Soziale Medien Die Rolle von TikTok im Bundestagswahlkampf

Die chinesische Kurzvideo-Plattform TikTok zieht seit wenigen Jahren vor allem junge Menschen in ihren Bann. Allein in Deutschland gibt es fast elf Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer. In letzter Zeit wurde die App wird zunehmend politisch. Welche Rolle spielt TikTok im Bundestagswahlkampf?

Apple App Store mit der App TikTok auf einem iPhone.
Auch Politiker und Politikerinnen verbreiten über TikTok ihre Inhalte. Bildrechte: imago images/Rüdiger Wölk

Auf TikTok ist alles möglich: Eben hat man noch ein Tanz- und Tiervideo gesehen, als der Algorithmus ein Video von Thomas Sattelberger vorschlägt: "Wenn ich Schulleiter wäre, wären das meine Regeln" – fängt der FDP-Politiker an und zeigt ein Bild mit Regeln wie "Schüler dürfen über alle Entscheidungen mitbestimmen". Im Anschluss sagt er: "Ich bin aber kein Schulleiter, ich kandidiere aber wieder für den Bundestag. Also schreibt mir, was ihr für Regeln haben wollt."

Der erfolgreichste TikTok-Politiker in 72 Jahre alt

Mit Videos wie diesem geht der Politiker auf die jungen Leute zu, die die Plattform hauptsächlich nutzen. Und das hat Erfolg: Sattelberger überzeugt mit seiner witzigen und selbstkritischen Art etwa 132.000 Followerinnen und Follower. Seine Videos haben 2,5 Millionen Likes. Für TikTok sind das keine großen Zahlen, doch Sattelberger ist mit 72 Jahren auch nicht der übliche TikToker. Mit Hilfe einer Agentur und einem jungen Team hat er es trotzdem geschafft, mit Abstand der erfolgreichste deutsche Politiker auf der Plattform zu werden.

Neben einzelnen Politikerinnen und Politikern sind aber auch einige Parteien vertreten. Mit dabei sind zum Beispiel die FDP, AfD, SPD oder CSU. Bei der CSU läuft es am besten, ihr folgen 58.000 Menschen. Erfolgsrezept ist die Personalisierung des Accounts, sagt der Politikberater und Blogger Martin Fuchs. "Hallo und Servus, die CSU ist jetzt auf TikTok", grüßt Markus Söder. Unterstützt wird er von einer jungen Frau: "Hi, welche Themen liegen euch besonders am Herzen? Klimaschutz und Nachhaltigkeit? Ist es Steuersenkung oder digitale Bildung? Egal was, wir wollen es wissen, schreibt es in die Kommentare."

Warum manche Parteien vor TikTok scheuen

Doch nicht alle Parteien sind auf TikTok aktiv, denn die App steht immer wieder datenschutzrechtlich in der Kritik. Politikberater Martin Fuchs nimmt eine große Angst von Seiten der Parteien wahr: "Weil man nicht ganz genau weiß, wer dahintersteht, wo die Daten hinfließen, wie groß der Einfluss von kommunistischen Parteien aus China ist. Und da will man sich gar nicht in so eine Skandal-Umgebung begeben, wo man mit negativer Berichterstattung konfrontiert wird, weil man auf TikTok ist."

Grundsätzlich dürfen Parteien, Politikerinnen und Politiker ihre Inhalte auf TikTok verbreiten, nur bezahlte Wahlwerbung ist verboten. Was man deshalb nicht auf TikTok findet, sind klassische Werbespots aus dem TV. Am besten funktionieren kurze Clips von 20 oder 30 Sekunden, der Fokus liegt auf der Musik und darauf, dass eben nicht alles perfekt inszeniert ist.

TikTok "nicht wahlentscheidend"

Aber was bringt es nun, auf TikTok politisch aktiv zu sein? Martin Fuchs sagt: "Ich glaube, wenn man das Ziel hat, junge und Erstwählerinnen zu erreichen, dann ist es eine der wichtigsten Plattformen für den Wahlkampf, wenn nicht sogar die wichtigste. Nichtsdestotrotz ist das eine sehr kleine Zielgruppe die auch am Ende nicht wahlentscheidend sein wird. Von daher ist es nichts für die breite Masse der Bevölkerung."

Der Journalist Marcus Bösch hat sich in einer Studie mit der politischen Kommunikation auf TikTok befasst. Er mahnt, die App nicht zu unterschätzen, auch wenn viele Nutzerinnen und Nutzer noch nicht wahlberechtigt sind. "TikTok gilt gemein noch als sehr jung. Nutzerinnen unter 24 herrschen da vor. Das heißt hier kann man Nachwuchsarbeit betreiben und Pflöcke einschlagen, bevor Leute das erste Mal wählen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 29. August 2021 | 07:11 Uhr

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