Karten zu Dialekten Bemme, Beefsteak und Plinse: So spricht man in den ostdeutschen Regionen

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

"Plinse", "Apfelkrebs" und "Semmel": Jede Region hat ihre sprachlichen Eigenheiten. Wir haben die MDR-Nutzer zu ihrem Dialekt befragt. Wie nennt man bei ihnen Eierpfannkuchen oder das Kerngehäuse eines Apfels? Aus den vielen Antworten haben wir Karten erstellt, welche die regionalen Besonderheiten in der Sprache Sachsens, Thüringens und Sachsen-Anhalts zeigen.

Mann spricht Dialekt, Altvatergebirgsdialekt
Wer sagt wo wie zu was? Bildrechte: MDR/Panthermedia/Feodora52

Dialekte sterben allmählich aus – und mit ihnen regionale Bezeichnungen für Nahrungsmittel und alltägliche Gegenstände. Dabei gibt es beispielsweise für Bällchen aus Hackfleich zahlreiche unterschiedliche Namen: vom Klops zur Bulette bis hin zum Beefsteak.

Die Bezeichnungen unterscheiden sich zum Teil sehr deutlich voneinander oder werden von anderen Regionen beeinflusst. So hält sich im Norden Sachsen-Anhalts noch der plattdeutsche Dialekt, was man zum Beispiel an der Bezeichnung des Kerngehäuses von Äpfeln sieht. Den slawischen Einfluss auf sächsische Ausdrücke dagegen erkennt man an der Bezeichnung für Eierkuchen.

Über die Daten

Über die Instagram-Kanäle von MDR SACHSEN-ANHALT, MDR SACHSEN und MDR THÜRINGEN haben wir unseren Nutzern Bilder gezeigt und sie aufgefordert, uns zu schreiben, wie sie das Abgebildete nennen und wo sie aufgewachsen sind. Die Resonanz war mit über 8.000 Rückmeldungen enorm. Aus den so gewonnenen Daten konnten wir "Sprach-Karten" erstellen und nun interpretieren.

EIne Karte mit der Verbreitung von Bezeichnungen für Pfannkuchen 1 min
Bildrechte: MDRklärt/Max Schörm
1 min

Pfannkuchen oder Eierkuchen, das ist hier die Frage. Oder doch Plinse?

Mi 03.08.2022 12:57Uhr 00:14 min

https://www.mdr.de/nachrichten/video-643794.html

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In ganz Sachsen, Thüringen und Sachen-Anhalt ist der Begriff "Eierkuchen" geläufig. Vor allem in den Großstädten Erfurt und Halle ist aber auch der "Pfannkuchen" verbreitet. Und damit ist natürlich nicht der Berliner Pfannkuchen gemeint, sondern Omletts aus Eiern, Milch und Mehl, die in einer Pfanne gebacken werden. Den Streit zwischen Eierkuchen und Pfannkuchen umgehen einige (wenige) der MDR-Nutzer ganz pragmatisch: Sie bezeichnen die Speise einfach als Eierpfannkuchen.

Unter den Top-3 Antworten in der Umfrage war die "Plinse". Sie ist vor allem im Nordosten Sachsens zu finden. Kein Wunder: Das Wort hat seine Wurzeln im Slawischen und ist verwandt mit dem sorbischen "plinc" und dem russischen "Bliny".

Ebenfalls genannt wurden Ditscher beziehungsweise Kitschen (zusammen sechs Mal), Pannekauken, Eierpuffer und Kröpferchen (je ein Mal).

Bällchen aus Hackfleisch

EIne Karte mit der Verbreitung von Bezeichnungen für Buletten
Bildrechte: MDRklärt/Max Schörm

Zu kaum einem anderen Nahrungsmittel wurden so viele verschiedene regionale Bezeichnungen genannt wie zu Bällchen aus Hackfleich. Von naheliegenden wie "Hackbällchen", "Gehackteshübbelchen" oder "Bratklößchen" bis hin zu kreativen Ausdrücken wie "Mumbel" oder "Elefantenpopel" (immerhin zwei Mal).

Betrachtet man die häufigsten Antworten, so zeigt sich, dass Bulette und (Brat-)Klops so gut wie überall in Sachsen-Anhalt und Thüringen verwendet wird. In Nordthüringen und Ostsachsen dagegen sind Gehacktesklößchen beziehungsweise Beefsteak verbreitet.

Ebenfalls häufig genannt wurde "Huller" und "Gewiegtes" mit 13 beziehungsweise 17 Nennungen.

