt lohnt sich eigentlich immer und Karten sind oft nicht leicht zu kriegen. In diesem Monat steht wieder die Bühnenadaption von Orwells Klassiker "Die Farm der Tiere" auf dem Spielplan. Die Geschichte über Tiere, die die Menschen vom Hof treiben und die Utopie des Kommunismus aufbauen wollen, wird kombiniert mit Geschichten der SED-Diktatur. Die Parabel bekommt so eine neue Dimension. 

Weitere Informationen "Farm der Tiere" – eine szenische Erzählung

Dauer: 85 Minuten, ohne Pause

Termine:
12. November, 20 Uhr
Weitere, ausverkaufte Vorstellungen:
2. November, 18 Uhr
3. November, 10 Uhr
10. November, 19 Uhr
11. November, 20 Uhr

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Drei Männer und eine Frau sitzen an einem Tisch und diskutieren. mit Audio
Im Podium: Guy Montavon, Generalintendant des Theaters Erfurt (v.l.n.r), Andreas Bausewein, Oberbürgermeister der Stadt Erfurt, Anica Happich, Schauspielerin und Kulturaktivistin und Bodo Ramelow, Ministerpräsident Thüringens und Gründungsmitglied der Gesellschaft der Theaterfreunde Erfurt Bildrechte: MDR / Antje Kirsten

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. November 2021 | 16:10 Uhr

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