Ein immergrüner Halbschmarotzer Mistel: Vorsicht, schöner Parasit!

bot. Viscum album, Weißbeerige Mistel, Weiße Mistel

Es heißt, wenn sich ein Paar unter dem Mistelzweig küsst, bringt es Glück für die gemeinsame Zukunft. In Gallien und bei den Germanen galt die Pflanze als Glücksbringer und wurde als Zeichen der Götter angesehen. Sie wurde sogar in der Medizin benutzt und auch heute findet sie dort noch Verwendung. Aber Misteln haben nicht nur positive Eigenschaften. Sie sind so genannte Halbschmarotzer, die Bäumen Nährstoffe entziehen.

Ein grüner Mistelzweig mit weißen Mistelbeeren.
Die Mistel wird mit vielen positiven Aspekten verbunden, aber sie ist inzwischen eine richtige Plage. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Geschichte und Brauch

Früher galt die Mistel als heiliger Glücksbringer. Sie war ein Zeichen der Götter und das Symbol der Weisheit. Nur Druiden durften sie sammeln. Man stellte aus den Misteln Medizin und aus den Beeren Vogelleim her, den man nutzte, um Vögel zu fangen.

Heute sieht man sie oft als große Bälle in Bäumen hängen. In der Weihnachtszeit sind sie als Zimmerschmuck gefragt. Ein britisch-französischer Brauch besagt, dass sich ein Paar küssen muss, wenn es unter einem Mistelzweig steht. Der Kuss soll ihnen eine glückliche, gemeinsame Zukunft bescheren.

Grünmisteln 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Mistel zerstört die Wirtspflanze

Baum mit mehreren Misteln
Misteln wachsen kugelförmig um die Äste ihres Wirts herum. Bildrechte: MDR/Patricia Geissler

Misteln sind epiphytische Parasiten und zählen zu den Halbschmarotzern, da sie auf verschiedenen Bäumen wachsen. Diese nutzen sie als Wirt für Wasser und Nährstoffe. Dabei zerstören die Aufsitzerpflanzen die Zellwände der Bäume und treiben einen Keil in das Wirtsgewebe. Dieser Keil kann bis zu einem halben Meter tief in den Baum gehen. Im Extremfall kann der Wirt sogar absterben. Wegen der schnellen Verbreitung schlägt der Naturschutzbund NABU bereits Alarm und rät dazu, die befallenen Bäume im Spätwinter zu beschneiden. Das sei die einzige wirksame Methode, die weitere Verbreitung der Misteln zu verhindern. Besonders Streuobstwiesen seien gefährdet.

Vollschmarotzer und Halbschmarotzer Pflanzliche Parasiten unterteilen sich in Halb- und Vollschmarotzer. Halbschmarotzer haben voll ausgebildete grüne Blätter und können selbst Fotosynthese betreiben, also mithilfe von Licht energiearme Stoffe in energiereiche umwandeln. Die Mistel auf dem Laubbaum ist solch ein Halbschmarotzer.

Vollschmarotzern hingegen fehlt der Blattfarbstoff Chlorophyll. Deshalb sind sie nicht zur Fotosynthese fähig – darum sind sie ständig auf einen Wirt angewiesen.

Vor allem Wasser und Nährstoffe müssen die parasitären Pflanzen von ihren Wirten abzweigen. Dafür haben die Schmarotzer spezielle Saugorgane, sogenannte Haustorien. Bei Misteln bestehen diese aus umgebildeten Wurzeln. Deswegen müssen Misteln nicht in der Erde Wurzeln schlagen.

Auf einen Blick
Heimat Europa
Pflanzenfamilie Sandelholzgewächse (Santalaceae)
Wuchs wächst als Ball und wird bis zu einen Meter groß
Blüte gelbe Blüten
Blütezeit blüht im Frühjahr, bevor der Baum seine Blätter austreibt
Früchte kleine weiße Beeren
Standort wächst in Laubbäumen, aber auch auf Nadelgehölzen
Lebensdauer ca. 70 Jahre
Besonderheiten Enthält Inhaltsstoffe, die in der Medizin verwendet werden. Die Beeren sind stark giftig, die anderen Pflanzenteile schwach giftig.

Misteln nicht im eigenen Garten anbauen!

Mistel
Vor allem Vögel verbreiten Misteln. Bildrechte: colourbox.com

Misteln können bis zu 70 Jahre alt werden. Sie sind immergrün und wachsen in runden Gebilden rund um die Äste der Wirtspflanzen herum. Die Beeren der Mistel sind klein, weiß-schimmernd und klebrig mit einem einzelnen Samen im Inneren. Vor allem Vögel sind dafür verantwortlich, dass sich Misteln immer weiter ausbreiten. Sie fressen die Beeren und scheiden später die Samen wieder aus, die auch nach der Verdauung immer noch keimfähig sind.

Da Misteln den Bäumen, auf denen sie wachsen, schaden, sollten sie nicht gezielt im eigenen Garten kultiviert werden. Der NABU ruft sogar dazu auf, die Parasiten aus Bäumen zu entfernen.

Die Mistel in der Medizin

In allen Pflanzteilen der Mistel stecken heilende Inhaltsstoffe, die in der Medizin, vor allem auch in der Homöophatie verwendet werden. Arzneimittel mit Extrakten der Mistel sollen gegen Bluthochdruck helfen, Blutfettwerte senken und Arterienverkalkung vorbeugen. Da die Vorkommen aus der Natur - trotz starker Verbreitung - nicht ausreichen würden, gibt es für die Arzneimittelproduktion extra angelegte Mistelplantagen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 22. Dezember 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 08:30 Uhr