Nach neuen Protesten Belarus: Zwei Oppositionsführer festgenommen

In Belarus hat die Polizei zwei prominente Anführer der Demokratie-Bewegung festgenommen. Präsident Lukaschenko hatte im Vorfeld gedroht, die Bewegung zu zerschlagen. Vor zwei Wochen war der Langzeitpräsident von der staatlichen Wahlkommission zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt worden. Seither gibt es Proteste.

Militärpolizei verhaftet eine Frau in den Straßen von Belarus
Militärpolizei auf den Straßen der Hauptstadt Minsk. Das Bild stammt vom 11. August. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

In Belarus sind zwei prominente Oppositionelle festgenommen worden. Ein Sprecher des oppositionellen Koordinationsrats sagte, Olga Kowalkowa und Sergej Dilewsky seien am Montag nahe einer Fabrik festgenommen worden.

Lukaschenko hatte Opposition mehrfach gedroht

Die Behörden bestätigten die Festnahme, nannten aber keinen Grund. Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte zuletzt mehrfach gedroht, den Koordinierungsrat der Opposition zu zerschlagen. Er erklärte das Gremium für illegal. Kowalkowa und Dylewski arbeiten im Präsidium des Koordinierungsrates. Er hatte sich vergangene Woche gegründet, um einen Machtwechsel zu erreichen.

Kritik von Bundesregierung

Die Bundesregierung kritisierte das Vorgehen der belarussischen Staatsmacht. Inhaftierte, die nur ihre demokratischen Rechte wahrnehmen, müssten umgehend freigelassen werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Hintergrund der Proteste gegen Lukaschenko sind die Präsidentschaftswahlen vom 9. August. Die staatliche Wahlkommission hatte ihn kurz darauf zum Wahlsieger erklärt. Die Opposition um die ins Exil gegangene Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja erkennt den Sieg jedoch nicht an und wirft dem Präsidenten Wahlbetrug vor. Erst am Sonntagabend hatten wieder Zehntausende Menschen gegen Lukaschenko demonstriert. Er regiert das Land seit 26 Jahren mit eiserner Hand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. August 2020 | 13:00 Uhr