Zahlen, Daten, Fakten Medien in Mitteldeutschland

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erscheinen täglich zwölf Abo-Zeitungen mit über 120 Lokalausgaben. Nicht nur in den großen Städten machen außerdem lokale TV- und Radiosender Programm. Ein regionaler Überblick.

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In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erscheinen täglich 12 Abo-Zeitungen mit über 120 Lokalausgaben. Unsere Karte zeigt die Lokalausgaben in den jeweiligen Landkreisen. Die Farben lassen die Zugehörigkeit zu den jeweiligen Regionalzeitungs-Verlagen erkennen, die den Mantelteil mit landes-, bundes- und weltweiten Themen beisteuern und für den Druck zuständig sind. In nur wenigen Landkreisen erscheinen Zeitungen unterschiedlicher Verlagshäuser. Die Zahlen in Klammern zeigen die IVW-Verkaufszahlen vom 2. Quartal 2020 (im Vergleich zum Vorjahresquartal).

Die regionalen Tageszeitungen sind ein wichtiges Informationsangebot für Mitteldeutschland. Täglich produzieren sieben größere und drei kleinere Verlagshäuser aktuell 121 Lokalausgaben. Wie lange so viele Zeitungen noch erscheinen werden, ist unklar. Die Zahl der Abonnenten und damit die Einnahmen aus dem Verkauf sinken seit Jahren. Die Auflagenzahlen werden quartalsweise vom unabhängigen IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) erhoben. Diese Zahlen sind für die Zeitungshäuser wichtig, wenn es um die Höhe der Anzeigenpreise geht – neben den Abos und Erlösen aus dem Verkauf am Kiosk die dritte wichtige Säule zur Finanzierung.

E-Paper und Onlineangebote

Auch der Umstieg auf E-Paper oder andere Bezahlmodelle im Internet läuft nicht so dynamisch, wie es nötig wäre, um die Verluste im Verkauf der gedruckten Ausgaben zu kompensieren. Die Lokalausgabe Weißwasser der Sächsischen Zeitung etwa verzeichnet aktuell gerade einmal 54 E-Paper-Abonnenten, nur zehn mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres. Neben E-Paper-Ausgaben setzen die Verlage deswegen zunehmend auf die sogenannte Bezahlschranke – ausgewählte Inhalte sind nur für zahlende Online-Abonnenten zugänglich.

Glossar

Ein E-Paper ist die elektronische Version eines Printmediums, das mittels Datenfernübertragung übertragen und an einem Bildschirm dargestellt werden kann.

Als Bezahlschranke – wird ein Mechanismus bezeichnet, mit dem bestimmte Inhalte einer Website, in dem Fall einer Zeitung nur nach dem Bezahlen einer Gebühr oder dem Abschluss eines Abonnements sichtbar sind (Paid Content).

Die technische Reichweite gibt die Zahl der Haushalte an, die einen Radio- oder TV-Sender empfangen könnten, weil er bespielsweise im Angebot des Kabelanschlusses ist.

Die Einschaltquote einer Radio- oder Fernsehsendung ist der prozentuale Anteil der, je nach Messverfahren, Empfangshaushalte oder Personen, die zu einem gegebenen Zeitpunkt die Sendung hören oder sehen

Spardruck

Rückläufige Einnahmen bei steigenden Ausgaben zwingen die Verlage zunehmend zu sparen:

Eine Möglichkeit, die wirtschaftliche Schieflage auszugleichen, ist die Zusammenlegung von Lokalredaktionen. Die Leipziger Volkszeitung fasste die Lokalausgaben Grimma und Wurzen zur Muldentalzeitung zusammen. Die Mitteldeutsche Zeitung gab beispielsweise die Lokalredaktion Gräfenhainichen auf. Das Gebiet wird nun durch die Journalistinnen und Journalisten der Lokalredaktion Wittenberg betreut.* Auch andere Verlagshäuser suchten und identifizierten Sparpotentiale, etwa indem sie Berichterstattungsgebiete einzelner Lokalausgaben zusammenlegten oder Korrespondentenstellen strichen. Die Funke Mediengruppe will zum Jahresende 2021 das Druckzentrum in Erfurt schließen. Grund seien zu hohe Kosten für neue Druckmaschinen, die vor dem Hintergrund sinkender Druckauflagezahlen nicht zu rechtfertigen seien, so Funke-Unternehmenssprecherin Jasmin Fischer.

Der Wandel wirkt sich auch auf die Arbeitsbedingungen der Journalisten aus. In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Redakteursstellen im Verlagsbereich deutschlandweit um 8,5 Prozent gesunken, sagt Matthias von Fintel vom ver.di Bundesvorstand Bereich Medien. Diese Tendenz zeige sich auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, so Fintel.