Sie wollen wissen, in welchen Orten genau welcher Begriff benutzt wird? Hier geht es zur interaktiven Karte.

Die 5. Jahreszeit

EIne Karte mit der Verbreitung von Bezeichnungen für Karneval
Bildrechte: MDRklärt/Max Schörm

Karneval oder Fasching – zumindest bei den befragten MDR-Nutzern ist die Sache klar. 473 mal wurde Fasching genannt, nur 29 mal Karneval. Interessant: bei einer Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT unter den Karnevalsvereinen im Land ergab sich ein weit weniger klares Bild.

Die Erklärung: Strenggenommen gibt es einen Unterschied zwischen Karneval und Fasching. "Karneval beschreibt eher den Sitzungskarneval, wie man ihn zum Beispiel aus dem Rheinland kennt. Mit Büttenreden, Tanzmariechen und Co. Das meint auch eher das Brauchtum, das dahinter steckt. Beim Karneval geht es darum, dass es einen Elferrat und eine Garde gibt, die Tracht und Orden tragen und sich damit ursprünglich über das Militär lustig gemacht haben", erklärt MDR-Karnevalsexperte Fabian Frenzel.

"Fasching meint eher Kostümbälle und -partys, auf denen sich Leute verkleiden. Aber grundsätzlich können beide Begriffe auch dasselbe meinen, denn der Begriff Fasching wird vor allem in Ostdeutschland verwendet und meint dann auch den klassischen Sitzungskarneval."

Sie wollen wissen, in welchen Orten genau welcher Begriff benutzt wird? Hier geht es zur interaktiven Karte.

Das Kerngehäuse der Äpfel

EIne Karte mit der Verbreitung von Bezeichnungen für Kerngehäuse
Bildrechte: MDRklärt/Max Schörm

Das Innere des Apfels, also das Kerngehäuse, wird in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen zumeist als Griepsch, Griebsch, Kriebsch oder einer beliebig anderen Schreibweise bezeichnet. In Nordthüringen ist die Variante Krebs oder -Apfelkrebs verbreitet.

Ganz im Norden Sachsen-Anhalts, in der Altmark, hält sich ein plattdeutscher Einschlag. Das Kerngehäuse wird hier zum (Appel-)puhl.

Ebenfalls häufig haben MDR-Nutzer "Strung" und "Apfelknust" angegeben. "Grips", "Knirps" oder "Gräupschi" wurden lediglich ein beziehungsweise zwei Mal genannt.

Sie wollen wissen, in welchen Orten genau welcher Begriff benutzt wird? Hier geht es zur interaktiven Karte.

Das klassische Brötchen

EIne Karte mit der Verbreitung von Bezeichnungen für Brötchen
Bildrechte: MDRklärt/Max Schörm

Der Begriff "Semmel" stammt aus dem althochdeutschen "semala", was "feines Weizenmehl" bedeutet. Heute wird der Begriff vor allem in Bayern verwendet, allerdings zeigt die Befragung, dass auch im Süden Thüringens und Sachsens Semmeln statt Brötchen gegessen werden.

Allerdings wurde vereinzelt angemerkt, dass ein Brötchen dann zur Semmel wird, wenn der Schnitt auf dem Brötchen so tief ist, dass man das Brot einfach mittig auseinanderbrechen kann.

Die Schrippe, die meist mit Berlin assoziiert wird, hat sich im Gegensatz zur Semmel kaum an den Grenzen Sachsen-Anhalts oder Sachsens durchgesetzt.

Sie wollen wissen, in welchen Orten genau welcher Begriff benutzt wird? Hier geht es zur interaktiven Karte.

MDR (Max Schörm)

18 Kommentare

Bernd1951 vor 22 Stunden

Hallo DanielSBK,
wird nicht, egal was unsere Mütter in unserer Kindheit als deutschen Dialekt gesprochen haben und wir "nachgeplappert" haben, als Muttersprache "Deutsch" bezeichnet ?
Wir haben allein im sächsischen Vogtland 4 verschiedene Dialekte.

Bernd1951 Gestern

Hallo Bernd_wb,
das ist bei uns im Vogtland auch so. Es gab oder gibt auch noch die Zeile Semmeln, das waren dann 4 Stück oder 2 Semmeln aneinander. Habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Bernd_wb Gestern

warum denn nicht, eventuell hat er bemerkt dass er mit seinen Worten hier nichts kaufen kann. Wenn der beim Baecker was von Wecken erzaehlt sagt der, ja morgens um 3.

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