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Regionalzeitungen und ihre Verlage

Karte mit Ländergrenzen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und farblich abgesetzte Vertriebsregionen großer Verlagskonzerne. Darüber hinaus eine Zuordnung der Regionalzeitungen.
Bildrechte: MDR MEDIEN360G
Karte mit Ländergrenzen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und farblich abgesetzte Vertriebsregionen großer Verlagskonzerne. Darüber hinaus eine Zuordnung der Regionalzeitungen.
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Karte mit Ländergrenzen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und farblich abgesetzte Vertriebsregionen großer Verlagskonzerne. Darüber hinaus eine Zuordnung der Regionalzeitungen.
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Die Mitteldeutschen Regionalzeitungen gehören diversen Verlagsgesellschaften und Mediengruppen an. Sieben Großverlage sind in Mitteldeutschland vertreten. Die Grafik ist eine vereinfachte Darstellung. Es gibt Landkreise, in denen Regionalzeitungen unterschiedlicher Großverlage vertrieben werden.

Der klassische Zeitungsverlag besteht aus mehreren Abteilungen. Herzstück der journalistischen Arbeit ist die Redaktion. Dazu kommen die Bereiche Produktion und Druck, eine Anzeigenabteilung, die die Werbeplätze in der Zeitung verkauft sowie der Vertrieb. Seine Aufgabe ist, die Verteilung des Blattes an die Zeitungskioske und die Zustellung an die Abonnentinnen und Abonnenten sicher zu stellen. Heute kümmert sich die Vertriebsabteilung auch um die digitalen Angebote des Verlags wie Websites, Apps oder E-Paper.

Lokale Konkurrenz 1

Im Printmarkt gibt es außerdem noch weitere Titel – die personell zwar oftmals nicht mit den Lokalredaktionen der Zeitungen mithalten können, bei den Leserinnen und Lesern aber punkten. So gibt es in allen drei Bundesländern kostenlose Anzeigenblätter. Die finanzieren sich ausschließlich über Anzeigen, berichten also grundsätzlich nicht kritisch über die eigenen Werbepartner. Bei vielen Leserinnen und Lesern aber werden sie wie Zeitungen wahrgenommen.

Außerdem gibt es noch Wettbewerb von der Boulevard-Seite: In Sachsen erscheint die Morgenpost Sachsen mit Regionalausgaben Dresden und Chemnitz. Die BILD-Zeitung verfügt außerdem über regionale Seiten in den einzelnen Bundesländern, die vereinzelt auch Lokalseiten für Großstädte beinhalten.

Lokale Konkurrenz 2

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es außerdem zahlreiche kommerzielle und nichtkommerzielle lokale TV- Sender. Auch sie bieten in unterschiedlichem Umfang und Qualität regionale Informationen. Die Reichweite dieser TV-Sender lässt sich nach Angaben der für die Aufsicht zuständigen Landesmedienanstalten der drei Länder nicht bestimmen. Hier werden nur technische Reichweiten angegeben. Die entsprechen aber nur der Zahl der angeschlossenen Haushalte. Wer den Kanal wirklich nutzt, bleibt unklar.

Anders ist das Bild im Bereich der Radiosender. Während es in Thüringen nur drei kommerzielle Radiosender gibt, ist die Radiolandschaft in Sachsen vielfältiger. Neben den großen Anbietern Radio PSR, RSA und apolloradio gibt es die Programmanbietergesellschaft ENERGY Sachsen. Außerdem gibt es zahlreiche Lokalradios im Freistaat. In Sachsen-Anhalt gibt es fünf kommerzielle Radioprogramme.

Regionale Berichterstattung spielt in diesen Hörfunkprogrammen eine unterschiedlich starke Rolle. Der Schwerpunkt liegt oft auf der Musik und Unterhaltung. Deshalb sagen die von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. ermittelten Einschaltquoten nichts über journalistische Inhalte aus. Die reichweitenstärksten Regionalprogramme strahlt der MDR in den drei Ländern aus. Bei den kommerziellen Anbietern stehen radio SAW gefolgt von PSR und Antenne Thüringen an der Spitze. Doch sozusagen in „Arbeitsteilung“ mit den privaten Medien machen die öffentlich-rechtlichen Sender keine reine Lokalberichterstattung - weder im Radio, noch im Fernsehen oder online.

* Hinweis in eigener Sache: In einer vorherigen Fassung des Beitrags hatten wir fälschlicherweise weitere Lokalredaktionen der Mitteldeutschen Zeitung genannt, die abgebaut worden seien - die aber weiterhin erscheinen. Den redaktionellen Fehler bitten wir zu entschuldigen. Die Red.